Der Ossi und der Holocaust

Die­ser Text wur­de am 01.09.2019 begon­nen und ist lei­der immer noch nicht ganz fer­tig, aber er soll jetzt mal sicht­bar werden. 

Einleitung

Die Wes­sis ver­su­chen jetzt, den Osten zu ver­ste­hen. Ein biss­chen spät, denn das Kind ist in den Brun­nen gefal­len. Dazu gibt es ver­schie­de­ne Ana­ly­sen in Zei­tun­gen, die für die Mei­nungs­bil­dung rele­vant sind. Einen wich­ti­gen Punkt aus zwei die­ser Ana­ly­sen möch­te ich in die­sem Bei­trag bespre­chen: DDR und Holo­caust. Die AutorIn­nen der bespro­che­nen Bei­trä­ge sind jeweils aus dem Osten: Ines Gei­pel und Anet­ta Kaha­ne. Das macht ihre Aus­sa­gen um so ver­wun­der­li­cher. Sehen wir uns die Aus­sa­gen von Ines Gei­pel und Anet­ta Kaha­ne im Detail an:

Die West-Gesell­schaft des direk­ten Nach­kriegs, die sich manisch schön­putz­te, die schier mär­chen­gleich Koh­le mach­te und sich in ihrer Unfä­hig­keit zu trau­ern ver­pupp­te. Die post­fa­schis­ti­sche DDR der fünf­zi­ger Jah­re dage­gen wur­de zur Syn­the­se zwi­schen ein­ge­kap­sel­tem Hit­ler und neu­er Sta­lin-Dik­ta­tur, pla­niert durch einen roten Anti­fa­schis­mus, der ein­zig eine Hel­den­sor­te zuließ: den deut­schen Kom­mu­nis­ten als Über­win­der Hit­lers. Mit die­ser instru­men­tel­len Ver­ges­sens­po­li­tik wur­de im sel­ben Atem­zug der Holo­caust für 40 Jah­re in den Ost-Eis­schrank gescho­ben. Er kam öffent­lich nicht vor. 

Ines Gei­pel, Das Ding mit dem Osten, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne, 14.08.2019

Im Osten war eine sys­te­mi­sche und indi­vi­du­el­le Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus und der Sho­ah nicht gewollt. Dies hät­te zu Fra­gen nach Men­schen­rech­ten oder Min­der­hei­ten­schutz geführt, die nur bei Stra­fe des Unter­gangs der DDR zu beant­wor­ten gewe­sen wären. 

Anet­ta Kaha­ne, Debat­te Ost­deut­sche und Migran­ten: Nicht in die Fal­len tap­pen, taz, 12.06.2018

Die kras­ses­te Behaup­tung ist die von Gei­pel, der Holo­caust sei öffent­lich nicht vor­ge­kom­men.1 Die­se Behaup­tung ist leicht zu wider­le­gen und Mat­thi­as Krauß hat das bereits 2007 getan.2 Für die Behaup­tung von Kaha­ne muss man etwas wei­ter ausholen.

Schulbildung: Literatur und Filme

Die Beschäf­ti­gung mit dem Holo­caust zog sich durch die gesam­te Schul­bil­dung. Die Schul­bil­dung war in der DDR zen­tral gere­gelt, d.h. alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler wur­den nach dem­sel­ben Lehr­plan und mit den­sel­ben Lehr­ma­te­ria­li­en unter­rich­tet. Wir haben in der 9. Klas­se Kin­der­schu­he aus Lub­lin von Johan­nes R. Becher gelernt. Vie­le haben das auf­ge­sagt (33 Stro­phen). Die, die es nicht selbst gelernt haben, haben es zumin­dest vie­le Male gehört. Bechers Bala­de von den Drei­en war eben­falls im Lese­buch der DDR 9. Klas­se (Aus­ga­be 1980) ent­hal­ten. Die­ses Gedicht hat­te nur neun Zei­len. Das haben die auf­ge­sagt, denen die Kin­der­schu­he zu lang waren. Ich habe es oft gehört.

Wir haben Nackt unter Wöl­fen von Bru­no Apitz gele­sen. Im Buch geht es um ein jüdi­sches Kind, das im KZ Buchen­wald ver­steckt wird. Der Mord an den Juden wird ganz klar thematisiert:

Unter den 6000 jüdi­schen Häft­lin­gen des Lagers ver­ur­sach­te der Befehl einen Auf­ruhr der Angst und Ver­zweif­lung. Zuerst war ein Schrei des Ent­set­zens in ihnen auf­ge­bro­chen. Sie woll­ten die schüt­zen­den Blocks nicht ver­las­sen. Sie schrien und wein­ten, wuss­ten nicht, was sie tun soll­ten. Wie ein wüten­der Wolf hat­te der furcht­ba­re Befehl sie ange­sprun­gen, hat­te sich in sie ver­bis­sen, und sie konn­ten ihn nicht mehr abschüt­teln. Unge­ach­tet von Weis­angks Befehl, die Blocks nicht zu ver­las­sen, stürz­ten vie­le der jüdi­schen Häft­lin­ge fort, kopf­los und in höchs­ter Not. Sie rann­ten in ande­re Blocks hin­ein, in die Seu­chen­ba­ra­cke des Klei­nen Lagers, ins Häft­lings­re­vier. »Helft uns! Ver­steckt uns!« »Wie euch ver­ste­cken? Wir kom­men doch sel­ber dran.« Trotz­dem, die Blocks nah­men sie auf. Man riss ihnen die jüdi­schen Mar­kie­run­gen von den Klei­dern, gab ihnen ande­re dafür. Köhn {und der Kapo vom Revier} steck­ten die Hil­fe­su­chen­den als »Kran­ke« in die Bet­ten, gab ihnen eben­falls ande­re Mar­kie­run­gen und Num­mern. Man­che der Gehetz­ten ver­steck­ten sich auf eige­ne Faust und kro­chen in den Lei­chen­kel­ler des Reviers. Ande­re wie­der stürz­ten in die Pfer­de­stäl­le des Klei­nen Lagers, in der Mas­se unter­tau­chend. Und doch war die­se Flucht die sinn­lo­ses­te, denn gera­de hier steck­ten vie­le jüdi­sche Ange­hö­ri­ge frem­der Natio­nen. Aber wer über­leg­te, wer dach­te klar, wenn er vom Wolf gehetzt wur­de … Was in den Blocks der jüdi­schen Häft­lin­ge zurück­blieb, unter­lag schließ­lich der Läh­mung des mör­de­ri­schen Befehls. Ver­stört sahen sie dem Kom­men­den ent­ge­gen. Die Block­äl­tes­ten, selbst jüdi­sche Häft­lin­ge, hat­ten nicht den Mut, zum Marsch nach dem Tor antre­ten zu las­sen. Dort war­te­te der Tod! Konn­te man ihn nicht auch hier erwarten? 

Bru­no Apitz. 1958. Nackt unter Wöl­fen, Mit­tel­deut­scher Ver­lag, Hal­le (Saa­le). Zitiert nach Aus­ga­be vom Auf­bau­ver­lag, 2012, S. 274–275

Zum Buch gab es 1963 eine Ver­fil­mung von Frank Bey­er für die DEFA (sie­he Fil­me). Nackt unter Wöl­fen erschien in 30 Spra­chen und erreich­te eine Gesamt­auf­la­ge von mehr als zwei Millionen.

Pro­fes­sor Mam­lock (ein Thea­ter­stück von 1934) wur­de 1961 ver­filmt und in Schu­len gezeigt. Der Film han­delt von einem jüdi­schen Kli­nik­lei­ter und des­sen Fami­lie. Arbeits­ver­bot, Inhaf­tie­rung. Ein Sohn flieht. Pro­fes­sor Mam­lock begeht Selbstmord.

Edu und Unku wur­de eben­falls im Lite­ra­tur­un­ter­richt behan­delt. Unku ist ein Sin­ti-Mäd­chen, das in Ausch­witz ermor­det wurde.

Die erst­mals 1958 ver­öf­fent­lich­te Erzäh­lung Früh­lings­so­na­te von Wil­li Bre­del befand sich im Lese­buch der 9./10. Klas­se.3 Es ging um einen jüdi­schen Polit­of­fi­zier, der mit der Roten Armee nach Deutsch­land gekom­men war. Er hört die Musik, die eine Fami­lie mit Kla­vier und Fagott spielt, kommt in deren Woh­nung, immer wie­der, bringt Essen mit. Sie wer­den ver­traut. Eines Tages fragt die Fami­lie ihn nach sei­nem Lieb­lings­stück und er nennt Beet­ho­vens Früh­lings­so­na­te. Die Fami­lie stu­diert das Stück ein, spielt es vor dem Offi­zier und die­ser bricht zusam­men und ver­wüs­tet die Woh­nung. Dar­auf­hin wird er ver­haf­tet und ein­ge­sperrt und von sei­nen Vor­ge­setz­ten ver­prü­gelt. Der Fami­li­en­va­ter – ein deut­scher Pro­fes­sor – ent­schul­digt ihn. Hier Aus­zü­ge aus dem Text, der aus sei­ner Per­spek­ti­ve geschrie­ben ist:

Der Fami­li­en­va­ter:

Ich beob­ach­te­te Rut­hil­de, sie spiel­te vor­treff­lich. Plötz­lich aber sah ich sie erschre­cken: Haupt­mann Pritz­ker wank­te an den Tisch und goss den Inhalt der Wod­ka-Karaf­fe in ein Bier­glas. Der Haupt­mann goss in einem ein­zi­gen Zug den Wod­ka in sich hin­ein. Auf­hö­ren! Um Got­tes Wil­len auf­hö­ren, dach­te ich. Rut­hil­de aber spiel­te wei­ter – und wie sie spiel­te. Mei­ne Frau muss­te ein­set­zen. Der Haupt­mann hat­te bei­de Hän­de vors Gesicht gepresst, als lit­te er Qua­len. Was bedeu­te­te das alles nur? „War­um spiel­ten sie noch? 

Plötz­lich geschah es. Ein Schrei dem unver­ständ­li­che Wor­te folg­ten – und plötz­lich riss der Haupt­mann mit einem Ruck die Tisch­de­cke samt allem, was dar­auf stand her­un­ter. Mei­ne Frau schlug mit dem Kopf auf die Tas­ten des Flügels – wie ohn­mäch­tig. Irm­gart und Häns­chen, zu Tode erschro­cken, rann­ten aus dem Zim­mer. Der Haupt­mann zog mit sei­nem gan­zen Gewicht an dem Schrank, in dem unse­re Glä­ser und etwas Geschirr stan­den, so dass er über den Tisch fiel. Er zerr­te mit einem Griff Vor­hän­ge und Gar­di­nen vom Fens­ter. Einem Stuhl gab er einen Tritt. Und unun­ter­bro­chen schrie er Flüche oder Dro­hun­gen in sei­ner Mut­ter­spra­che her­aus. Rut­hil­de, Gei­ge und Bogen noch in der Hand, stand da und rühr­te sich nicht. Gleich wird er über sie her­fal­len, dach­te ich, bereit, mich ihm ent­ge­gen­zu­wer­fen. Statt des­sen aber hock­te er sich plötz­lich in den Ses­sel, leg­te den Kopf auf die Leh­ne und wein­te, schluchz­te herz­zer­rei­ßend. Ich hat­te mei­ne Frau auf das Sofa gebet­tet, jetzt trat ich zu mei­ner Toch­ter und leg­te den Arm um ihre Schul­ter. So blick­ten wir auf den Unglücklichen, der den Kopf hin und her warf und wie ein Kind wim­mer­te. End­lich kamen Sol­da­ten der Mili­tär­po­li­zei und führ­ten ihn ab.

Wil­li Bre­del. 1971. Früh­lings­so­na­te, Ber­lin und Wei­mar: Auf­bau-Ver­lag. S. 164–165. (Zitat mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Wil­li-Bre­del-Gesell­schaft-Geschichts­werk­statt e. V., Hamburg)

Die Erklä­rung für das Ver­hal­ten wird am nächs­ten Tag von einem ande­ren Offi­zier geliefert:

Heu­te mit­tag näm­lich hat mich ein jun­ger Offi­zier von der Kom­man­dan­tur auf­ge­sucht. Er bat für sei­nen Lands­mann um Ent­schul­di­gung und erbot sich, den Scha­den zu erset­zen. Dann erzähl­te er mir das Schick­sal des Haupt­manns. Es ist noch tra­gi­scher, als wir ver­mu­ten konn­ten. Hören Sie nur: 

Haupt­mann Pritz­ker war vor sei­ner Ein­be­ru­fung zur Sowjet­ar­mee Musik­päd­ago­ge am Kon­ser­va­to­ri­um in Kiew. Er war ver­hei­ra­tet, hat­te eine Toch­ter und einen Sohn, bei­de noch schul­pflich­tig. Im Jah­re 1942 haben deut­sche Sol­da­ten der Hit­ler-Wehr­macht in Kiew Zehn­tau­sen­de Juden, Män­ner, Frau­en und Kin­der, zusam­men­ge­trie­ben wie Vieh und unweit der Stadt vor ihren Grä­bern erschos­sen. Unter den Opfern befan­den sich des Haupt­manns Frau und Kin­der. Die Fami­lie hat­te am Abend, bevor Pritz­ker ein­be­ru­fen wur­de, die Frühlingssonate von Beet­ho­ven gespielt.

Wil­li Bre­del. 1971. Früh­lings­so­na­te, Ber­lin und Wei­mar: Auf­bau-Ver­lag. S. 165.

An einer ande­ren, aus der Sicht des Oberst der sowje­ti­schen Mili­tär­kom­man­dan­turer, der den Haupt­mann ver­hört und geschal­gen hat, erzähl­ten Stel­le heißt es: 

Der Oberst über­leg­te … Da liest man in den Zei­tun­gen, hört in Rund­funk­sen­dun­gen, auch in Gesprä­chen: Bei Worow­schil­wo­grad zwölf­tau­send Juden mas­sa­kriert. In Kertsch Tau­sen­de Ein­woh­ner vor der Stadt füsi­liert. In Kiew zehn­tau­sen­de Juden und Kom­mu­nis­ten gemeu­chelt und in Mas­sen­grä­ber ver­scharrt. Man liest es, ist ent­setzt, aber es dringt nicht mehr rich­tig ins Bewusst­sein; der Ver­stand wehrt sich die­se Häu­fung von Ver­bre­chen aufzunehmen.

Wil­li Bre­del. 1971. Früh­lings­so­na­te, Ber­lin und Wei­mar: Auf­bau-Ver­lag. S. 168.

Der Bericht des Pro­fes­sors endet damit, dass er den Haupt­mann entschuldigt:


„Die Schul­di­gen sind doch eigent­lich wir“: sag­te der Pro­fes­sor, „ich mei­ne, wir Deut­schen. ” Er blick­te auf und fuhr fort: „Man stel­le sich vor: Ein Offi­zier befin­det sich als Sie­ger in dem Land, aus dem die Men­schen kamen, die in sei­ner Hei­mat sei­ne Frau und sei­ne bei­den Kin­der umge­bracht haben. Die Mör­der sind besiegt, aber die Men­schen die­ses Lan­des sind den Mör­dern nicht in den Arm gefal­len, sie haben sie gewäh­ren, das heißt mor­den las­sen. Und ein­sam geht er durch die Stadt der Besieg­ten. Da sitzt in ihrem Haus eine Fami­lie – nicht einer fehlt: Mann, Frau, Töch­ter, Sohn – sie musi­zie­ren, spie­len Schu­mann, Brahms und Mozart. Er steht auf der Stra­ße und lauscht. Jeden Akkord kennt er,
er ist ja Musik­leh­rer, ein Freund der Haus­mu­sik. Musik ist stär­ker als Hass. Gleich einem Bitt­stel­ler klopft er an die Tür der Besieg­ten und — ja, der Mit­schul­di­gen an sei­nem und sei­nes Lan­des Unglück. Er darf zuhö­ren und ist glücklich. Bei Deut­schen, den Lands­leu­ten derer, die sei­ne Frau und Kin­der und unge­zähl­te Tau­sen­de ande­rer Frau­en und Kin­der in sei­ner Hei­mat ermor­det haben. Er denkt dar­an, er muss immer wie­der dar­an den­ken, und ihn packt, ihn überwältigt das ihm zuge­füg­te Leid. Er will es betäu­ben, er will nicht, dass sei­ne deut­schen Bekann­ten etwas davon mer­ken. Er trinkt, um zu ver­ges­sen. Und gera­de das Stück, das sie nichts­ah­nend ihm zur Freu­de spie­len, wird ihm zur größ­ten Qual … ja, wir sind die Schul­di­gen. Die Schul­di­gen sind wir.”

Wil­li Bre­del. 1971. Früh­lings­so­na­te, Ber­lin und Wei­mar: Auf­bau-Ver­lag. S. 166.

Man beach­te, dass bei Bre­del 1958 auch schon ganz klar auf die Rol­le der Wehr­macht bei der Mas­sen­ver­nich­tung der Juden hin­ge­wie­sen wird. Die gan­ze Unge­heu­er­lich­keit ist im Arti­kel über Babyn Jar in Wiki­pe­dia aus­führ­lich doku­men­tiert. SS und Wehr­macht haben gemein­sam 33.771 Juden in einer Schlucht bei Kiew ermor­det und dann vor Kriegs­en­de noch ver­sucht, die Spu­ren zu besei­ti­gen. Men­schen aus dem Osten waren sehr erstaunt, was die Wehr­machts­aus­stel­lung noch 1995–1999 für einen Auf­ruhr erzeu­gen konn­te. Wir wuss­ten Bescheid. Wir hat­ten es spä­tes­tens in der 10. Klas­se gelernt. 

Wiki­pe­dia schreibt zur Wehrmachtsausstellung:

Die brei­te Öffent­lich­keit nahm so erst­mals his­to­risch gut erforsch­te, aber damals all­ge­mein noch wenig bekann­te Sach­ver­hal­te zur Kenntnis: 

  • den Beginn des Holo­caust in den besetz­ten Gebie­ten der Sowjet­uni­on, den die Wehr­machts­füh­rung mit plan­te und dann arbeits­tei­lig mit durchführte, 
  • die Betei­li­gung gan­zer Trup­pen­tei­le an die­sen Ver­bre­chen, wobei Wider­stand bis auf weni­ge Aus­nah­men ausblieb, 
  • den in Wehr­machts­füh­rung wie ein­fa­chen Trup­pen weit ver­brei­te­ten Anti­se­mi­tis­mus und Rassismus, 
  • die ver­bre­che­ri­schen Befeh­le (zum Bei­spiel den Kom­mis­sar­be­fehl) und ihre weit­hin wider­spruchs­lo­se Aus­füh­rung und 
  • die als Kriegs­ziel beab­sich­tig­te mil­lio­nen­fa­che Ver­nich­tung der ost­eu­ro­päi­schen Zivilbevölkerung.

In aktu­el­len poli­ti­schen Dis­kus­sio­nen wird immer wie­der behaup­tet, dass es in der DDR kei­ne sys­te­ma­ti­sche Auf­ar­bei­tung des Faschis­mus gege­ben habe, wohin­ge­gen das in der BRD nach 1968 gesche­hen sei. Wie das Wiki­pe­dia-Zitat nahe­legt, waren die Fak­ten Exper­ten bekannt, jedoch kein All­ge­mein­wis­sen. In der DDR kam nie­mand an die­sen Fak­ten vorbei.

Über­le­ben­de wur­den in die Schu­len ein­ge­la­den. Schu­len wur­den nach Wider­stands­kämp­fern benannt z.B. nach Her­bert Baum (jüdi­scher Wider­stands­kämp­fer). Nach der Wen­de zog das Hein­rich-Hertz Gym­na­si­um in die Gebäu­de der POS Her­bert Baum. Es gibt jetzt kei­ne Schu­le mehr, die nach ihm benannt ist.

Neulehrer

Bei der gan­zen Sache mit der Schul­bil­dung soll­te man auch beden­ken, dass Nazis nach dem Krieg im Bil­dungs­sys­tem der DDR sys­te­ma­tisch durch soge­nann­te Neu­leh­rer ersetzt wur­den. 40.000 Neu­leh­rer. Laut Wiki­pe­dia waren 1949 67,8 Pro­zent aller Leh­rer­stel­len mit Neu­leh­rern besetzt. Es war somit sicher­ge­stellt, dass die Per­so­nen auch das in den Lehr­plä­nen Vor­ge­ge­be­ne unter­rich­ten wür­den, ins­be­son­de­re dann, wenn es sich um anti­fa­schis­ti­schen Lehr­stoff han­del­te. Leh­re­rIn­nen hät­ten den ent­spre­chen­den Stoff schon allein des­halb nicht weg­las­sen kön­nen, weil in jeder Klas­se Kin­der mit Genos­sen­el­tern waren und es sicher Pro­ble­me mit der Schul­lei­tung gege­ben hät­te. Das kann man fin­den, wie man will, aber dar­aus folgt, dass alle Kin­der in der DDR die Mate­ria­li­en, die sich mit dem Faschis­mus beschäf­tigt haben, auch behan­delt haben.

Bücher

LTI – Notiz­buch eines Phi­lo­lo­gen von Vic­tor Klem­pe­rer erschien 1947 im Auf­bau Ver­lag und wur­de dann 1966 in Reclams Uni­ver­sal-Biblio­thek in Leip­zig wie­der­ver­öf­fent­licht. 1990 wur­de die 10. Auf­la­ge gedruckt. Papier war in der DDR knapp. Popu­lä­re Zeit­schrif­ten wie das Maga­zin waren des­halb Bück­wa­re. Es muss also ers­tens einen Bedarf für LTI gege­ben haben und zwei­tens auch den poli­ti­schen Wil­len der Staats­macht, die­ses Buch in gro­ßen Stück­zah­len unters Volk zu brin­gen. Klem­pe­rer selbst war jüdi­scher Abstam­mung und hat sich dafür ent­schie­den, in der DDR zu bleiben.

Scan des Titel­blat­tes von LTI, Aus­ga­be 1975.

Außer­dem gab es Jakob der Lüg­ner von Jurek Becker Auf­bau-Ver­lag, Berlin/DDR 1969. und auch Das Tage­buch der Anne Frank erschien bereits 1957.4

Wei­te­re Bücher:

  • Mar­tin Rie­sen­bur­ger. 1960. Das Licht ver­lösch­te nicht. Ein Zeug­nis aus der Nacht des Faschis­mus, Ber­lin: Uni­on Ver­lag. wei­ter Auf­la­gen in den 1980ern.
  • Arnold Zweig. 1960. „Beginn und ‚End­lö­sung‘“. In: Pro­gramm­heft zu „Affä­re Blum“, Volks­büh­ne Ber­lin, Spiel­zeit 1960/61, S. 4–7., wei­te­re Arti­kel im Neu­en Deutsch­land etc.
  • Kurt Pät­zold. 1983. Ver­fol­gung, Ver­trei­bung, Ver­nich­tung. Doku­men­te des faschis­ti­schen Anti­se­mi­tis­mus 1933 bis 1942. Ber­lin: Reclam.
Reclam-Buch von 1983 über die Juden­ver­fol­gung. Kurt Pät­zold hat an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu die­sem The­ma geforscht. Sein Wiki­pe­dia­ein­trag ent­hält wei­te­re Quellen.

Die­se Auf­zäh­lung aus dem Hut wirkt gera­de­zu lächer­lich gegen­über der Lis­te von 1086 Titeln, die die eins­ti­ge Lei­te­rin der Biblio­thek der Jüdi­schen Gemein­de in Ost-Ber­lin, Rena­te Kirch­ner, zusam­men­ge­stellt hat (Kirch­ner, 2010).

Danie­la Dahn schreibt in ihrem Buch von 2019 (sie­he unten) zu die­ser Liste:

Die Biblio­gra­phie umfasst alle The­men – jüdi­sche Geschich­te, Reli­gi­on, Phi­lo­so­phie, Kul­tus und Brauch­tum, Lebens- und Werk­be­trach­tun­gen bekann­ter Juden, Anti­se­mi­tis­mus und Ras­sis­mus, jüdi­sches Leben in ande­ren Län­dern, ins­be­son­de­re die Welt der Ost­ju­den, auch Paläs­ti­na und Isra­el. Fast genau die Hälf­te aller Bücher aber wid­met sich dem The­ma: Natio­nal­so­zia­lis­mus und Juden­ver­fol­gung. Die meis­ten davon, näm­lich 302, waren Sach­bü­cher, Bio­gra­phien, Tage­bü­cher, Brief­bän­de, auch ein­zel­ne Diplom­ar­bei­ten und Dis­ser­ta­tio­nen, die der Jüdi­schen Biblio­thek zum Dank für Unter­stüt­zung über­ge­ben wur­den. Vie­le davon waren sach­li­che Fak­ten­samm­lun­gen, ande­re unver­kenn­bar der Sys­tem­aus­ein­an­der­set­zung und dem Legi­ti­ma­ti­ons­be­dürf­nis der DDR unter­ge­ord­net. So unter­schied­lich sie waren, kann man ihnen eine ver­in­ner­lich­te, huma­nis­ti­sche Grund­hal­tung und einen tief­emp­fun­de­nen Anti­fa­schis­mus schwer­lich absprechen. 

Ohne den im Raum ste­hen­den, mons­trö­sen Vor­wurf der Unter­drü­ckung jüdi­scher The­men in der DDR könn­te ich mir den nun viel­leicht schon pedan­tisch wir­ken­den Hin­weis spa­ren, dass zu dem auch ästhe­tisch heik­len The­ma Holo­caust, für das erst eine Spra­che gefun­den wer­den muss­te, außer­dem 238 DDR-Autoren wie Anna Seg­hers, Bru­no Apitz, Jurek Becker, Johan­nes Bobrow­ski, Franz Füh­mann, Ste­phan Herm­lin, Ste­fan Heym, Wal­ter Kauf­mann, Gün­ter Kun­ert, Fred Wan­der, Arnold Zweig. West­deut­sche Autoren wie Ilse Aichin­ger, Alfred Andersch, Paul Celan, Peter Härt­ling, Heinar Kipp­hardt, Wolf­gang Koep­pen, Lui­se Rin­ser und Peter Weiss wur­den in DDR-Ver­la­gen genau­so ver­legt wie die Gene­ra­ti­on davor: Lion Feucht­wan­ger, Frank Leon­hard, Klaus Mann, Erich Müh­sam, Erich Maria Remar­que, Nel­ly Sachs, Franz Wer­fel. Schließ­lich wur­de auch viel über­setzt, beson­ders aus Ost­eu­ro­pa: Josef Bor, Tibor Déry, Ladis­lav Gros­man, Imre Ker­té­sz, Ana­to­li Kus­ne­zow, Sta­nis­law Lem, Iccho­kas Meras, aber auch Nata­lia Ginz­burg, Pri­mo Levi, Elie Wie­sel oder Jor­ge Semprún.)

Dahn, Danie­la (2019) Der Schnee von ges­tern ist die Sint­flut von morgen.

Mei­ne Schwie­ger­el­tern hat­ten in ihrer Mann­hei­mer Woh­nung am Ess­tisch extra ein Regal mit Judai­ka pla­ziert, damit die West-Kol­le­gen die­ses bei Ein­la­dun­gen sehen konn­ten, denn auch ihre Kolleg*innen hat­ten merk­wür­di­ge Vor­stel­lun­gen über den Umgang mit Juden und dem Völ­ker­mord in der DDR.

Filme

Es gab diver­se Fil­me, die die Juden­ver­fol­gung the­ma­ti­sier­ten oder in denen sie vor­kam. Es gab in der DDR in vie­len klei­nen Orten Kinos und die Fil­me sind oft jah­re­lang durch die DDR getourt. Fol­gen­de Fil­me sind mir bekannt:

Zur Pre­mie­re des Anne-Frank-Films gibt es einen inter­es­san­ten Bei­trag in der ZEIT von 1959:

Vor der Urauf­füh­rung des Films „Ein Tage­buch für Anne Frank“ im Ost­sek­tor Ber­lins betrat der grei­se Arnold Zweig die Büh­ne im „Haus der Pres­se“ am Bahn­hof Fried­rich­stra­ße. Er sprach davon, daß mit die­sem Film ein Bei­trag zur mora­li­schen Wie­der­gut­ma­chung geleis­tet wer­den solle. 

Anne Frank in West und Ost, Zeit 14/1959

Zu Ich bin klein aber wich­tig gibt es einen Text von Kon­rad Weiß, der 1988 in Film und Fern­se­hen ver­öf­fent­licht wurde.

Fernsehserien

Nach der ers­ten Ver­öf­fent­li­chung die­ses Tex­tes erschien am 17.09.2019 ein Buch von Danie­la Dahn (aus einer jüdi­schen Fami­lie) zum The­ma Wie­der­ver­ei­ni­gung. Die­ses Buch ent­hält auch eine erhel­len­de Dis­kus­si­on der Behaup­tung, der Holo­caust sei in der DDR nicht vor­ge­kom­men. Ich habe das Buch lei­der erst 2023 gele­sen. Dahn weist dar­auf hin, dass es meh­re­re Jah­re vor der Holo­caust-Serie in der DDR eine vier­tei­li­ge Serie zum Völ­ker­mord an den Juden gab: Die Bil­der des Zeu­gen Schatt­mann.

Cover der DVD, auf der die Serie Die Bil­der des Zeu­gen Schatt­mann ver­trie­ben wird

Die Serie war nach dem auto­bio­gra­fi­schen Roman von Peter Edel kon­zi­pert und es spiel­ten meh­re­re Jüd*innen in den Hauptrollen:

Was gab es doch unlängst für einen Hype um den 40. Jah­res­tag der Sen­dung der US-Serie Holo­caust, durch die 1979 das deut­sche Publi­kum, und zwar das gesamt­deut­sche, angeb­lich erst­ma­lig eine Ahnung vom Aus­maß des den Juden zuge­füg­ten Leids bekom­men habe. Was für ein Armuts­zeug­nis! Nir­gends war ein Hin­weis dar­auf zu hören, dass im DDR-Fern­se­hen bereits sie­ben Jah­re [fünf Jah­re, St. Mü.] vor der Hol­ly­wood-Serie eine vier­tei­li­ge Fol­ge über eine jüdi­sche Fami­lie gesen­det wur­de, die nach Ausch­witz depor­tiert wird. Erst­ma­lig durf­te dafür ein deut­scher Film­stab im Lager Ausch­witz dre­hen. Die Authen­ti­zi­tät des Films rühr­te aber nicht nur vom schwer zu ver­kraf­ten­den Ori­gi­nal­schau­platz, son­dern von dem Wis­sen, dass es sich hier um die Ver­fil­mung des auto­bio­gra­phi­schen Romans des Juden Peter Edel han­delt, der all die­se Schre­cken in Ausch­witz selbst erlebt hat. Und nicht nur er, auch eini­ge der Haupt­dar­stel­ler hat­ten die fürch­ter­li­che Hür­de zu neh­men, an die Stät­te ihres grau­en­vol­len Trau­mas zurück­zu­keh­ren. In der Rol­le des Stu­ben­äl­tes­ten Tade­usz spiel­te August Kowal­c­zyk ein Stück sei­nes eige­nen Lebens. Er war zwei Jah­re Häft­ling in Ausch­witz gewe­sen und hat­te sich eigent­lich geschwo­ren, nie wie­der an die­sen Ort zurück­zu­keh­ren. Peter Sturm, im Film der Eli­as, stamm­te aus einer sehr from­men, armen jüdi­schen Fami­lie aus Wien. Er hat­te das Mar­ty­ri­um der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au, Buchen­wald und eben­falls Ausch­witz hin­ter sich. Und die Schau­spie­le­rin Mar­ga Legal, im Film Frau Mül­ler, bekam 1933 wegen ihrer jüdi­schen Vor­fah­ren ein Arbeits­ver­bot und konn­te sich nur durch eine soge­nann­te «pri­vi­le­gier­te Ehe» vor Ver­fol­gung retten.

Dahn, Danie­la (2019) Der Schnee von ges­tern ist die Sint­flut von morgen.

Der Film wur­de im West­ber­li­ner Tages­spie­gel posi­tiv bespro­chen (25.05.1972).

Zu die­ser Serie und dem Roman, der die Grund­la­ge bil­det, soll­te man noch fol­gen­des ins­be­son­de­re über die Ver­brei­tung wissen:

Die­ser Peter Edel, aus einer bür­ger­li­chen Ber­li­ner Fami­lie stam­mend, konn­te wegen der Ras­sen­ge­set­ze das Gym­na­si­um nicht been­den und nahm ille­gal Zei­chen­un­ter­richt bei Käthe Koll­witz. Ver­su­che, ins Exil zu gehen, miss­lan­gen, ein Groß­teil sei­ner Ver­wand­ten und sei­ne ers­te Frau wur­den in Ausch­witz umge­bracht. Er selbst über­lebt die­ses Ver­nich­tungs­la­ger nur, weil er als bil­den­der Künst­ler nach Sach­sen­hau­sen zum Geld­fäl­schen ver­legt wird. Noch im Lager beschließt er, Kom­mu­nist zu wer­den, als Kon­se­quenz des Erlit­te­nen. Nach der Befrei­ung ver­sucht er es in Öster­reich als Jour­na­list und Gra­phi­ker, spä­ter in West­ber­lin, ab 1947 in Ost­ber­lin. Häu­fig suchen ihn Fie­ber­an­fäl­le heim, die eini­ge Tage andau­ern. Im Fie­ber­wahn durch­lei­det er immer wie­der Ausch­witz. Danach kann er sich an nichts erin­nern.
Davon befreit hat er sich mit sei­nem auto­bio­gra­phi­schen Roman, der 1969 erschien. Bis 1989 erleb­te der Schatt­mann 12 Auf­la­gen, danach kei­ne mehr. Die vier­tei­li­ge Ver­fil­mung lief im Fern­se­hen alle drei, vier Jah­re erneut, auch nach­mit­tags im Schul­pro­gramm, sonst zur bes­ten Sen­de­zeit, mit Wie­der­ho­lung am nächs­ten Mor­gen, zuletzt 1988. Man kam an die­sem Film eigent­lich nicht vor­bei, wer ihn nicht gese­hen hat, woll­te ihn nicht sehen.

Dahn, Danie­la (2019) Der Schnee von ges­tern ist die Sint­flut von morgen.

Ich kann­te die­se Serie nicht, weil wir kei­nen Fern­se­her hatten.

Durch Dahn bin ich auch auf die Arbeit Elke Schie­ber auf­merk­sam gewor­den. Sie hat alle Fil­me auf­ge­lis­tet, die in der SBZ/DDR zwi­schen 1946 und 1990 zu den The­men Anti­se­mi­tis­mus vor 1933, jüdi­sches Leben, Juden­ver­fol­gung im Natio­nal­so­zia­lis­mus, jüdi­sche Ver­gan­gen­heit in der Gegen­wart, Paläs­ti­na-Isra­el-Naher Osten pro­du­ziert wur­den. 700 Sei­ten. 1000 Fil­me. Wie Dahn rich­tig fest­stellt, sagt das allein noch nichts über die Qua­li­tät der Fil­me aus, aber die schie­re Mas­se die­ser Doku­men­te reicht wohl dazu aus, die Falsch­dar­stel­lung, in der DDR sei Jüdi­sches nicht vor­ge­kom­men oder der Holo­caust sei igno­riert wor­den, zu widerlegen.

Theaterstücke

Der DEFA-Film Affä­re Blum, 1948, Erich Engel, hat­te zu DDR-Zei­ten über 4 Mio Zuschau­er. Es geht um einen anti­se­mi­ti­schen Jus­tiz­sa­kndal im Jah­re 1925. Zum Film gab es auch ein Thea­ter­stück und im Pro­gramm­heft von 1960/1961 gab es einen Bei­trag von Arnold Zweig: Beginn und ‚End­lö­sung‘. In: Pro­gramm­heft zu „Affä­re Blum“, Volks­büh­ne Ber­lin, Spiel­zeit 1960/61, S. 4–7.

Skulpturen und Denkmäler

Inge­borg Hun­zin­ger. 1970. Stür­zen­de, Sand­stein; für die Opfer des Todes­mar­sches des KZ Sach­sen­hau­sen vom April 1945 in Par­chim in einer Park­an­la­ge zwi­schen Goe­the­schu­le und Krankenhaus.

Der Bild­hau­er Will Lam­bert war mit einer jüdi­schen Frau ver­hei­ra­tet und floh 1933 aus Deutsch­land. Nach sei­ner Rück­kehr aus dem Exil und der Ver­ban­nung arbei­te­te er haupt­säch­lich an der Gestal­tung der Mahn- und Gedenk­stät­te Ravens­brück. Die Jüdin Olga Bena­rio war das Vor­bild für die Skulp­tur Tra­gen­de (1957). Die­se Skulp­tur wur­de 1959 in Ravens­brück aufgestellt.

Ori­gi­nal­bild­un­ter­schrift: Zen­tral­bild Jun­ge 15.4.65 DDR: Zum 20. Jah­res­tag der Befrei­ung des Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers Ravens­brück. An der Natio­na­len Mahn- und Gedenk­stät­te Ravens­brück geden­ken die Bür­ger der DDR und vie­le aus­län­di­sche Gäs­te am 30. April die­ses Jah­res der 92.000 Frau­en, Müt­ter und Kin­der, die an die­ser Stät­te einen qual­vol­len Tod fan­den. Hier ver­nei­gen wir uns vor den unsterb­li­chen Hel­den des anti­fa­schis­ti­schen Kamp­fes aus mehr als 20 Natio­nen, die für eine glück­li­che Zukunft aller Völ­ker ihr Leben gaben. 132.000 Frau­en und Kin­der ver­schlepp­ten die Hit­ler­fa­schis­ten nach Ravens­brück, 92.000 erleb­ten den Tag der Befrei­ung nicht mehr. CC-BY-SA Von Bun­des­ar­chiv, Bild 183-D0415-0016–006

13 Figu­ren, die eigent­lich mit der Tra­gen­den kom­bi­niert wer­den soll­ten (sie­he auch Brief­mar­ken), ste­hen seit 1985 zum Geden­ken an die jüdi­schen Opfer des Faschis­mus am Alten Jüdi­schen Fried­hof in Berlin-Mitte.

Denk­mal „Jüdi­sche Opfer des Faschis­mus“ von Will Lam­mert am Alten Jüdi­schen Fried­hof, Ber­lin-Mit­te, 1956/85 Wiki­me­dia, CC-BY-SA Jochen Teufel.

Briefmarken

Es gab eine Rei­he von Son­der­mar­ken, die in der Zeit von 1955–1964 her­aus­ge­ge­ben wur­den. Mit einem Auf­schlag konn­ten sich die Käu­fe­rIn­nen am Auf­bau und der Erhal­tung der Natio­na­len Mahn- und Gedenk­stät­ten Buchen­wald, Sach­sen­hau­sen und Ravens­brück betei­li­gen. Die gesam­ten Mar­ken inklu­si­ve Auf­la­gen­hö­he sind aus­führ­lich in Wiki­pe­dia doku­men­tiert: Auf­bau und Erhal­tung der Natio­na­len Mahn- und Gedenk­stät­ten. Laut dem Wiki­pe­di­ar­ti­kel zur Gedenk­stät­te Sach­sen­hau­sen sind allein 1955 2 Mil­lio­nen Mark auf die­se Wei­se gespen­det wor­den. Zum Ver­gleich: Das Durch­schnitts­ein­kom­men (brut­to) betrug damals 432 Mark (Sta­tis­ti­sches Jahr­buch der DDR, 1990, S. 52).

Brief­mar­ken­se­rie zu KZs
Die­se Brief­mar­ke (Auf­la­ge 1.500.000) zeigt die Plas­tik Tra­gen­de von Will Lam­mert. Die Tra­gen­de ist nach der Jüdin Olga Bena­rio model­liert. Die Figu­ren am Fuße der Säu­le wur­den spä­ter zum Geden­ken an die jüdi­schen Opfer des Faschis­mus am Alten Jüdi­schen Fried­hof in Ber­lin Mit­te aufgestellt.
Her­bert Baum-Brief­mar­ke, 1961, Auf­la­ge 2.000.000, 5 Pfen­nig wur­den für den Auf­bau von Gedenk­stät­ten gespendet

1963 wur­de eine Brief­mar­ke „Nie­mals wie­der Kris­tall­nacht“ in einer Auf­la­ge von 5 Mil­lio­nen Stück herausgegeben. 

Brief­mar­ke von 1963 zum 25 Jah­res­tag der Reichs­po­grom­nacht, Auf­la­ge 5 Mio
Brief­mar­ke 1988 zum 50 Jah­res­tag der Reichs­po­grom­nacht, Auf­la­ge 3,5 Mio

Straßen, Schulen, Plätze

Im Abschnitt über Schu­len wur­de schon erwähnt, dass es Schu­len gab, die nach Juden benannt waren, die in KZs ermor­det wur­den. Nach Her­bert Baum wur­de auch eine Stra­ße benannt: Eine Gedenk­ta­fel für die Getö­te­ten der Her­bert-Baum-Grup­pe und das Grab Baums befin­den sich auf dem Jüdi­schen Fried­hof Wei­ßen­see. Das Grab ist als Ehren­grab der Stadt Ber­lin gewid­met. Die auf das Haupt­por­tal des Fried­hofs füh­ren­de Stra­ße heißt seit 1951 Herbert-Baum-Straße.

Rudi Arndt (in Buchen­wald ermor­det) ist ein wei­te­rer Jude, nach dem vie­le Stra­ßen, Plät­ze, Thea­ter und Jugend­her­ber­gen benannt wur­den. Zu den Details sie­he Ehrun­gen in sei­nem Wiki­pe­dia­ein­trag. Wie auch Her­bert Baum war Rudi Arndt im kom­mu­nis­ti­schen Wider­stand, aber bei einer Aus­ein­an­der­set­zung mit sei­ner Per­son stieß man auch auf sei­ne Religionszugehörigkeit:

1938 wur­de er als „poli­ti­scher Jude“ ins KZ Buchen­wald depor­tiert. Nach sei­ner Ankunft war Arndt zunächst kur­ze Zeit in einem Bau­kom­man­do tätig. 1938/1939 arbei­te­te er als Kran­ken­pfle­ger für jüdi­sche Häft­lin­ge und war Block­äl­tes­ter im Block 22. Er setz­te sich sehr für die jüdi­schen Pati­en­ten ein, was der SS außer­or­dent­lich miss­fiel. Nach einer Denun­zia­ti­on durch kri­mi­nel­le Häft­lin­ge im Stein­bruch wur­de er von der SS vor­geb­lich „auf der Flucht“ erschossen. 

Wiki­pe­dia­ein­trag von Rudi Arndt, 03.03.2020

Nach Olga Bena­rio waren Schu­len, Kin­der­gär­ten und Stra­ßen benannt.

Ich selbst bin in der Georg-Ben­ja­min-Stra­ße auf­ge­wach­sen, einer Stra­ße, die 1974 in einem Neu­bau­ge­biet nach dem jüdi­schen Arzt und Wider­stands­kämp­fer Georg Ben­ja­min benannt wur­de. Zu wei­te­ren Ehrun­gen sie­he Wiki­pe­dia. In Wiki­pe­dia steht übri­gens auch, dass eine im Som­mer 1951 am Wed­din­ger Net­tel­beck­platz auf­ge­stell­te Gedenk­ta­fel für „Hin­ge­rich­te­te und ermor­de­te Wed­din­ger Anti­fa­schis­ten“, die Georg Ben­ja­mins Namen ent­hielt, von Unbe­kann­ten recht schnell ent­fernt wurde.

Weimartage der FDJ und Besuche im KZ Buchenwald

Die FDJ hat jedes Jahr in Wei­mar ein gro­ßes drei­tä­gi­ges Fes­ti­val ver­an­stal­tet. Thea­ter, Musik, Muse­en. Man konn­te für 21 Mark alles besu­chen, bekam Essen und konn­te in Wei­ma­rer Schu­len schla­fen. Auf Pro­be­büh­nen und den Haupt­büh­nen fan­den gleich­zei­tig meh­re­re Vor­stel­lun­gen pro Tag statt. (Merk­wür­dig, dass man dazu im Netz bis auf eine Sei­te des Natio­nal­thea­ters in Wei­mar und das Archiv des Neu­en Deutsch­lands nichts, aber auch gar nichts, fin­den kann.)

Arti­kel im ND Weim­ar­ta­ge der FDJ laden ein, 04.07.1988

Obli­ga­to­risch mit im Pro­gramm war immer ein Besuch im KZ Buchen­wald inklu­si­ve Film in der Gedenk­stät­te. Gezeigt wur­de Film­ma­te­ri­al, das die Ame­ri­ka­ner nach der Befrei­ung ange­fer­tigt haben. Lei­chen­ber­ge, fast ver­hun­ger­te KZ-Insas­sen und die Wei­ma­rer Bevöl­ke­rung, die auf Anord­nung der Ame­ri­ka­ner durch das Lager geführt wur­de, um zu sehen, was dort pas­siert war. Der Spie­gel hat ein Inter­view mit einer Frau, die als 17jährige Teil die­ses KZ-Besu­ches war. Ich war sie­ben Mal bei den Weim­ar­ta­gen. Ich sage immer, dass die Weim­ar­ta­ge das ein­zi­ge Gute sind, was die FDJ zustan­de gebracht hat. Sechs Mal war ich mit im KZ. Ein­mal habe ich geschwänzt. Man möge es mir ver­zei­hen. Ich kann­te da schon jedes Detail. Ich habe die Öfen gese­hen, die Schrumpf­köp­fe, die Lam­pen­schir­me aus Men­schen­haut.5

Schrumpf­köp­fe und Men­schen­haut mit Täto­wie­run­gen im KZ Buchenwald

Obligatorische Besuche in KZs

Mei­ne Mut­ter hat einen gro­ßen Teil ihrer Jugend in Jena ver­bracht. Im Rah­men ihrer Jugend­wei­he war sie Ende der 50er Jah­re auch im KZ Buchen­wald. Der Besuch eines Kon­zen­tra­ti­ons­la­gers war für alle Schü­le­rin­nen und Schü­ler in der DDR obli­ga­to­risch. (Sie­he Wiki­pe­dia-Arti­kel zu Jugend­stun­den, die in Vor­be­rei­tung auf die Jugend­wei­he stattfanden.)

Die Ber­li­ner und Bran­den­bur­ger Schü­ler waren alle im KZ Sach­sen­hau­sen. Ich war dort wahr­schein­lich in der 8ten Klas­se. Es gab (und gibt) in Sach­sen­hau­sen Aus­stel­lungs­tei­le, die auf das Leid der jüdi­schen Bür­ger hin­ge­wie­sen haben: Die Bara­cke 38 war das „Muse­um des Wider­stands­kamp­fes und der Lei­den jüdi­scher Bür­ger“.

Ich war außer­dem noch in Lub­lin-Mai­danek (1984 bei einer Rei­se im Rah­men einer Schul­part­ner­schaft in Polen). Ich habe die Bara­cken mit den deut­schen Auf­schrif­ten gese­hen. Ich habe die Haa­re und die Schu­he gese­hen. Bara­cken voll damit.

Schu­he von Ermor­de­ten, Maj­da­nek, Polen, August 1944 (Quel­le)

Es gab übri­gens eine inter­es­san­te Umfra­ge des chris­mons, einer Bei­la­ge der ZEIT, die von der Evan­ge­li­schen Kir­che her­aus­ge­ge­ben wird. Nach die­ser Umfra­ge sagen 89 % der Ost­deut­schen, man sol­le unbe­dingt ein­mal im Leben eine KZ-Gedenk­stät­te ­besu­chen. Im Wes­ten sind das nur 77 %.

Zeitzeugen

Auch Zeit­zeu­gen spiel­ten im Osten eine Rol­le. Wie schon gesagt, wur­den sie z.B. in Schu­len ein­ge­la­den. Mei­ne Mut­ter berich­te­te mir von einem Kon­zert­abend 1959 im Volks­haus Jena, bei dem die Pia­nis­tin ihre ein­tä­to­wier­te KZ-Num­mer gezeigt hat. Sie hat nur über­lebt, weil sie für die Nazis gespielt hat.

Holocaust im West-Fernsehen

Die ame­ri­ka­ni­sche Mini-Serie Holo­caust wur­de im Jahr 1979 im West-Fern­se­hen gezeigt (da sich eini­ge Sen­de­an­stal­ten der ARD wei­ger­ten, die Serie im Haupt­pro­gramm zu zei­gen, kam sie dann in den drit­ten Pro­gram­men). Da bis auf die Sach­sen im Tal der Ahnungs­lo­sen alle DDR-Bür­ger West-Pro­gram­me emp­fan­gen konn­ten, dürf­ten eini­ge die Serie gese­hen haben. Nein, jetzt bit­te kei­nen Zusam­men­hang zwi­schen schlech­tem Fern­seh­emp­fang und Wahl von Nazi-Par­tei­en herstellen.

Der Begriff Holo­caust wur­de durch die­sen Film sowohl im Osten als auch im Wes­ten bekannt. Im Osten wur­de sonst von Völ­ker­mord gesprochen.

Wiederaufbau der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin

Am 10.11.1988 leg­te Erich Hon­ecker den Grund­stein für den Wie­der­auf­bau der Syn­ago­ge in der Ora­ni­en­bur­ger Stra­ße, die im Krieg zer­stört wor­den war.

In Wiki­pe­dia steht dazu:

Eine voll­stän­di­ge Wie­der­her­stel­lung in den Ori­gi­nal­zu­stand wur­de ver­wor­fen – sie hät­te als Ver­such miss­ver­stan­den wer­den kön­nen, die Lei­den der Ver­gan­gen­heit zu ver­drän­gen und womög­lich zu ver­ges­sen. Die Absicht war aber, mit dem Gebäu­de gleich­zei­tig ein Mahn­mal zur stän­di­gen Erin­ne­rung zu erhalten.

Jüdische Personen in einflussreichen/sichtbaren Positionen

Es gab in der DDR vie­le ein­fluss­rei­che und bekann­te jüdi­sche Fami­li­en. Es gab Minis­ter oder ansons­ten hoch­ste­hen­de Funktionäre. 

Stra­ßen­schild der Albert-Nor­den-Stra­ße 1984–1992 im Jüdi­schen Muse­um in Ber­lin in der Aus­stel­lung „Ein ande­res Land – Jüdisch in der DDR“. Der Aus­stel­lungs­text: „Die heu­ti­ge Ceci­li­en­stra­ße im Nord­os­ten Ber­lins war zwi­schen 1984–1992 nach Albert Nor­den (1904–1982) benannt. In der Nach­wen­de­zeit wur­de das Stra­ßen­schild mit rotem Kle­be­strei­fen als ungül­tig mar­kiert und spä­ter abmon­tiert. Nor­den stamm­te aus einer Rab­bi­ner­fa­mi­lie. Er war hoch­ran­gi­ges Mit­glied im Polit­bü­ro des Zen­tral­ko­mi­tees der SED.“, Ber­lin, 19.11.2023

Eini­ge Funk­tio­nä­re sind hier aufgezählt:

  • Alex­an­der Abusch (Par­tei­vor­stan­des der SED, Vize­prä­si­dent des Kul­tur­bun­des und haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter des Zen­tral­ko­mi­tees der SED, Kul­tur­mi­nis­ter, IM)
  • Hel­mut Aris (Prä­si­dent des Ver­ban­des der Jüdi­schen Gemein­den in der DDR, Mit­glied des Prä­si­di­ums des Natio­nal­ra­tes der Natio­na­len Front, Ver­dienst­me­dail­le der DDR, Ernst-Moritz-Arndt-Medail­le der Natio­na­len Front, Vater­län­di­scher Ver­dienst­or­den, Ehren­span­ge zum Vater­län­di­schen Ver­dienst­or­den, Deut­sche Frie­dens­me­dail­le, IM)
  • Ellen Brom­ba­cher (Sekre­tär für Kul­tur in der SED-Bezirks­lei­tung Ber­lin, sie hat­te damit wesent­li­chen Ein­fluss auf alle Kul­tur­ein­rich­tun­gen von Ost-Ber­lin, Ban­ner der Arbeit, Vater­län­di­scher Ver­dienst­or­den in Bron­ze, Dr.-Theodor-Neubauer-Medaille)
  • Her­mann Axen (Sekre­tär des ZK der SED, Mit­glied des Politbüros)
  • Albert Nor­den (Pro­fes­sor für neue­re Geschich­te, Sekre­tär des ZK der SED, Mit­glied des Polit­bü­ros, Autor Braun­buch)
  • Horst Brasch (stell­ver­tre­ten­der Minis­ter für Kultur)
  • Klaus Gysi (Minis­ter für Kul­tur, Staats­se­kre­tär für Kirchenfragen)
  • Mar­kus Wolf (Gene­ral­oberst, Lei­ter des Aus­lands­nach­rich­ten­diens­tes HVA bei der Stasi)
  • Fried­rich Karl Kaul (Anwalt in Ost und West, Pro­fes­sor und Natio­nal­preis­trä­ger, orga­ni­sier­te Zusam­men­ar­beit der RAF-Anwäl­te mit Stasi)
  • Hans Roden­berg (Roden­berg war 1952 bis 1956 Haupt­di­rek­tor des DEFA-Stu­di­os für Spiel­fil­me, 1956–1960 Dekan an der Deut­schen Hoch­schu­le für Film­kunst in Pots­dam-Babels­berg; ab 1958 Pro­fes­sor, stell­ver­tre­ten­der Kul­tur­mi­nis­ter (1960–1963), Mit­glied des Staats­rats, der Volks­kam­mer und des Zen­tral­ko­mi­tees der SED. 1969–1974 Vize­prä­si­dent der Aka­de­mie der Küns­te, Ber­lin (Ost))

Ich habe hier auch die Zusam­men­ar­beit mit der Sta­si als Inof­fi­zi­el­ler Mit­ar­bei­ter immer mit ange­ge­ben, weil das ja auch ein spe­zi­el­les Ver­trau­ens­ver­hält­nis impli­ziert. Mit­un­ter war die IM-Tätig­keit nur zeit­wei­se. Die Details fin­den sich in den Wikipedia-Einträgen. 

Journalisten:

  • Max Kaha­ne (Mit­grün­der des All­ge­mei­nen Deut­schen Nach­rich­ten­diens­tes (ADN), spä­ter Stell­ver­tre­ten­der Direk­tor, stell­ver­tre­ten­der Chef­re­dak­teur der Ber­li­ner Zei­tung, Chef­kom­men­ta­tor des Neu­en Deutschlands)

Ande­re bekann­te und ein­fluss­rei­che Intel­lek­tu­el­le waren:

Schriftsteller

Bücher jüdi­scher Autor*innen im Jüdi­schen Muse­um in Ber­lin in der Aus­stel­lung „Ein ande­res Land – Jüdisch in der DDR“. Das Buch „Die Jagd nach dem Stie­fel“ von Max Zim­me­ring war ein Kin­der­buch, das ich auch gele­sen habe. Die Troi­ka von Mar­kus Wolf kurz vor dem Ende der DDR auch. Ber­lin, 19.11.2023
  • Peter Edel (Schrift­stel­ler und Gra­fi­ker, Mit­glied des P.E.N.-Zentrums der DDR und 1978 Vor­stands­mit­glied des Deut­schen Schrift­stel­ler­ver­ban­des, Hein­rich-Hei­ne-Preis des Minis­te­ri­ums für Kul­tur der DDR, Vater­län­di­scher Ver­dienst­or­den in Gold, Natio­nal­preis der DDR, vom MfS beob­ach­tet, dann selbst IM)
  • 1979: Karl-Marx-Orden
  • Ste­phan Herm­lin (Schrift­stel­ler, Über­set­zer, Redak­teur Ulen­spie­gel, Auf­bau sowie Sinn und Form, enger Freund von Hon­ecker, Pro­test gegen Biermann-Ausbürgerung), 
  • Wie­land Herz­fel­de (Pro­fes­sor für Sozio­lo­gie der moder­nen Welt­li­te­ra­tur in Leip­zig, Prä­si­dent des P.E.N.-Zentrums der DDR)
  • Ste­fan Heym (Schrift­stel­ler, Nationalpreisträger), 
  • Anna Seg­hers (Schrift­stel­le­rin, Prä­si­den­tin des Schrift­stel­ler­ver­bands der DDR, Nationalpreisträgerin), 
  • Maxi Wan­der (Ihr Por­trät­band „Guten Mor­gen, du Schö­ne“ war eines der erfolg­reichs­ten Bücher in der DDR.)
  • Max Zim­me­ring (Von 1949 bis 1953 Lan­des­vor­sit­zen­der der Ver­ei­ni­gung der Ver­folg­ten des Nazi­re­gimes (VVN) Sach­sen, von 1950 bis zu des­sen Auf­lö­sung 1952 Abge­ord­ne­ter im Säch­si­schen Land­tag, anschlie­ßend bis 1958 Abge­ord­ne­ter im Bezirks­tag des Bezirks Dres­den. Von 1952 bis 1956 1. Vor­sit­zen­der des Deut­schen Schrift­stel­ler­ver­bands im Bezirk Dres­den, 1956 bis 1958 1. Sekre­tär des Deut­schen Schrift­stel­ler­ver­bands in Ber­lin. Von 1958 bis 1964 Direk­tor des Insti­tuts für Lite­ra­tur „Johan­nes R. Becher“ in Leip­zig. 1963 Kan­di­dat des ZK der SED. 1968 Kunst­preis der DDR, 1969 den Natio­nal­preis der DDR)
  • Arnold Zweig (Schrift­stel­ler, Natio­nal­preis­trä­ger, Prä­si­dent der Deut­schen Aka­de­mie der Küns­te der DDR, Prä­si­dent des Deut­schen P.E.N.-Zentrums Ost und West) 

Musiker

Plat­ten­co­ver von Stern-Mei­ßen, Pan­kow, City mit jeweils einem jüdi­schen Sän­ger im Jüdi­schen Muse­um in Ber­lin in der Aus­stel­lung „Ein ande­res Land – Jüdisch in der DDR“. Der Aus­stel­lungs­text: „Die Lead­sän­ger der drei erfolg­rei­chen Rock­bands teil­ten eine gemein­sa­me Erfah­rung: Sie wuch­sen als Kin­der jüdi­scher Remi­gran­ten in der DDR auf. Die Eltern von Mar­tin Schrei­er (gebo­ren 1948) gehör­ten in Bel­gi­en dem Wider­stand an, die Fami­li­en von André Herz­berg (gebo­ren 1955) und Toni Krahl (gebo­ren 1949) kehr­ten aus dem bri­ti­schen Exil zurück.“, Ber­lin, 19.11.2023
  • Paul Des­sau (Musi­ker, Pro­fes­sor in Des­sau, arbei­te­te mit Brecht am Ber­li­ner Ensem­ble, Vize­prä­si­dent Deut­schen Aka­de­mie der Küns­te in Ber­lin (Ost))
  • Hanns Eis­ler (Pro­fes­sur für Kom­po­si­ti­on in Berlin)
  • Lou­is Fürn­berg (Kom­po­nist, Text und Melo­die des Lieds der Par­tei, Ers­ter Bot­schafts­rat (Kul­tur­at­ta­ché) der tsche­cho­slo­wa­ki­schen Bot­schaft in Ost-Ber­lin, spä­ter Weimar)
  • Andrej Herm­lin (Musi­ker, am 7.10.1989 zum Kon­zert bei Fei­er mit Honecker)
  • André Herz­berg (Sän­ger und Tex­ter für die Rock­band Pankow), 
  • Lin Jal­da­ti (Sän­ge­rin, die jid­di­sche Volks­lie­der sang, Kunst­preis der DDR, Vater­län­di­scher Ver­dienst­or­den in Bron­ze, Sil­ber und Gold, Ehren­span­ge zum Vater­län­di­schen Ver­dienst­or­den in Gold)
  • Toni Krahl (Sän­ger von City, einer der erfolg­reichs­ten Band im Osten und auch inter­na­tio­nal erfolg­reich, saß nach 1968 im Gefäng­nis wegen Pro­tes­ten gegen den Ein­marsch der Rus­sen in Prag, seit 1975 bei City, ab 1988 Vor­sit­zen­der der Sek­ti­on Rock­mu­sik beim Komi­tee für Unterhaltungskunst)
  • Mar­tin Schrei­er (Sän­ger bei Stern Mei­ßen, spä­ter Stern-Com­bo Mei­ßen war der Sohn jüdi­scher Remi­gran­ten, die in Bel­gi­en im Wider­stand gewe­sen waren)

Maler/Fotografen/Grafiker

Gra­fik von Lea Grun­dig im Jüdi­schen Muse­um in Ber­lin in der Aus­stel­lung „Ein ande­res Land – Jüdisch in der DDR“. Der Aus­stel­lungs­text: „Die Künst­le­rin Lea Grun­dig (1906–1977) gelang­te 1941 auf der Flucht vor den Nazis in das bri­ti­sche Man­dats­ge­biet Paläs­ti­na. Dort arbei­te­te sie als Male­rin, Gra­fi­ke­rin und Kin­der­buch­il­lus­tra­to­rin. Auch poli­tisch war sie in der Emi­gra­ti­on aktiv und wid­me­te sich in ihren Arbei­ten dem Leid und der Ver­fol­gung der Juden in Euro­pa. 1949 kehr­te Lea Grun­dig in die DDR zurück, wo sie Pro­fes­so­rin für Gra­fik und spä­ter Prä­si­den­tin des Ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler der DDR wur­de.“, Ber­lin, 19.11.2023
  • Sibyl­le Boden-Gerst­ner (Kos­tüm­bild­ne­rin, Male­rin und Mode­jour­na­lis­tin, Grün­de­rin der Mode­zeit­schrift Sibyl­le, Mut­ter von Danie­la Dahn)
  • Lea Grun­dig (Male­rin und Gra­fi­ke­rin, Pro­fes­sur für Gra­fik an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te Dres­den, Pro­fes­sur für Gra­fik an der Hoch­schu­le für Bil­den­de Küns­te Dres­den, Mit­glied der Aka­de­mie der Küns­te der DDR, von 1964 bis 1970 Prä­si­den­tin des Ver­ban­des Bil­den­der Künst­ler., ab 1967 Mit­glied des Zen­tral­ko­mi­tees der SED)
  • John Heart­field (Hel­mut Herz­feld, Natio­nal­preis für Kunst und Lite­ra­tur, Professor)

Filmschaffende

  • Kon­rad Wolf (Regis­seur u.a. „Solo Suny“, Prä­si­dent der Aka­de­mie der Küns­te der DDR)

Wissenschaftler

  • Ernst Bloch (Phi­lo­soph Uni Leip­zig, Natio­nal­preis der DDR)
  • Vic­tor Klem­pe­rer (Pro­fes­sor Dres­den, Greifs­wald, Wit­ten­berg, HU Ber­lin: Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und Roma­nist, Ehren­dok­tor Dres­den, Natio­nal­preis­trä­ger, Abge­ord­ne­ter der Volks­kam­mer, zu LTI sie­he oben)
  • Jür­gen Kuc­zyn­ski (Öko­nom),
  • Inge­borg Rapo­port (Pro­fes­so­rin für Päd­ia­trie und Inha­be­rin des ers­ten euro­päi­schen Lehr­stuhls für Neo­na­to­lo­gie, Ver­dien­ter Arzt des Vol­kes, Vater­län­di­scher Ver­dienst­or­den in Bron­ze und Sil­ber, zusam­men mit ande­ren Ärz­ten den Natio­nal­preis der DDR III. Klas­se für Wis­sen­schaft und Tech­nik für ihren Bei­trag zur Sen­kung der Säug­lings­sterb­lich­keit in der DDR. Sie zähl­te über die Wis­sen­schafts­ge­mein­de in der Deut­schen Demo­kra­ti­schen Repu­blik hin­aus zu den renom­mier­tes­ten Kin­der­ärz­ten ihrer Zeit.)
  • Samu­el Mit­ja Rapo­port (Arzt und Bio­che­mi­ker, Direk­tor des Insti­tuts für Bio­lo­gi­sche und Phy­sio­lo­gi­sche Che­mie an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät in Ost-Ber­lin, Mit­glied der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten der DDR gewählt. Er erhielt meh­re­re Ehren­dok­to­ra­te. Zahl­rei­che staat­li­che Auszeichnungen)
  • Tom Rapo­port (Prof. am Zen­tral­in­sti­tut für Mole­ku­lar­bio­lo­gie der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten der DDR in Ber­lin-Buch bezie­hungs­wei­se an des­sen Nach­fol­ge­ein­rich­tung, dem Max-Del­brück-Cen­trum für Mole­ku­la­re Medi­zin. Seit Janu­ar 1995 ist er Pro­fes­sor für Zell­bio­lo­gie an der Medi­zi­ni­schen Fakul­tät der Har­vard Uni­ver­si­ty in Boston.)
  • die Rapo­ports (Medi­zi­ner, Naturwissenschaftler*innen),
  • Sus­an Rich­ter (Kin­der­ärz­tin im Prenz­lau­er Berg, Fami­lie Rapo­port, Ärz­tin mei­ner Kinder)
  • Alfred Kan­to­ro­wicz (Jurist, Schrift­stel­ler, Pro­fes­sor für neue deut­sche Lite­ra­tur an der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät Berlin), 
  • Hans May­er (Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler),
  • Wolf­gang Stei­nitz (Lin­gu­ist, Mit­glied des ZK der SED, Vize­prä­si­dent der Deut­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten der DDR)

Diskussion

Das war der Osten. Im Osten kam man als Schü­ler nicht am Holo­caust vor­bei. Ich war übri­gens auch bei Füh­run­gen in einer jüdi­schen Syn­ago­ge in Ber­lin. Ich wuss­te, dass es in Ost-Ber­lin noch zwei­hun­dert in der jüdi­schen Gemein­de orga­ni­sier­te Juden gab. Und ich wuss­te auch, war­um das so weni­ge waren.

Zum Ver­gleich möch­te ich von einem per­sön­li­chen Erleb­nis in einer süd­deut­schen Stadt Ende der 90er Jah­re berich­ten. Wir durf­ten bei Nach­barn von Bekann­ten über­nach­ten. Dort hing an der Wand ein Bild des Vaters in Uni­form. Waf­fen-SS. Mit Toten­kopf­sym­bol. Eine ganz nor­ma­le net­te Nach­ba­rin (Leh­re­rin), die ande­re in ihrer Woh­nung woh­nen lässt. Kein nor­ma­ler Mensch hät­te sich im Osten sei­nen Vater in SS-Uni­form ins Wohn­zim­mer gehängt. So etwas hät­te es im Osten nie gege­ben. Nie. [Inzwi­schen ist mir noch ein wei­te­rer sol­cher Fall bekannt.]

Kaha­ne schreibt wei­ter: „Dies [die Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Holo­caust] hät­te zu Fra­gen nach Men­schen­rech­ten oder Min­der­hei­ten­schutz geführt, die nur bei Stra­fe des Unter­gangs der DDR zu beant­wor­ten gewe­sen wären.“ Das ist eini­ger­ma­ßen bizarr, denn damit rela­ti­viert sie den Holo­caust. In der DDR wäre nie­mand im Traum dar­auf gekom­men, so ein biss­chen Rede­frei­heit und Publi­ka­ti­ons­frei­heit, Rei­se­frei­heit mit der sys­te­ma­ti­schen Ermor­dung von Mil­lio­nen Men­schen zu ver­glei­chen. Sol­che Ein­schrän­kun­gen zu erklä­ren, war für die Staats­macht kein Pro­blem. Sie wur­den ja sogar auch damit erklärt, dass ver­hin­dert wer­den soll­te, dass sich so etwas wie­der­holt. Damit das ganz klar ist: Ich war 1989 auf der Stra­ße für Rede­frei­heit, Rei­se­frei­heit und nicht als Sta­si-Mit­ar­bei­ter. Ich ver­ste­he nicht, war­um Kaha­ne schreibt, was sie schreibt. Es ent­spricht jeden­falls nicht der Wahrheit.

Auch legt ihr Satz nahe, dass es in der DDR kei­ne Dis­kus­sio­nen über Men­schen­rech­te gege­ben hät­te. Es gab sehr wohl Men­schen, die sich mit Fra­gen der Men­schen­rech­te beschäf­tigt haben. Die Initia­ti­ve für Frie­den und Men­schen­rech­te wur­de 1986 offi­zi­ell gegrün­det. Vor­her gab es Grup­pen, meist unter dem Dach der Kir­che orga­ni­siert aber nicht not­wen­di­ger­wei­se reli­gi­ös, die den Ein­satz für Men­schen­rech­te als ihr Haupt­an­lie­gen sahen. Dafür brauch­te es kei­ne Holocaust-Diskussion.

„Lügenpresse“ bzw. Pfuschpresse

Der Wes­ten wun­dert sich, war­um der Osten sich anders benimmt, als man das viel­leicht erwar­ten wür­de. Ein Grund dafür sind sol­che Arti­kel in der Pres­se. Sieht man vom Neu­en Deutsch­land ab, gibt es kei­ne Ost-Pres­se mehr. Die West-Medi­en haben immer nur über den Osten geschrie­ben. Die Wes­sis haben über die Ossis gere­det, nicht mit ihnen. Das beginnt sich nun gera­de zu ändern. Es gibt tol­le Arti­kel von Anja Mai­er, Simo­ne Schmol­lack und Sabi­ne am Orde in der taz6, gute Arti­kel im Spie­gel, von Sabi­ne Renne­fanz in der Ber­li­ner Zei­tung und auch die Zeit ist aktiv um Ände­run­gen bemüht. Aber die oben zitier­ten Bei­trä­ge ent­hal­ten gro­be Unwahr­hei­ten und das macht die, über die gere­det wird, wütend. Es ver­letzt sie, sie wen­den sich ab und sind nicht mehr erreich­bar. Ein Vier­tel der Men­schen, die in die­sem Land leben. Unglaub­lich, oder?

Es ist ein Armuts­zeug­nis, dass die FAZ einen Arti­kel wie den von Gei­pel ein­fach so ver­öf­fent­licht. Wenn sie irgend­was über den Osten wüss­ten, wüss­ten sie eben auch, wie die Schul­bil­dung aus­sah, was die Men­schen gemacht und gedacht haben. Ich habe für das Schrei­ben die­ses Arti­kels einen Sonn­tag gebraucht. Die Quel­len sind im Netz ver­füg­bar. Es gibt sogar ein Buch, das sich mit dem Holo­caust im DDR-Unter­richt aus­ein­an­der­setzt. Wenn es der FAZ wich­tig wäre, wür­den sie Men­schen ein­stel­len, die das nöti­ge Wis­sen für ent­spre­chen­de Dis­kus­sio­nen haben. So ist es ein­fach nur unterirdisch.

Wenn Ost­deut­sche behaup­ten, der Holo­caust wäre in der DDR nicht the­ma­ti­siert wor­den, dann gibt es dafür zwei mög­li­che Grün­de: Sie ver­fol­gen politische/persönliche Zie­le und lügen bewusst oder sie haben die Behand­lung des Holo­caust ver­ges­sen. Ich weiß nicht, was schlim­mer ist.

Nachtrag

Auch Jan Fed­der­sen von der taz ver­sucht in sei­nem Inter­view mit Dani­el Rapo­port immer wie­der aus die­sem State­ments zum angeb­li­chen Anti­se­mi­tis­mus in der DDR her­aus­zu­kit­zeln, bekommt aber Ant­wor­ten, die dem hier Gesag­ten ent­spre­chen (aber bes­ser for­mu­liert sind). Jakob der Lüg­ner und der Bau der Syn­ago­ge wer­den erwähnt.

Literatur

Bodo von Borries

Dahn, Danie­la. 2019. Der Schnee von ges­tern ist die Sint­flut von heu­te: Die Ein­heit – eine Abrech­nung. Ham­burg: Rowohlt Verlag.

Fed­der­sen, Jan. 2023. „Jude sein ist kein Beruf“ Inter­view mit Dani­el Rapo­port. taz 16.09.2023.

Krauß, Mat­thi­as. 2007. Völ­ker­mord statt Holo­caust. Jude und Juden­bild im Lite­ra­tur­un­ter­richt der DDR. Leip­zig: Ander­beck Verlag.

Krauß, Mat­thi­as. 2012. Völ­ker­mord statt Holo­caust. Jude und Juden­bild im Lite­ra­tur­un­ter­richt der DDR. Schkeu­ditz: Schkeu­dit­zer Buch­ver­lag. Über­ar­bei­te­te Ver­si­on von Krauß (2007).

Schie­ber, Elke. 2016. Tan­gen­ten. Holo­caust und jüdi­sches Leben im Spie­gel audio­vi­su­el­ler Medi­en der SBZ und der DDR 1946 bis 1990 – Eine Doku­men­ta­ti­on. Ber­lin. (https://www.defa-stiftung.de/defa/publikationen/buecher/tangenten/)

Danksagung

Ich habe nach der Erstel­lung einer Ent­wurfs­fas­sung die­ses Tex­tes mit vie­len Men­schen gespro­chen bzw. Mail aus­ge­tauscht und den Text dann ent­spre­chend ange­passt. Dafür dan­ke ich ihnen. Beson­de­rer Dank geht an XY für den Hin­weis, mal nach Plas­ti­ken und Brief­mar­ken zu suchen. Über die Wiki­pe­dia­sei­te zu den Brief­mar­ken bin ich dann auch auf die Plas­ti­ken von Will Lam­bert gesto­ßen. Ich dan­ke der Wil­li-Bre­del-Gesell­schaft für promp­te Aus­kunft zu Erschei­nungs­da­ten der Früh­lings­so­na­te.

Links

  • Jüdi­sche Gemein­den in Meck­len­burg-Vor­pom­mern: Vom Über­le­ben einer Min­der­heit, Deutsch­land­funk, 17.10.2015.
  • Johann Nie­mann, der Lager­kom­man­dant des Ver­nich­tungs­la­gers Sobi­bor, in dem 180.000 Juden ermor­det wur­den steht auf dem Krie­ger­denk­mal im ost­frie­si­schen Völ­len mit der Inschrift „Unse­ren gefal­le­nen Hel­den“. taz, 26.02.2020
  1. Auch in ande­ren Zei­tungs­ar­ti­keln wird von Ost­deut­schen die Aus­sa­ge ver­tre­ten, der Holo­caust wäre im Osten nicht vor­ge­kom­men (taz, 13.10.2019).
  2. Mat­thi­as Krauß. 2007. Völ­ker­mord statt Holo­caust. Jude und Juden­bild im Lite­ra­tur­un­ter­richt der DDR. Ander­beck Ver­lag, Leip­zig. Das Buch ent­hält einen Dan­kes­brief der Bil­dungs­mi­nis­te­rin der DDR Mar­got Hon­ecker, was wohl dazu bei­tra­gen dürf­te, dass es nicht oft zitiert wird. Ich bin über eine Web­sei­te der AG Frie­dens­for­schung dar­auf gestoßen.
  3. Laut Aus­kunft der Wil­li-Bre­del-Gesell­schaft erschien Die Früh­lings­so­na­te erst­mals als Vor­ab­druck aus dem Roman Ein neu­es Kapi­tel in der DDR-Kul­tur­zeit­schrift Sonn­tag, Ber­lin, Jg. 13 (1958), Nr. 29, 20. Juli, S. 8 und Nr. 30, 27. Juli, S. 7–8. Ein wei­te­rer Vor­ab­druck wur­de in: Die Zau­ber­tru­he. Ein Alma­nach für jun­ge Mäd­chen. Band 5, Ber­lin 1959, S. 34–48 ver­öf­fent­licht. Die Novel­le erschien dann in die­sem Jahr auch als Bestand­teil des Roma­nes Ein neu­es Kapi­tel, der lose mit den Haupt­li­ni­en des Wer­kes ver­knüpft ist.
  4. Das Tage­buch der Anne Frank, 1957, Ber­lin (DDR): Union.
  5. Hier noch Anmer­kun­gen der Gedenk­stät­te Buchen­wald zu den Lam­pen­schir­men aus Men­schen­haut, die es wohl gege­ben hat, die aber nicht im Muse­um aus­ge­stellt waren, weil sie noch im Krieg ver­nich­tet wur­den. Das Aus­stel­lungs­expo­nat im Muse­um war höchst­wahr­schein­lich nicht aus Men­schen­haut gefertigt.
  6. Die taz hat­te direkt nach der Wen­de einen Ost-Able­ger. Es gab in der taz immer wie­der gute Arti­kel, aber eben auch Eber­hard-Sei­del-Pie­len, der den Ossis mal die Sub­ven­tio­nen strei­chen woll­te, wenn sie sich nicht wohlverhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert