(Ost-)Deutsche Christen in Ost und West

In den letz­ten Jah­ren gibt es mit dem Erstar­ken der AfD wie­der eine grö­ße­re Debat­te zu Nazis in der DDR. Es wird immer wie­der die offi­zi­el­le Geschich­te des nazifrei­en Lan­des zitiert. Dass die DDR nazifrei war ist sicher nicht rich­tig, aber dass die Nazi-Dich­te gerin­ger war und dass sie eben nicht – im Unter­schied zu Nazi-Grö­ßen wie Glob­ke und Freis­ler – in Füh­rungs­po­si­tio­nen waren ist und bleibt wahr. Im Wikip­deia-Arti­kel zu Rechts­extre­mis­mus in der DDR wer­den drei Per­so­nen exem­pla­risch genannt: Arno von Len­ski, Franz Füh­mann oder Erhard Mau­ers­ber­ger. Per­so­nen wie Arno von Len­ski habe ich schon in einem frü­he­ren Post bespro­chen. Len­ski war in Sta­lin­grad in sowje­ti­sche Gefan­gen­schaft gera­ten und hat dann die Sei­ten gewechselt:

Nach eini­gem Zögern trat Len­ski am 7. Mai 1944 dem Natio­nal­ko­mi­tee Frei­es Deutsch­land und dem Bund Deut­scher Offi­zie­re bei. Dafür wur­de er von einem Kriegs­ge­richt in Tor­gau in Abwe­sen­heit zum Tode ver­ur­teilt. Er war Mit­ar­bei­ter der Zei­tung und des Sen­ders Frei­es Deutsch­land in Luno­wo. Von Dezem­ber 1944 bis Mai 1945 stu­dier­te er Gesell­schafts­wis­sen­schaf­ten und Poli­ti­sche Öko­no­mie in der Anti­fa-Schu­le in Kras­no­gorsk. Von März 1946 bis August 1949 war er mili­tä­ri­scher Fach­be­ra­ter bei Mos­film für den Doku­men­tar­film Die Schlacht um Sta­lin­grad.

Wiki­pe­dia-Ein­trag von Len­ski, abge­ru­fen 22.06.2024

Franz Füh­mann war eben­falls auf einer Anti­fa-Schu­le und hat dann als Assis­tenz­leh­rer an Anti­fa-Schu­len gelehrt. Wenn wir über Faschis­mus und Faschis­ten reden, dann nicht über sol­che, die zu Antifaschist*innen wur­den, son­dern sol­che, die unbe­hel­ligt ihr Leben füh­ren konn­ten und es zum Teil noch füh­ren. Sol­che wie Karl M.:

Der drit­te Name ist Erhard Mau­ers­ber­ger, der Mit­ar­bei­ter des Insti­tuts zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben war. Er hat dar­an mit­ge­wirkt, Kir­chen­lie­der umzu­dich­ten. Das wur­de zu DDR-Zei­ten nicht auf­ge­ar­bei­tet und ist in der Tat unakzeptabel.

Inter­es­sant ist, dass das Insti­tut sei­ne Mit­ar­bei­ter ver­öf­fent­licht hat, so dass man jetzt unter­su­chen kann, was aus den Nazis und Anti­se­mi­ten, die bis 1945 im Osten gelebt haben, gewor­den ist. Wiki­pe­dia hat eine lan­ge Lis­te mit Namen, von denen vie­le ver­linkt sind. Um zu zei­gen, dass nach dem Krieg weni­ger Nazis im Osten waren, muss man nur die Ost-Nazis anschau­en und unter­su­chen, wie vie­le von ihnen in den Wes­ten gegan­gen sind, denn es wird wohl kaum ein West-Nazi sein Leben auf­ge­ge­ben haben, um zu den Rus­sen in den Osten zu zie­hen. (Das setzt natür­lich eine Gleich­ver­tei­lung von Nazis in Ost und West direkt nach dem Krieg voraus.)

Die Wiki­pe­dia-Sei­te lis­tet die Mit­ar­bei­ter in drei Rubriken:

  • Mit­ar­bei­ter in kir­chen­lei­ten­der Funktion
  • Geist­li­che bzw. Pfarrer
  • Hoch­schul­leh­rer bzw. Akademiker

Im fol­gen­den sor­tie­re ich die Lis­ten nach Ster­be- oder Wohn­ort nach 1945 in West, Ost, unbekannt/irrelevant. Irrele­vant ist der Ster­be­ort zum Bei­spiel bei Per­so­nen, die in Kriegs­ge­fan­gen­schaft gestor­ben sind. Irrele­vant sind auch die­je­ni­gen, die schon vor Kriegs­en­de im Wes­ten waren.

In kirchenleitender Funktion

In den Westen gegangen 

  1. Bischof Fried­rich Peter, Ber­lin, gestor­ben 1960, Gro­nau, NRW „Obgleich Peter 1948 aus dem Pfarr­amt ent­las­sen wur­de, blie­ben ihm die geist­li­chen Rech­te erhal­ten. So erhielt er Beschäf­ti­gungs­auf­trä­ge in der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len, zunächst in Oeding und seit 1953 in Gro­nau (Westf.).“
  2. Lan­des­bi­schof Walt­her Schultz, Schwe­rin, gestor­ben 1957 in Schna­cken­burg, Nie­der­sach­sen „Nach Kriegs­en­de wur­de Schultz, zusam­men mit Kon­sis­to­ri­al­prä­si­dent Her­mann Schmidt zur Ned­den, am 25. Juni 1945 von der bri­ti­schen Besat­zungs­macht ver­haf­tet und inter­niert. Zwei Tage spä­ter leg­te er sein Amt nie­der. Im Jah­re 1948 wur­de er aus dem Dienst der Lan­des­kir­che Meck­len­burgs ent­las­sen. Im Jah­re 1950 wur­de Schultz mit der pfarr­amt­li­chen Hil­fe­leis­tung in der St.-Dionysius-Kirchengemeinde Fal­ling­bos­tel in der Lüne­bur­ger Hei­de beauf­tragt. Als für die­se Auf­ga­be dort eine neue Pfarr­stel­le errich­tet wur­de, muss­te Schultz die Gemein­de ver­las­sen und über­nahm in Schna­cken­burg an der Elbe ein Gemein­de­pfarr­amt, das er bis zu sei­nem Tode innehatte.“
  3. Ober­kon­sis­to­ri­al­rat Theo­dor Ell­wein, Ber­lin, gestor­ben 1962 Mün­chen „Nach der Ent­las­sung im Dezem­ber 1949 wur­de er 1950 von kirch­li­cher Sei­te in den Ruhe­stand ver­setzt. Im Jah­re 1951 wur­de er Reli­gi­ons­leh­rer am Gym­na­si­um Pasing und Lehr­be­auf­trag­ter an der Leh­rer­bil­dungs­an­stalt Mün­chen-Pasing. Von 1954 bis 1961 war er Lei­ter der Päd­ago­gi­schen Arbeits­stel­le der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Bad Boll bei Göp­pin­gen. 1955 war er Mit­glied der Stu­di­en­kom­mis­si­on für Leh­rer­bil­dung („Tutz­in­ger Emp­feh­lun­gen“) in der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Tutz­ing. 1961 trat er in den Ruhestand.“
  4. Ober­kon­sis­to­ri­al­rat Hans Hohl­wein, Eisen­ach, gestor­ben 1996 in Solin­gen „Nach 1945 wirk­te Hohl­wein als theo­lo­gi­scher Hilfs­ar­bei­ter in der Props­tei Hal­ber­stadt, und von 1947 bis 1951 ver­wal­te­te er die Pfarr­stel­le Heu­de­ber in der Kir­chen­pro­vinz Sach­sen. Im Jah­re 1951 erfolg­te sei­ne Über­sied­lung in die Bun­des­re­pu­blik Deutschland.“
  5. Kir­chen­rat Wil­helm Bau­er, Eisen­ach, gestor­ben 1969 in Bay­ern „In dem von ihm 1935 her­aus­ge­ge­be­nen Buch „Fei­er­stun­den Deut­scher Chris­ten“ kamen neben Bibel­zi­ta­ten auch Autoren wie Adolf Hit­ler zu Wort. Zugleich betä­tig­te er sich als Schrift­lei­ter der Zeit­schrift „Deut­sche Fröm­mig­keit“, in der die Posi­tio­nen der Deut­schen Chris­ten ver­tre­ten wur­den. In einer ihrer Aus­ga­ben bekun­de­te er: „Wir sind Natio­nal­so­zia­lis­ten. Der Natio­nal­so­zia­lis­mus bedeu­tet uns die Wie­der­auf­rich­tung einer wahr­haf­ten Volks­ord­nung auf dem Grun­de der ewi­gen Geset­ze unse­res Blu­tes und unse­rer Hei­mat­er­de.“[2] Im Jah­re 1939 erklär­te er sei­ne Mit­ar­beit am Insti­tut zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben.[3] Zu Beginn der 1940er Jah­re wur­de er stell­ver­tre­ten­der Stu­di­en­lei­ter des Thü­rin­ger Pre­di­ger­se­mi­nars. Nach der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus leb­te Bau­er in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, publi­zier­te dort wei­ter und starb in einem Ort des Frei­staats Bay­ern.“
  6. Lan­des­su­per­in­ten­dent Fried­rich Kent­mann, Güs­trow, gestor­ben 1953 in Ham­burg „Nach dem Ende von Natio­nal­so­zia­lis­mus und Zwei­tem Welt­krieg 1945 wur­de er sei­nes Amtes als Lan­des­su­per­in­ten­dent ent­ho­ben und vom pfarr­amt­li­chen Dienst sus­pen­diert. Sein Nach­fol­ger als Lan­des­su­per­in­ten­dent wur­de mit Wir­kung vom 1. Okto­ber 1945 der Güs­trower BK-Pas­tor Sibrand Sie­gert (1890–1954). 1950 erfolg­te die Ent­las­sung Kent­manns aus dem Dienst der meck­len­bur­gi­schen Landeskirche.“
  7. Super­in­ten­dent Ger­hard Span­gen­berg, Alten­wed­din­gen, gestor­ben 1975 in Dül­men, NRW

Im Osten geblieben

  1. Reichs­vi­kar Fritz Engel­ke, Schwe­rin, gestor­ben 1956 in Schwe­rin „Nach 1945 wirk­te er als Pas­tor der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Lan­des­kir­che Meck­len­burgs in Schwe­rin. Ab 1950 ver­trat er den im Gulag Worku­ta inhaf­tier­ten Aurel von Jüchen an der Kir­che St. Niko­lai (Schelf­kir­che) Schwe­rin.
  2. Ober­lan­des­kir­chen­rat Wil­ly Kretz­schmar, Dres­den, gestor­ben 1962 in Dres­den „Nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges 1945 erfolg­te zunächst sei­ne Ent­las­sung aus dem akti­ven Kir­chen­dienst. 1946 stell­te er den erfolg­rei­chen Antrag auf Reha­bi­li­tie­rung, in dem er sei­ne Mit­ar­beit im „Ent­ju­dungs­in­sti­tut“ in Eisen­ach extrem her­un­ter­spiel­te. In sei­nem Reha­bil­tie­rungs­an­trag an das säch­si­sche Lan­des­kir­chen­amt in Dres­den stell­te er sich selbst „als Ver­führ­ten der NSDAP“ dar. Spä­tes­tens seit 1939 habe er sich „zu akti­ven Geg­ner des NS-Regimes gewan­delt“ und sich anti­na­tio­na­lis­tisch und par­tei­schäd­lich ver­hal­ten sowie Grund­sät­ze der NSDAP bekämpft. 1959 ging Kretz­schmar als kirch­li­cher Finanz­ver­wal­ter der Lan­des­kir­che Sach­sens in den Ruhestand.“
  3. Ober­lan­des­kir­chen­rat Hein­rich Seck, Dres­den, gestor­ben 1947 in Stadt Weh­len „In die­ser Eigen­schaft und als Mit­glied der Deut­schen Chris­ten war er Mit­ar­bei­ter am Insti­tut zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben und wur­de des­halb nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges 1945 aus dem akti­ven Kir­chen­dienst ent­las­sen. Er zog in die Säch­si­sche Schweiz, wo er im Alter von 51 Jah­ren in Stadt Weh­len starb.“
  4. Ober­kir­chen­rat Fried­rich Busch­töns, Ber­lin, gestor­ben 1962 in Ber­lin „1945 über­nahm er die Auf­sicht über die kirch­li­chen Ver­mö­gens­wer­te im Schloss Ilsen­burg und wenig spä­ter über das kirch­li­che Flücht­lings­la­ger in Stol­berg. 1946 wur­de Busch­töns in den Ruhe­stand ver­setzt. Er hat aber auch danach noch pfarr­amt­li­che Diens­te geleis­tet, so etwa in Klein­mach­now. 1955 gehör­te er zum Her­aus­ge­ber- und Redak­ti­ons­kreis der vom ZK der SED ange­reg­ten Zeit­schrift Glau­be und Gewis­sen: eine pro­tes­tan­ti­sche Monats­schrift.
  5. Kir­chen­rat Erhard Mau­ers­ber­ger, Eisen­ach, gestor­ben 1982 Leip­zig, Chor­lei­ter, Lei­ter Bach-Komi­tee, 1972 bei poli­ti­scher Säu­be­rung aus Chor­lei­tung entfernt. 

Unbekannt / irrelevant

  1. Lan­des­bi­schof Mar­tin Sas­se, Eisen­ach, gestor­ben 1942 an Schlaganfall
  2. Lan­des­bi­schof Erwin Bal­zer, Lübeck
  3. Lan­des­bi­schof Adal­bert Paul­sen, Kiel
  4. Bischof Wil­helm Sta­edel, Her­mann­stadt
  5. Bischof Hein­rich Josef Ober­heid, Bad Godesberg
  6. Prä­si­dent Chris­ti­an Kin­der, Kiel
  7. Prä­si­dent Fried­rich Wer­ner, Ber­lin-Char­lot­ten­burg
  8. Vize­prä­si­dent Hahn, Berlin-Charlottenburg
  9. Ober­kir­chen­rat Johan­nes Sie­vers, Lübeck
  10. Super­in­ten­dent Thie­me, Solingen
  11. Dekan Wal­ter Mulot, Wiesbaden
  12. Ober­kir­chen­rat Fröh­lich, Leipzig
  13. Ober­kon­sis­to­ri­al­rat Schön­rock, Schwerin
  14. Ober­kon­sis­to­ri­al­rat Schultz, Schwerin
  15. Ober­kon­sis­to­ri­al­rat Wie­ne­ke, Berlin
  16. Kir­chen­re­gie­rungs­rat Erwin Brau­er, Eisen­ach, gestor­ben 1946 Buchen­wald „Nach der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­lor er sei­ne Ämter und wur­de von den sowje­ti­schen Mili­tär­be­hör­den im Spe­zi­al­la­ger Nr. 2 in Buchen­wald inter­niert, wo er am 19. Dezem­ber 1946 verstarb.“
  17. Kir­chen­rat Ger­hard Braun­schweig, Dresden
  18. Kon­sis­to­ri­al­rat Hans Pohl­mann, Schnei­de­mühl
  19. Gene­ral­su­per­in­ten­dent Hans Schött­ler, Buch­schlag
  20. Lan­des­su­per­in­ten­dent Hans Hein­rich Fölsch, Neustrelitz
  21. Lan­des­ju­gend­pfar­rer Gar­ten­schlä­ger, Potsdam
  22. Kir­chen­rat Volk­mar Franz, Eisenach
  23. Propst Johan­nes Grell (1875–1947), Lei­ter der Kir­chen­pro­vinz Grenz­mark Posen-West­preu­ßen, Schneidemühl
  24. Super­in­ten­dent Krü­ger, Sagan
  25. Super­in­ten­dent Hugo Pich, Eisen­ach

Zwi­schen­fa­zit: Von den Nazi-Chris­ten mit kirch­li­cher Funk­ti­on im Osten sind 7 in den Wes­ten gegan­gen und 5 im Osten geblie­ben. Das bedeu­tet ers­tens, dass die Mehr­heit in den Wes­ten gegan­gen ist und zwei­tens, dass es im Osten sie­ben Nazis weni­ger und im Wes­ten sie­ben Nazis mehr gab als vor der Befreiung.

Geistliche bzw. Pfarrer

Die Lis­te der Geist­li­chen ist lang. Nur weni­ge sind in Wiki­pe­dia ver­linkt. Ich lis­te hier nur die ver­link­ten auf.

In den Westen gegangen 

  1. Pfar­rer Her­men­au, Pots­dam, gestor­ben 1981 Wies­ba­den „Im Jah­re 1939 erklär­te er sei­ne Mit­ar­beit am Insti­tut zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben. In zahl­rei­chen Publi­ka­tio­nen ver­trat er sei­ne Über­zeu­gung von der Rol­le der deut­schen Frau im Reich Adolf Hit­lers. […] 1972: Ver­dienst­kreuz 1. Klas­se der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land“ Zur Ent­na­zi­fi­zie­rung und zum Grund für das Bun­des­ver­dienst­kreuz steht nichts in Wikipedia. 
  2. Pfar­rer Hosen­thien, Mag­de­burg, gestor­ben 1972 in Braun­schweig „1949 folg­te Albert Hosen­thien sei­nem Sohn und zog nach Fort Bliss in El Paso (Texas), kehr­te jedoch, da er mit den dor­ti­gen Gege­ben­hei­ten nicht zurecht­kam, 1954 wie­der nach Deutsch­land zurück. Da die Regi­on Mag­de­burg jetzt in der DDR lag, sie­del­te er sich in Braun­schweig, im west­li­chen Teil Deutsch­lands an. Er arbei­te­te hier auch wie­der als Pfarrer.“
  3. Pfar­rer Hun­ger, Eisen­ach, gestor­ben 1995 Müns­ter, NRW „Nach 1945 ori­en­tier­te er sich auf das Gebiet der Sexu­al­erzie­hung, was ihm den Spitz­na­men „Sex-Hun­ger“ ein­trug. Bis Ende der 1960er Jah­re publi­zier­te er sei­ne christ­lich-kon­ser­va­ti­ve Sexu­al­mo­ral im Güters­lo­her Ver­lags­haus. Er wur­de auch Redak­ti­ons­lei­ter der Zeit­schrift Der evan­ge­li­sche Reli­gi­ons­leh­rer an der Berufs­schu­le, die vom Schrif­ten­mis­si­ons­ver­lag Glad­beck her­aus­ge­ge­ben wurde.“ 
  4. Pfar­rer Kers­ten-Thie­le, Köthen, gestor­ben 1988 Göt­tin­gen, Nie­der­sach­sen „Nach 1945 wirk­te Kers­ten-Thie­le im Vor­stand der Deut­schen Ost­asi­en-Mis­si­on und publi­zier­te in deren Sin­ne meh­re­re Bücher. 1948 war er Pfar­rer in Göt­tin­gen-Gro­ne und 1954 in Düs­sel­dorf. Von 1960 bis 1964 war er Reli­gi­ons­leh­rer am Rethel-Gym­na­si­um (bzw. Jaco­bi-Gym­na­si­um) Düs­sel­dorf und zwi­schen 1968 und 1973 war er als Pas­tor in Sereetz tätig. Anschlie­ßend ging er in die Rhei­ni­sche Lan­des­kir­che zurück.“ 
  5. Pfar­rer Kuhl, Ber­lin, gestor­ben 1959 Kas­sel „Spä­te­re Wohn­sit­ze waren Nord­kir­chen, wo er von 1949 bis 1956 Pfar­rer war. Hier grün­de­te er einen Kirch­bau­ver­ein, um in Nord­kir­chen ein Gemein­de­zen­trum schaf­fen zu kön­nen.[4] Im Jahr 1956 wur­de ihm von der evan­ge­lisch-theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Bonn die Ehren­dok­tor­wür­de ver­lie­hen.[5] Nach­dem Kuhl 1957 in den Ruhe­stand gegan­gen war, leb­te er bis zu sei­nem Tod 1959 in Kas­sel und hin­ter­ließ eine Frau und zwei Kin­der. In sei­nen letz­ten Lebens­jah­ren hat­te er einen Lehr­auf­trag an der Georg-August-Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen. Gemein­sam mit Bo Rei­cke arbei­te­te er ab 1958 am Biblisch-his­to­ri­schen Hand­wör­ter­buch für den Ver­lag Van­den­hoeck & Ruprecht. Kuhl war von 1921 bis zu sei­nem Tod Mit­glied der Deut­schen Mor­gen­län­di­schen Gesell­schaft.“
  6. Pfar­rer Schmidt-Claus­ing, Pots­dam-Babels­berg, gestor­ben 1984 in West-Ber­lin „Nach dem Zwei­ten Welt­krieg lei­te­te Schmidt-Claus­ing den Wie­der­auf­bau der Gemein­de von 1947 bis 1962 als Pfar­rer an der Ber­li­ner Kai­ser-Fried­rich-Gedächt­nis­kir­che. In der Kir­chen­rui­ne wur­de die ein­zi­ge ver­blie­be­ne Glo­cke wie­der gang­bar gemacht und bis in die 1950er Jah­re zum Begrü­ßungs­läu­ten für die Ber­li­ner Russ­land­heim­keh­rer benutzt. Im begin­nen­den Kal­ten Krieg setz­te Schmidt-Claus­ing damit ein poli­ti­sches Zei­chen und mach­te sei­ne Gemein­de bekannt – bis hin zur US-ame­ri­ka­ni­schen Wochen­schau, die das The­ma dank­bar auf­nahm. Fritz Schmidt-Claus­ing starb in einem West-Ber­li­ner Pfle­ge­heim und wur­de auf dem Fried­hof Wil­mers­dorf beigesetzt.“

Hans-Joa­chim Thi­lo hat sich neu­ori­en­tiert, so dass ich ihn hier extra auf­zäh­le. Prin­zi­pi­ell ist das bei den sechs oben genann­ten Per­so­nen natür­lich auch denk­bar, es steht aber ncihts dazu­in Wikipedia.

  1. Pas­tor Thi­lo, Pir­na, gestor­ben 2003 in Lübeck „Thi­los Erfah­run­gen im Kriegs­dienst, sei­ne Ver­wun­dung bei Kiew und sei­ne Kriegs­ge­fan­gen­schaft, zunächst in Kana­da, dann in Eng­land, führ­ten ihn zu einem Umden­ken und Neu­an­fang. Im Dezem­ber 1947 kehr­te er nach Deutsch­land zurück und erhielt eine Pfarr­stel­le der Kir­chen­ge­mein­de am Liet­zen­see in Ber­lin-Witz­le­ben. Gleich­zei­tig bau­te er hier die kirch­li­che Bera­tungs­ar­beit auf. Von 1956 bis 1961 wirk­te er an der Deut­schen Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Genf. Anschlie­ßend war er Refe­rent an der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Bad Boll, bis er 1966 zum Pas­tor der Mari­en­kir­che in Lübeck beru­fen wur­de, wo er bis zu sei­ner Pen­sio­nie­rung wirk­te. 1973 habi­li­tier­te er sich an der Uni­ver­si­tät Ham­burg für das Fach Prak­ti­sche Theo­lo­gie. Er blieb Gemein­de­pas­tor, hielt jedoch regel­mä­ßig Lehr­ver­an­stal­tun­gen in Ham­burg. 1979 wur­de ihm der Titel Pro­fes­sor verliehen.“

Im Osten geblieben

  1. Ober­pfar­rer Ungern von Stern­berg, Ron­ne­burg, gestor­ben 1949 in Gera „Noch im Janu­ar 1945 gehör­te er zu den Thü­rin­ger Pröps­ten, die den DC-Kir­chen­prä­si­den­ten Hugo Rönck dazu dräng­ten, den Bischofs­ti­tel anzu­neh­men.[2] Auf­grund des Geset­zes zur Über­prü­fung der Pfar­rer­schaft und der Ver­wal­tung der Thü­rin­ger evan­ge­li­schen Kir­che (Rei­ni­gungs­ge­setz) vom 12. Dezem­ber 1945 wur­de Ungern-Stern­berg aus dem Pfarr­dienst ent­las­sen und die Dienst­be­zeich­nung „Super­in­ten­dent im War­te­stand“ wur­de ihm aberkannt. Er wur­de aber zunächst kom­mis­sa­risch als Pfar­rer in Ron­ne­burg wei­ter­be­schäf­tigt, ab dem 1. Dezem­ber 1947 wur­de er dann wie­der offi­zi­ell als Pfar­rer in Nie­der­pöll­nitz eingesetzt.“
  2. Pfar­rer Busch, Dres­den, gestor­ben 1952, Pir­na, Sachsen 
  3. Pfar­rer Del­ling, Leip­zig, gestor­ben 1986 in Hal­le „Im Jah­re 1945 geriet Del­ling in Däne­mark in Kriegs­ge­fan­gen­schaft und wirk­te bis 1947 als Seel­sor­ger im Inter­nie­rungs­la­ger Aar­hus. Nach sei­ner Ent­las­sung ging er nach Pom­mern und erhielt 1947 einen Lehr­auf­trag an der Ernst-Moritz-Arndt-Uni­ver­si­tät Greifs­wald. 1948 habi­li­tier­te er sich hier mit der Schrift Got­tes­dienst im Neu­en Tes­ta­ment (gedruckt 1952) für das Fach Neu­es Tes­ta­ment. Im Jah­re 1950 wur­de Del­ling als Pro­fes­sor mit Lehr­auf­trag an die Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg beru­fen, 1952 bekam er den vol­len Lehr­auf­trag, die Beför­de­rung zum Pro­fes­sor mit Lehr­stuhl für spät­an­ti­ke Reli­gi­ons­ge­schich­te erfolg­te 1953. 1955 erhielt er durch Kurt Aland, dem Lei­ter der Kom­mis­si­on für spät­an­ti­ke Reli­gi­ons­ge­schich­te der Deut­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten zu Ber­lin, eine Stel­le zur Reor­ga­ni­sa­ti­on des Cor­pus Hel­le­ni­sti­cum[1] 1955/56 über­nahm Del­ling eine Gast­pro­fes­sur an der Uni­ver­si­tät Leip­zig, eine Beru­fung kam jedoch eben­so wenig zustan­de wie die von Tei­len der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät in den 1960er Jah­ren gewünsch­te Ver­set­zung nach Ber­lin. An der Uni­ver­si­tät Hal­le bau­te Del­ling das Insti­tut für spät­an­ti­ke Reli­gi­ons­ge­schich­te auf, dem er seit 1963 als Direk­tor vor­stand. Nach der IV. Hoch­schul­re­form wur­de Del­ling 1969 zum ordent­li­chen Pro­fes­sor ernannt und 1970 eme­ri­tiert. Del­ling forsch­te vor allem zur Über­lie­fe­rungs­ge­schich­te des Neu­en Tes­ta­ments und zum anti­ken Juden­tum (Das Zeit­ver­ständ­nis des Neu­en Tes­ta­ments, 1940; Jüdi­sche Leh­re und Fröm­mig­keit in den para­li­po­me­na Jere­miae, 1967; gesam­mel­te Auf­sät­ze: Stu­di­en zum Neu­en Tes­ta­ment und zum hel­le­nis­ti­schen Juden­tum, 1950–1968, 1970; Stu­di­en zum Früh­ju­den­tum, 1971–1987, 2000). Außer­dem gab er Biblio­gra­phien zur jüdisch-hel­le­nis­ti­schen For­schung her­aus und arbei­te­te am Cor­pus Hel­le­ni­sti­cum Novi Tes­ta­men­ti mit. Die Uni­ver­si­tät Greifs­wald ver­lieh ihm 1964 die Ehren­dok­tor­wür­de. Del­ling ver­starb am 18. Juni 1986, im Alter von 81 Jah­ren, in Halle.“
  4. Pfar­rer Ohl­and, Unkero­da (Thü­rin­gen), gestor­ben 1953 in Frie­dels­hau­sen, Thü­rin­gen „Im Jah­re 1946 ver­lor Ohl­and sein Amt, durf­te aber seit 1948 in Beh­run­gen als Pfarr­vi­kar wie­der amtie­ren, seit 1952 als Pfar­rer in Friedelshausen.“

Irrelevant

  1. Pfar­rer Dungs, Essen
  2. Pfar­rer Jäger, Frei­burg
  3. Pfar­rer Peters­mann, Bres­lau
  4. Pfar­rer Rie­ge, Lübeck
  5. Pfar­rer Joseph Roth, Diers­heim, gestor­ben 1941 Tirol
  6. Pas­tor Dungs, Wei­mar, gestor­ben 1947 durch Hin­rich­tung oder 1949 in Haft

Zwi­schen­fa­zit: Von den Nazi-Pfar­rern im Osten sind 7 in den Wes­ten gegan­gen und 4 im Osten geblie­ben. Zählt man Hans-Joa­chim Thi­lo zu den irrele­van­ten Fäl­len, weil es bei ihm ein Umden­ken und Neu­an­fang gab, blei­ben 6 in den Wes­ten gegan­ge­ne, die zu den Nazis, die ohne­hin aus dem Wes­ten waren dazu­ge­kom­men sind und den Osten ver­las­sen haben.

Hochschullehrer bzw. Akademiker

In den Westen gegangen

  1. Johan­nes Hem­pel, Ber­lin, gestor­ben 1964 in Göt­tin­gen „Er über­nahm die Her­aus­ge­ber­schaft der Zeit­schrift für die alt­tes­ta­ment­li­che Wis­sen­schaft. Im Jah­re 1937 wur­de er nach Ber­lin beru­fen und lei­te­te das Insti­tu­tum Judai­cum zur Erfor­schung des Juden­tums „vom Boden der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung aus“. Im Jah­re 1939 erklär­te Hem­pel sei­ne Mit­ar­beit am Insti­tut zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben als Lei­ter der Arbeits­grup­pe Altes Tes­ta­ment. Auf der Arbeits­ta­gung im März 1941 refe­rier­te er über Die Auf­ga­be von Theo­lo­gie und Kir­che von der Front her gese­hen. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges fun­gier­te er als Mili­tär­pfar­rer. Das Kriegs­en­de erleb­te er 1945 in einem Laza­rett an der Nord­see. Im Jah­re 1947 wur­de Hem­pel Pfarr­ver­we­ser in Salz­git­ter-Lebens­tedt, einem Ort im Gebiet der Braun­schwei­gi­schen Lan­des­kir­che. Im Jah­re 1955 wur­de er Hono­rar­pro­fes­sor in Göt­tin­gen und betrieb ab 1958 als Eme­ri­tus sei­ne wis­sen­schaft­li­che Arbeit wei­ter, beson­ders für die von ihm betreu­te Zeitschrift.“
  2. Wolf Mey­er-Erlach, Jena, gestor­ben 1982 in Idstein, Hes­sen „Im Jah­re 1945 ging er aller Ämter ver­lus­tig, auch eine Wie­der­ein­stel­lung in der baye­ri­schen Lan­des­kir­che blieb ihm ver­sagt. 1950 flüch­te­te Mey­er-Erlach aus der DDR. Von 1951 bis 1963 wur­de er Pfarr­ver­wal­ter in Wall­ra­ben­stein und Wörs­dorf bei Idstein im Tau­nus (Evan­ge­li­sche Kir­che in Hes­sen und Nas­sau). Von ihm wur­den his­to­ri­sche Sujets wie das Stück „Anno 1634“ aufgeführt.“
  3. Max Adolf Wagen­füh­rer, Jena, gestor­ben 2010 irgend­wo im Wes­ten „Nach dem Ende des Zwei­ten Welt­kriegs kam er an die Luther­kir­che nach Köln-Nip­pes und wur­de zunächst in den Pfarr­dienst der Rhei­ni­schen Kir­che über­nom­men. 1949 wur­de er wegen sei­ner feh­len­den Ordi­na­ti­on vor­über­ge­hend sus­pen­diert und wech­sel­te in den Schul­dienst. 1953 kam er zurück in den Pfarr­dienst, wur­de ordi­niert und erhielt eine Beru­fung an die neu­erbau­te Erlö­ser­kir­che in Wei­den­pesch. Von 1970 bis 1982 war er Pfar­rer in Prien am Chiemsee.“

Im Osten geblieben

  1. Richard Barth, Jena, gestor­ben nach 1946 „Nach der Befrei­ung vom Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­lor er sein Amt. Ab 1946 arbei­te­te er als Grund­schul­leh­rer in Jena.“
  2. Paul Fie­big, Leip­zig, gestor­ben 1949 in Kal­be Sach­sen Anhalt 
  3. Rein­hard Lie­be, Frei­berg (Sach­sen), gestor­ben 1956 in Frei­berg. Der Wiki­pe­dia-Ein­trag lässt zu wün­schen übrig.
  4. Heinz Erich Eisen­huth, Jena, gestor­ben 1983 Pferdsdorf/Werra, Thü­rin­gen „Nach­dem er 1945 aus dem Uni­ver­si­täts­dienst ent­las­sen wor­den war, wur­de er 1946 zunächst kom­mis­sa­risch, spä­ter im Haupt­amt Pfar­rer in Jena-Zwät­zen. 1952 wur­de er Super­in­ten­dent in Eisen­ach. Anders als in der For­schungs­li­te­ra­tur bis­wei­len behaup­tet wird, über­nahm er jedoch nie die Lei­tung der Evan­ge­li­schen Aka­de­mie Thü­rin­gen. Er gehör­te aber zeit­wei­se der Syn­ode an und erhielt meh­re­re Lehr­auf­trä­ge am Theo­lo­gi­schen Semi­nar Leip­zig. Nach­dem er 1967 in den War­te­stand getre­ten war, ging er 1969 in den Ruhestand.“
  5. Wil­helm Knevels, Ros­tock, gestor­ben 1978 in West-Ber­lin „Im Jah­re 1950 erhielt er einen Lehr­auf­trag an der Mar­tin-Luther-Uni­ver­si­tät Hal­le-Wit­ten­berg. Nach sei­ner Eme­ri­tie­rung leb­te er in West-Ber­lin und wirk­te dort wei­ter an der Frei­en Uni­ver­si­tät Ber­lin. Er ist auf dem Wald­fried­hof Dah­lem bestat­tet. Auf dem Grab­stein steht unter den Lebens­da­ten: „Theo­lo­ge des drit­ten Weges / = Selbst­be­sin­nung des Glau­bens / zwi­schen Fun­da­men­ta­lis­mus / und Exis­ten­zi­al­theo­lo­gie / Unser Glau­be ist der Sieg / der die Welt über­win­det“.“ Knevels ist 1897 geboh­ren, die Eme­ri­tie­rung muss also gegen 1962 gewe­sen sein. Ich lis­te ihn hier unter Im Osten geblie­ben, weil er sein gesam­tes Berufs­le­ben im Osten ver­bracht hat.
  6. Wil­helm Koepp, Greifs­wald, gestor­ben 1965 Klein­mach­now „1952 erhielt er den Lehr­stuhl an der Uni­ver­si­tät Ros­tock. 1954 eme­ri­tiert, lehr­te er noch bis zu sei­nem Tode an der Uni­ver­si­tät Ros­tock weiter.“
  7. Johan­nes Lei­poldt, Leip­zig, gestor­ben 1965 in Leip­zig „Nach 1945 war er Dom­herr des Hoch­stifts Mei­ßen und erhielt eine Pro­fes­sur mit Lehr­stuhl für Neu­tes­ta­ment­li­che Wis­sen­schaft in Leip­zig. Er wur­de als ordent­li­ches Mit­glied in die Säch­si­sche Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten auf­ge­nom­men und 1954 mit dem Vater­län­di­schen Ver­dienst­or­den in Sil­ber und 1960 in Gold aus­ge­zeich­net. […] Lei­poldt war von 1953 bis 1963 als Ver­tre­ter der CDU Abge­ord­ne­ter der Volkskammer.“
  8. Her­bert von Hint­zen­s­tern, Eisen­ach, gestor­ben 1996 in Wei­mar „Seit August 1945 war er in Lauscha, ab 1948 als Pfar­rer. Dort trat er der DDR-CDU bei, sein Par­tei­aus­tritt erfolg­te zum 1. Mai 1947. Im Jah­re 1952 wur­de er zum Lan­des­ju­gend­pfar­rer der Evan­ge­lisch-Luthe­ri­schen Kir­che in Thü­rin­gen beru­fen. Seit 1956 lei­te­te er die Evan­ge­li­sche Aka­de­mie Thü­rin­gen und die Pres­se­stel­le der Kir­che. Gleich­zei­tig wur­de er zum Chef­re­dak­teur der Kir­chen­zei­tung Glau­be und Hei­mat beru­fen. 1962 wur­de er zum Kir­chen­rat ernannt. Von 1968 bis 1986 war er neben­amt­li­cher Lei­ter des Pfarr­haus­ar­chivs im Luther­hau­ses in Eisen­ach. 1981 ging er in den Ruhestand.“
  9. Rudolf Mey­er, Leip­zig, gestor­ben 1991 in Jena, Thü­rin­gen „Im Jah­re 1947 wur­de er außer­plan­mä­ßi­ger Pro­fes­sor und 1948 […] Ordi­na­ri­us für Altes Tes­ta­ment an der Fried­rich-Schil­ler-Uni­ver­si­tät Jena. Hier unter­rich­te­te er Gene­ra­tio­nen von Theo­lo­gie­stu­den­ten in Hebrä­isch, der Geschich­te des Vol­kes Isra­el und der Theo­lo­gie des Alten Tes­ta­ments. Zusam­men mit […] wur­de ihm 1952 von der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät der Hum­boldt-Uni­ver­si­tät zu Ber­lin die Ehren­dok­tor­wür­de ver­lie­hen. Mey­er war seit 1959 ordent­li­ches Mit­glied der Säch­si­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten und seit 1978 kor­re­spon­die­ren­des Mit­glied der Hei­del­ber­ger Aka­de­mie der Wissenschaften.“
  10. Sieg­fried Morenz, Leip­zig, gestor­ben 1970 Leip­zig „Morenz wur­de 1946 Dozent an der Uni­ver­si­tät Leip­zig und habi­li­tier­te sich im sel­ben Jahr bei Wil­helm Schub­art mit einer Schrift zu Ägyp­tens Bei­trag zur wer­den­den Kir­che. Ab 1948 lei­te­te Morenz, zunächst kom­mis­sa­risch, das Ägyp­to­lo­gi­sche Insti­tut der Uni­ver­si­tät Leip­zig. Im Febru­ar 1952 wur­de er Pro­fes­sor mit Lehr­auf­trag, im Sep­tem­ber des Jah­res mit vol­lem Lehr­auf­trag und zwi­schen 1954 und 1961 schließ­lich als Lehr­stuhl­in­ha­ber für Ägyp­to­lo­gie und hel­le­nis­ti­sche Reli­gi­ons­ge­schich­te. Zwi­schen 1952 und 1958 nahm Morenz zudem neben­amt­lich die Lei­tung der Ägyp­ti­schen Abtei­lung der Staat­li­chen Muse­en zu Ber­lin in Ost-Ber­lin wahr. Zwi­schen 1961 und 1966 lehr­te Morenz als Lehr­stuhl­in­ha­ber an der Uni­ver­si­tät Basel, lei­te­te jedoch im Neben­amt wei­ter­hin das Leip­zi­ger Ägyp­to­lo­gi­sche Insti­tut. Danach kehr­te er nach Leip­zig zurück, wo er bis zu sei­nem Tod 1970 wie­der den Lehr­stuhl für Ägyp­to­lo­gie innehatte.“
  11. Kon­rad Weiß, Ber­lin, gestor­ben 1979 in Ros­tock „1946 wur­de Weiß außer­or­dent­li­cher Pro­fes­sor für neu­tes­ta­ment­li­che Theo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Ros­tock, 1948 wur­de er dort auf eine ordent­li­che Pro­fes­sur beru­fen und 1972 eme­ri­tiert. Die Uni­ver­si­tät Kiel zeich­ne­te Weiß 1961 mit der Ehren­dok­tor­wür­de aus.“

Unbekannt / irrelevant

Die Aus­wer­tung der Lebens­da­ten der Hoch­schul­leh­rer ist ver­blüf­fend. Nur drei sind in den Wes­ten gegan­gen. 11 sind im Osten geblie­ben. Man müss­te die Ein­zel­fäl­le näher anse­hen und erfor­schen, wie inten­siv ihre Mit­ar­beit im Insti­tut zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben war und was davon zu Leb­zei­ten bekannt war. Teil­wei­se hat­ten die Wis­sen­schaft­ler Ehren­dok­tor­tit­le von Uni­ver­si­tä­ten in Ost und West.

Weitere Nazis aus dem Umfeld der Deutschen Christen / dem Institut

In den Westen gegangen

  1. Hugo Rönck deut­scher evan­ge­li­scher Pfar­rer und Bischof, gestor­ben 1990, bis 1976 Pas­tor in Eutin, Schles­wig-Hol­stein. „Im Jah­re 1945 nahm er „kurz vor dem Ein­marsch der amerikan[ischen] Trup­pen“ den Titel Lan­des­bi­schof an. Im April 1945 wur­de er von den Ver­tre­tern der inner­kirch­li­chen Oppo­si­ti­on um Moritz Mit­zen­heim, Erich Hertzsch und Ger­hard Kühn zum Amts­ver­zicht gedrängt und weni­ge Tage spä­ter von US-ame­ri­ka­ni­schen Trup­pen ver­haf­tet. Im August 1945 ent­ließ ihn die Thü­rin­ger Kir­che aus dem kirch­li­chen Dienst. Spä­ter war er von 1947 bis 1976 Pas­tor in Eutin.“

Im Osten geblieben

  1. Johan­nes Klot­sche gestor­ben 1963, Stadt Weh­len, Pir­na, Sach­sen, „Der „fana­ti­sche Anti­se­mit“ Klot­sche unter­zeich­ne­te im April 1939 gemein­sam mit zehn ande­ren Lan­des­kir­chen­lei­tern die Bekannt­ma­chung über Gemein­schafts­ar­beit von Lan­des­kir­chen­lei­tern, deren ers­te Maß­nah­me in der Grün­dung des Insti­tuts zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben bestand. Im Dezem­ber 1941 wur­den Chris­ten jüdi­scher Her­kunft aus der Lan­des­kir­che aus­ge­schlos­sen, womit das Sakra­ment der Tau­fe in Sach­sen par­ti­ell außer Kraft gesetzt war. Bis 1942 gehör­te er dem Ver­wal­tungs­rat des sog. Ent­ju­dungs­in­sti­tuts an. Nach Kriegs­en­de absol­vier­te er 1951/52 eine Aus­bil­dung zum volks­mis­sio­na­ri­schen Dienst an der Pre­di­ger­schu­le Pau­li­num in Ost-Berlin.“
  2. Wal­ter Grund­mann gestor­ben 1976 in Eisen­ach „1930 wur­de er Mit­glied der NSDAP und 1933 akti­ves Mit­glied der Deut­schen Chris­ten, deren im gan­zen Deut­schen Reich gül­ti­ge Richt­li­ni­en er ver­fass­te. 1939 wur­de er zum aka­de­mi­schen Direk­tor des neu gegrün­de­ten Insti­tuts zur Erfor­schung und Besei­ti­gung des jüdi­schen Ein­flus­ses auf das deut­sche kirch­li­che Leben in Eisen­ach ernannt, das im Dienst des staat­li­chen Anti­se­mi­tis­mus die „Ent­ju­dung“ der Bibel und der theo­lo­gi­schen Aus­bil­dung betrieb. Unge­ach­tet sei­ner NS-Ver­gan­gen­heit erlang­te Grund­mann in der DDR als Theo­lo­ge erheb­li­ches Anse­hen: 1954 erteil­ten ihm das Kate­che­ti­sche Ober­se­mi­nar Naum­burg (Saa­le) und das Theo­lo­gi­sche Semi­nar Leip­zig Lehr­auf­trä­ge und er wur­de Rek­tor des Eisen­acher Kate­che­ten­se­mi­nars; sei­ne ab 1959 erschie­ne­nen Evan­ge­li­en­kom­men­ta­re waren Stan­dard­li­te­ra­tur und wer­den bis heu­te (2022) zitiert. Er arbei­te­te für das Minis­te­ri­um für Staats­si­cher­heit, unter dem Deck­na­men GI Berg. […] In der DDR galt Grund­mann bis zu sei­ner Eme­ri­tie­rung 1975 trotz sei­ner NS-Ver­gan­gen­heit als ange­se­he­ner theo­lo­gi­scher Leh­rer. 1974 ver­lieh die Kir­chen­lei­tung ihm noch­mals den Titel eines „Kir­chen­rats“, um sei­ne Arbeit anzu­er­ken­nen und um sei­ne Pen­si­on zu erhö­hen.“ Sei­ne Wiki­pe­dia-Sei­te ent­hält eine aus­führ­li­che­re Schil­de­rung der Stasi-Tätigkeit.

Irrelevant

  1. Fried­rich Coch gestor­ben Sep­tem­ber 1945 in ame­ri­ka­ni­scher Gefan­gen­schaft „Füh­rer der Glau­bens­ge­mein­schaft Deut­sche Chris­ten in Sach­sen und Her­aus­ge­ber der Monats­zeit­schrift Chris­ten­kreuz und Haken­kreuz.“

Schlussfolgerung

7 + 6 + 3 der Per­so­nen, die in der NSDAP waren und sich öffent­lich zum Anti­se­mi­tis­mus bekannt hat­ten sind vom Osten in den Wes­ten gegan­gen. Dazu noch min­des­tens ein lei­ten­des Mit­glied der Deut­schen Chris­ten. Damit hat sich die Anzahl der Anti­se­mi­ten und Nazis im Osten ver­rin­gert und im Wes­ten erhöht. Von eini­gen die­ser Per­so­nen ist klar, dass sie wirk­lich har­te Nazis und Ras­sis­ten waren. Ande­re waren even­tu­ell weni­ger invol­viert, eini­ge haben sich viel­leicht gewan­delt. Das geht aus Wiki­pe­dia nicht hervor.

Interview mit „Heiße Tasse“

Nach mei­nem Bei­trag zum Buch von Anne Rabe in der Ber­li­ner Zei­tung hat sich Tho­mas Stein­bre­cher vom offe­nen Radio TIDE.Radio in Ham­burg bei mir gemel­det und vor­ge­schla­gen, mal über die DDR und wie das dort so war zu plau­dern. Er hat mir geschrie­ben, dass er in der SED war und als er 1986 die Par­tei öffent­lich kri­ti­siert hat und aus­ge­tre­ten ist, Berufs­ver­bot bekam. Er lebt seit lan­ger Zeit in Ham­burg und fin­det die Bericht­erstat­tung über die DDR eben­falls zu einseitig.

Wir haben uns gut unter­hal­ten. Hier ist das Gespräch:

Ein wich­ti­ger neu­er Gedan­ke, der in die­sem Gespräch ent­hal­ten ist, ist, dass Anne Rabes Roman Men­schen, die kei­ne Ahnung von der DDR haben, ver­mit­telt, dass die DDR durch und durch gewalt­tä­tig gewe­sen wäre. Das ist per­fi­de, denn das negiert die groß­ar­ti­ge Leis­tung der ost­deut­schen Bür­ger­be­we­gung, die durch gewalt­frei­en zivi­len Wider­stand die Regie­rung gestürzt hat.

Verschriftlichung

Thors­ten Rochel­mey­er hat mir gehol­fen, das Gespräch zu ver­schrift­li­chen. Der nach­fol­gen­de Text wird nach und nach bearbeitet.

TS: Herr Mül­ler? Ja, hat geklappt. Jetzt habe ich Sie hier gewählt auf dem rich­ti­gen Tele­fon.
Ein wun­der­schö­nen guten Mor­gen und vie­len Dank, dass Sie oder dass Du zu frü­her hier am Tele­fon mit mir dar­über reden willst.

SM: Ja, genre.

TS: Wor­über wol­len wir reden? Wir wol­len nicht das machen, was alle machen, wir wol­len nicht ÜBER den Ossi reden. Genau das.

138
00:08:46,400 –> 00:08:47,040
Ich weiß nicht.

139
00:08:47,040 –> 00:08:49,360
Ich habe mir so ein paar über­legt, was erzäh­le ich denn da?

140
00:08:50,120 –> 00:08:56,000
Ich habe so ein paar Sachen, die man so erzäh­len könn­te über die DDR.

141
00:08:58,360 –> 00:09:00,080
Ich habe jetzt ganz viel Post bekommen.

142
00:09:00,680 –> 00:09:05,880
Teil­wei­se sind auch Sachen, die gar nicht zum The­ma sind,

143
00:09:06,280 –> 00:09:08,640
son­dern aus die­ser Ost­ta­gie­ge kommen.

144
00:09:08,640 –> 00:09:10,800
Das bin ich nicht.

145
00:09:11,160 –> 00:09:11,640
Wir sind bei­de nicht.

146
00:09:11,880 –> 00:09:20,520
Ich fin­de das lus­tig, dass wir auch in den Knaß geses­sen haben.

147
00:09:23,920 –> 00:09:25,400
Die DDR scheiße.

148
00:09:25,560 –> 00:09:27,560
Das sind wir uns zumin­dest einig.

149
00:09:31,560 –> 00:09:34,160
Es gibt vie­le Aspek­te auf der Welt.

150
00:09:35,120 –> 00:09:38,800
Ich glau­be, in der Welt kann kei­ner von sei­nem Land behaupten,

151
00:09:38,960 –> 00:09:43,560
dass er das zu 100 Pro­zent unter­stützt, was in dem Land passiert.

152
00:09:43,800 –> 00:09:47,680
Es gibt immer Sachen, die man mit­ge­hen kann.

153
00:09:47,880 –> 00:09:50,360
Und natür­lich vie­le Sachen, wo er sagt, das geht gar nicht.

154
00:09:53,480 –> 00:09:56,360
In den Län­dern unter­schied­lich ist es ja nicht deswegen.

155
00:09:57,240 –> 00:10:01,160
Sie haben die Mexi­ka­ner, die füh­len sich in ihrem Land nicht des­we­gen unwohl,

156
00:10:01,160 –> 00:10:04,160
weil dort die Dro­gen­ma­phä­er unter­wegs ist.

157
00:10:04,520 –> 00:10:07,000
Es gibt genau­so Mexi­ka­ner, die füh­len sich in ihrem Land ganz wohl.

158
00:10:07,360 –> 00:10:09,240
Oder was auch immer, wo man hinkuckt.

159
00:10:09,680 –> 00:10:11,360
Ich wür­de da nicht leben wol­len können.

160
00:10:13,480 –> 00:10:20,080
Und jetzt mal, du hast ja einen Blog geschrie­ben, so ist er der Aussi.

161
00:10:20,640 –> 00:10:21,160
Genau.

162
00:10:21,600 –> 00:10:24,640
Und war­um hast du das gemacht?

163
00:10:25,240 –> 00:10:27,120
War­um ist ja, klingt das so.

164
00:10:27,120 –> 00:10:29,400
Ich will es erklä­ren, wie der Aus­si ist.

165
00:10:29,680 –> 00:10:30,400
Muss man das?

166
00:10:31,520 –> 00:10:34,840
Ja, also, das ist ja die­se Geschichte.

167
00:10:36,720 –> 00:10:38,800
Also, ich war ja gar kein Aussi.

168
00:10:39,560 –> 00:10:42,120
Ich woll­te das sich ändert.

169
00:10:42,280 –> 00:10:45,840
Ich woll­te das DDR irgend­wie nicht mehr so ist, wie sie war.

170
00:10:46,160 –> 00:10:48,760
Und war dann froh, dass es vor­bei ist.

171
00:10:49,280 –> 00:10:52,040
Und irgend­wel­che Leu­te hat­ten ja die CDU gewählt.

172
00:10:52,160 –> 00:10:55,120
Und woll­ten das jetzt so einen Anschluss kommt.

173
00:10:55,120 –> 00:10:58,280
Und haben sich dann gewun­dert, dass sie weiß nicht.

174
00:10:58,320 –> 00:11:01,160
Ich weiß noch genau die­sen kann mich an die Momen­te in einer Währungsunion.

175
00:11:01,720 –> 00:11:07,080
An dem Tag, wo West­kild da war, war kom­plett das Sor­ti­ment aus­ge­tauscht in den Supermärkten.

176
00:11:07,760 –> 00:11:11,960
Also da gab es dann kei­ne Spree­wald­go­ken mehr und kei­nen Spiel und was dann geirrt war.

177
00:11:12,480 –> 00:11:14,280
Und dann haben die Leu­te irgend­wann gemerkt,

178
00:11:14,520 –> 00:11:17,880
oh ja, wenn bei unse­rer Zeug nicht mehr kau­fen, dann sind verjabelslos.

179
00:11:18,520 –> 00:11:20,400
Also das war ich nicht.

180
00:11:20,520 –> 00:11:23,800
Ich woll­te das DDR irgend­wie anders wird.

181
00:11:23,800 –> 00:11:25,640
Und nicht so einen Anschluss.

182
00:11:25,800 –> 00:11:29,680
Und des­we­gen hat­te ich dann irgend­wie auch kein Pro­blem, dass die weg war.

183
00:11:29,920 –> 00:11:32,400
Also ich hat­te war so in der Panxi­no unterwegs,

184
00:11:32,560 –> 00:11:36,680
war sel­ber jetzt kei­ner mit Euro oder so, aber jeden­falls auf die­sen Kon­zer­ten und so.

185
00:11:37,200 –> 00:11:40,720
Und war froh, dass das vor­bei war.

186
00:11:41,040 –> 00:11:47,240
Und auch so die weiß nicht so San­dro, die DDR-Benz, die hat­ten dann zu DDR-Zei­ten noch irgendwie

187
00:11:47,240 –> 00:11:54,680
die I was born in der GTA, so ein Prin­zip so gegen DDR auch irgend­wie sonst Statement.

188
00:11:55,160 –> 00:11:57,360
Und das kam dann, haben die dann nicht mehr gespielt,

189
00:11:57,560 –> 00:11:59,880
weil sozu­sa­gen die­se gan­zen DDR-Austeilgegter,

190
00:11:59,960 –> 00:12:04,000
das irgend­wie hin­ter­her getraut haben und das woll­ten die nicht so.

191
00:12:04,160 –> 00:12:05,560
Und ich war eben auch kein Ostsee.

192
00:12:06,120 –> 00:12:07,840
In dem Sin­ne, ich woll­te das auch nicht.

193
00:12:08,480 –> 00:12:11,760
Und bin auch pri­ma klar gekom­men im Westen.

194
00:12:13,400 –> 00:12:16,760
Wahr­schein­lich sogar die Mehr­zahl mei­ner Freun­de sind Westler,

195
00:12:17,600 –> 00:12:21,040
was sie sich jetzt aus so beruf­li­chen Kon­tak­ten und so alles erge­ben hat.

196
00:12:21,680 –> 00:12:27,440
Und dann war aber eigent­lich so mit dem Auf­kom­men der AfD,

197
00:12:27,680 –> 00:12:33,360
war sowas, wo ich dann gesagt habe, nee, aber jetzt ging jetzt zu weit.

198
00:12:33,560 –> 00:12:37,880
Also so schlimm oder auf die­se Wei­se schlimm, wie es dar­ge­stellt wird,

199
00:12:38,840 –> 00:12:40,680
waren die DDR halt doch nicht.

200
00:12:41,200 –> 00:12:44,080
Und ich woll­te ja auch nicht aus­rei­sen, ich woll­te nie das Land verlassen.

201
00:12:44,200 –> 00:12:46,400
Ich woll­te mal gucken, wie es auf der ande­ren Sei­te ist oder so.

202
00:12:46,840 –> 00:12:49,920
Aber das war mein Leben, mei­ne Freun­de und so weiter.

203
00:12:50,120 –> 00:12:51,280
Und da woll­te ich halt auch bleiben.

204
00:12:51,720 –> 00:12:53,280
Das ist wie­der die meis­ten Men­schen so, ne?

205
00:12:53,360 –> 00:12:58,720
Also es geht ja gar nicht dar­um, wel­chen Sys­tem man lebt oder wie das Sys­tem auf einen Raum auf­ge­baut ist.

206
00:12:58,760 –> 00:13:01,880
Man hat eine bestimm­ten Freun­des­kreis, man hat verwandte,

207
00:13:02,200 –> 00:13:04,080
man hat einen Ursprung, aus dem man kommt.

208
00:13:04,080 –> 00:13:07,680
Und das ist erst­mal die Heimat.

209
00:13:08,000 –> 00:13:12,160
Wenn man nicht dann eine ande­re Hei­mat fin­det, man kann auch die Hei­mat wechseln.

210
00:13:12,360 –> 00:13:15,480
mei­ner Mei­nung nach, ja, indem man woan­ders hin­geht, dann geht er dort wie­der Freun­de findet

211
00:13:15,480 –> 00:13:18,760
und eine Umge­bung, in der man sich wohlfühlt.

212
00:13:20,360 –> 00:13:21,840
Aber erst­mal ist es ja das.

213
00:13:22,560 –> 00:13:25,120
Und es hat mit dem Osten ja gar nichts zu tun oder mit dem System.

214
00:13:26,720 –> 00:13:27,560
Ja, genau.

215
00:13:27,720 –> 00:13:30,600
Also das ist halt die Fra­ge, wo die Gren­zen sind.

216
00:13:30,600 –> 00:13:34,800
Also sozu­sa­gen für ein sel­ber, was man halt mit­macht und was nicht.

217
00:13:35,040 –> 00:13:44,480
Also ich war halt zu Wen­der 21 und kann mir vor­stel­len, dass ich dann irgend­wann auch da ange­hekt wäre.

218
00:13:44,680 –> 00:13:49,520
Also ich habe bei der bin so ganz trau­rig, dass ich gar kei­ne Sta­si­ak­ta­te bei der,

219
00:13:49,560 –> 00:13:57,080
weil ich bei der Ermie halt auch so Sachen gefragt habe auf so einem Tref­fen, wo so ein ZK-Gene­ral dann da war.

220
00:13:57,080 –> 00:14:03,360
Und sich waren Kar­mens, da waren so offi­ziers­schül­le, die hat­ten dann so einen so ein Meeting,

221
00:14:03,880 –> 00:14:07,800
wo eben die­ser Gene­ral da war, aus dem Polit­bu­ro, ganz weit oben.

222
00:14:09,000 –> 00:14:13,600
Und wir durf­ten da auch rein und ich habe so Fra­gen, durf­ten auch Fra­gen stellen.

223
00:14:13,760 –> 00:14:20,880
Und ich habe dann gefragt, wie man dann im Zeit­al­ter der fried­li­chen Co-Exis­tenz Mili­tär­pa­ra­den machen kann.

224
00:14:21,240 –> 00:14:24,560
So eine Dach­te, ich, okay, das wäre jetzt wenigs­tens mal so ein Ein­trag wert gewesen.

225
00:14:25,040 –> 00:14:28,360
Der Appel­mann hat ja die Armee-Sta­si-Akten ver­nich­ten lassen.

226
00:14:28,960 –> 00:14:30,280
Also viel­leicht war es da auch irgend­wo drin.

227
00:14:30,760 –> 00:14:36,760
Also ich war sozu­sa­gen so kurz davor, rich­tig Oppo­si­ti­on zu wer­den und viel­leicht hät­te sich das dann auch geändert.

228
00:14:37,000 –> 00:14:40,240
Also ich habe einen gro­ßen Respekt vor den Leu­ten, die da im Gefäng­nis geses­sen haben.

229
00:14:40,720 –> 00:14:46,000
Und das war ja, ich mei­ne, dar­über kann man schrei­ben, über die­se Zer­set­zungs­maß­nah­men der Stasi,

230
00:14:46,120 –> 00:14:51,040
also wo die in die Woh­nung rein­ge­gan­gen sind, wo die Blum­töp­fe umge­stellt haben,

231
00:14:51,040 –> 00:14:53,680
sodass die Leu­te alle irgend­wie dach­ten, sie wer­den jetzt ver­rückt oder so.

232
00:14:54,200 –> 00:14:59,960
Und das war alles schlimm, aber ich mei­ne, damit wird man halt nicht auf die Schott­list gesetzt,

233
00:15:00,200 –> 00:15:03,960
der so mit was ande­re Rabe gemacht hat. Das ist halt was ganz anderes.

234
00:15:04,360 –> 00:15:07,760
Da haben wir mal kurz ein­grei­fen, das kennt nicht jeder ande­re Rabe.

235
00:15:07,760 –> 00:15:09,920
Ist eine Schrift­stel­le­rin und die hat ein Buch geschrieben.

236
00:15:10,560 –> 00:15:12,360
Das heißt, wie ein…

237
00:15:12,360 –> 00:15:14,320
Die Mög­lich­keit für Glück oder?

238
00:15:14,360 –> 00:15:14,960
Von Glück oder?

239
00:15:15,360 –> 00:15:16,080
Von Glück, genau.

240
00:15:16,400 –> 00:15:17,240
Und du hast das beraten.

241
00:15:17,480 –> 00:15:18,840
Ich nicht, ich habe noch mal drü­ber flogen.

242
00:15:18,840 –> 00:15:19,280
Ja, ja.

243
00:15:19,720 –> 00:15:26,520
Ich habe mir das jetzt noch so durch den Kopf gegan­gen mit der, sozu­sa­gen, die­ser Wendezeit.

244
00:15:27,080 –> 00:15:34,960
Also das gro­ße Ding ist ja, dass sozu­sa­gen die Aus­sies fried­lich gewalt­frei die­ses Sys­tem gestürzt haben.

245
00:15:35,080 –> 00:15:36,400
Und das war halt kurz vom Kippen.

246
00:15:36,440 –> 00:15:41,520
Ich mei­ne, wenn jemand für Leip­zig den Schieß­be­fehl gege­ben hät­te, dann hät­ten sie alle weggemäuelt.

247
00:15:42,080 –> 00:15:46,080
Und das ist ein­fach so groß­ar­tig und so groß ist verdienst.

248
00:15:46,080 –> 00:15:51,000
Und das Schlim­me, das habe ich noch nie irgend­wo auch hingeschrieben.

249
00:15:51,160 –> 00:15:55,120
Das Schlim­me ist ja das ande­re Rabe sozu­sa­gen mit der Teese,

250
00:15:55,160 –> 00:15:59,600
dass der gan­ze Osten irgend­wie gewalt­tä­tig war, was auch tota­ler Quatsch ist,

251
00:15:59,680 –> 00:16:02,440
weil sie in ihrem Buch sel­ber schreibt ihre Fami­lie, war unnormal.

252
00:16:02,760 –> 00:16:07,680
Das steht an einer Stel­le, wo sie beschreibt, wie sie mit ihrem Bru­der dar­über redet,

253
00:16:07,880 –> 00:16:13,720
wie Schlimm ihre Fami­lie war und ande­re Fami­lie reden über irgend­wel­che Weih­nachts­er­leb­nis­se oder so.

254
00:16:13,720 –> 00:16:21,000
Also sie sagt eigent­lich sel­ber, dass sie unnor­mal war, da hät­tet aber so eine gan­ze Gewalt­his­to­rie irgend­wie für das gan­ze Land ab.

255
00:16:21,640 –> 00:16:27,360
Und was sie damit macht ist im Prin­zip die­se fried­li­che Revolution.

256
00:16:27,760 –> 00:16:36,480
Also das, das hät­te jetzt fast gesagt, das ein­zi­ge groß­ar­ti­ge, was eine wirk­lich groß­ar­ti­ge Sache, die die Aus­sies gemacht haben.

257
00:16:37,000 –> 00:16:42,520
Also auch, ja und dass sie das im Prin­zip kaputt macht oder ver­sucht kaputt zu machen.

258
00:16:42,520 –> 00:16:52,880
Ich habe da noch eine ganz ande­re Wahr­neh­mung, wenn sie da schreibt, dass das basiert die Gewalt und die Gewalt in Osterschland

259
00:16:52,880 –> 00:16:59,800
ist auf alle Fäl­len nicht klein zu reden, aber sie ist auch in West­deutsch­land nicht klein zu reden.

260
00:17:00,200 –> 00:17:09,839
Das haben wir, wir sind ja, mal kurz mei­nen genann­ten zu Ende füh­ren, wir sind ja bei­de Sei­ten Ost und West­deutsch­land entstanden

261
00:17:09,839 –> 00:17:14,319
aus die­sem fata­len Erbe des Nationalsozialismus.

262
00:17:15,079 –> 00:17:25,599
Und in die­ser Zeit wur­den die Men­schen erzo­gen und die Men­schen, die in die­ser Zeit groß gewor­den sind, so wie mei­ne Mut­ter, die zu Kriegs­be­ginn 18 war.

263
00:17:27,160 –> 00:17:47,840
Die haben eine ganz ande­re Sozia­li­sa­ti­on, dann die­se Schreck­li­che Erfah­rung des Zwei­ten Welt­krie­ges, die Schreck­li­che Erfah­rung nach dem Zwei­ten Welt­krieg, als der Krieg dann für die Deut­sche in Anfüh­rungs­stri­chen ver­lo­ren war.

264
00:17:50,840 –> 00:17:57,800
Das war eine Schmach für die Men­schen, die eigent­lich erzo­gen wur­den in einem ganz ande­ren T‑Nure.

265
00:17:58,680 –> 00:18:07,600
Und aus die­ser Erfah­rung des Zwei­ten Welt­krie­ges und des Natio­nal­so­zia­lis­mus ist in Ost und West eine Gewalt ent­stan­den, die auch doku­men­tiert ist.

266
00:18:07,600 –> 00:18:19,480
Also es gibt ja im Osten gab es die Jugend­wehr­kö­fe. Im Osten und im Wes­ten gab es die­se nach dem Krieg ein gerich­te­ten Trippabogen.

267
00:18:19,760 –> 00:18:21,320
Ich weiß nicht, ob das kennst die­se T‑Nure.

268
00:18:21,320 –> 00:18:22,520
Ja, ja hab ich ja geschütten.

269
00:18:23,000 –> 00:18:35,080
Es gab im Wes­ten die­se Kin­der­ver­schi­ckun­gen, die nicht die Kin­der­land­ver­schi­ckung im Zwei­ten Welt­krieg, son­dern die gan­zen Sachen damit sie mal einen Urlaub machen.

270
00:18:35,080 –> 00:18:42,280
Und es gab natür­lich auch die kirch­li­chen und ande­ren Kin­der­hei­men, die gab es im Osten genauso.

271
00:18:43,160 –> 00:18:46,040
Ich habe so etwas nie erlebt, du wahr­schein­lich auch nicht.

272
00:18:46,440 –> 00:18:49,360
Doch doch, ich war zwei­mal zirk­ur. Ich hab auch in dem Blog drü­ber geschrieben.

273
00:18:49,920 –> 00:18:56,080
Das ist, das kann man nicht ver­glei­chen. Ich glau­be wirk­lich, das ist auch so was, was mich so nervt.

274
00:18:56,080 –> 00:19:07,720
Mein Vater war auch zirk­ur wegen Unter­ge­wicht und so. Ich war wegen Haut­ge­schich­ten zur Kur, zwei­mal, also län­ger auch irgend­wie sechs Wochen und noch län­ger drei Monate.

275
00:19:08,680 –> 00:19:18,720
Und hab ich auch alles genau beschrie­ben. Das war wun­der­bar. Und ich mei­ne mal, ein Kann-Leu­te mit Haut-Pro­blem. Die kann man nicht stres­sen, weil da wird das als nur noch schlimmer.

276
00:19:19,040 –> 00:19:22,680
Das ist tota­ler Quatsch sozu­sa­gen jetzt da so Geschichten.

277
00:19:22,680 –> 00:19:28,000
Was ich mei­ne, was ich mei­ne mit dem nicht erlebt, du hast halt kei­ne Gewalt erlebt dort.

278
00:19:28,480 –> 00:19:30,320
Nie, nie, ja, genau auf kei­nen Fall.

279
00:19:30,440 –> 00:19:39,560
Ja, aber ande­re haben es erlebt. Es gibt also aus­rei­chen­de Berich­te von Men­schen, die sich mitt­ler­wei­le trau­en dar­über zu reden, die die­se Gewalt erlebt haben.

280
00:19:40,200 –> 00:19:48,320
Und das ist aber nicht nur im Osten, son­dern es ist auch im Wes­ten. Und mei­ner Mei­nung nach rührt das aus der Geschich­te des Natio­nal­so­zia­lis­mus und die­ser Erziehung.

281
00:19:48,320 –> 00:19:56,680
Ich hab, wenn man, also ich hab ja dar­über geschrie­ben, dann gab es dann auch Dis­kus­sio­nen in den sozia­len Medi­en und so.

282
00:19:57,240 –> 00:20:08,560
Und was mich halt auf­ge­regt hat, ist, also das wird jetzt auf­ge­ar­bei­tet. Da ist sozu­sa­gen ganz viel Kir­che, pri­va­te Trie­ger und so wei­ter sind da irgend­wie involviert.

283
00:20:08,560 –> 00:20:16,280
Und dann kommt das hoch, die Leu­te mel­den sich und dann wird geguckt, ja, wie aber das kann jetzt immer Osten nicht bes­ser gewe­sen sein.

284
00:20:16,440 –> 00:20:23,120
Und dann wird halt gesucht nach Leu­ten im Osten, die das bestä­ti­gen. Und mir ist noch kei­ner runtergekommen.

285
00:20:23,480 –> 00:20:30,200
Also es gibt natür­lich die­se Sachen, wenn du so eine Leu­te mit Unte­ren­ne­rung hast, dann fühlst du halt, dass die was essen.

286
00:20:30,200 –> 00:20:40,080
Und die Päd­ago­gik, also das ist viel­leicht, was du meinst, dass die Päd­ago­gik war halt irgend­wie in den 80 Jah­ren oder sieb­zei Jah­ren auch noch anders als es jetzt ist.

287
00:20:40,240 –> 00:20:47,480
Also ich sehe das bei Sport­leh­rern oder also das Gin­ge jetzt alles gar nicht. Des­we­gen machen die Leu­te auch gar kein Sport mehr.

288
00:20:47,640 –> 00:20:52,400
Also wenn ich auf dem Sport­platz bin, dann lau­fen die irgend­wie Lar­men an Kreis so, das ist irgend­wie anders.

289
00:20:52,400 –> 00:21:00,720
Da ist weni­ger Druck in der Päd­ago­gik drin. Und ich glau­be, also die Prü­gels­stra­fe wur­de halt im Osten 49 abgeschafft.

290
00:21:01,040 –> 00:21:11,720
Also in der sozia­lis­ti­schen Schu­le gab es das nicht. Das habe ich auch noch nie das Gewalt­tä­tigs­te, was ich erlebt habe, war ein Che­mie-Leh­rer, der man im Schlüs­sel gewor­fen hat.

291
00:21:12,320 –> 00:21:13,400
Also das hät­te auch…

292
00:21:13,400 –> 00:21:14,600
Mir war es ja Deutschlehrer.

293
00:21:15,080 –> 00:21:17,560
Ja, aber sonst…

294
00:21:17,560 –> 00:21:20,400
Also und ich mei­ne, das ist im Wes­ten mit…

295
00:21:20,400 –> 00:21:25,840
Also Gerichts­ur­tei­len bestä­tigt wor­den, dass das schon okay ist, wenn man mal ein Verhaut.

296
00:21:26,280 –> 00:21:32,520
Also das war im Osten garan­tiert anders. Das wur­de als Nazi-Päd­ago­gik ein­ge­stuft und gab es nicht mehr.

297
00:21:32,680 –> 00:21:38,560
Und ich sag das jetzt mal so, gab es nicht mehr, viel­leicht gab es hier und da irgend­was. Aber das war ja auch eine ganz ande­re Kontrolle.

298
00:21:38,560 –> 00:21:48,720
Also da war dann die Par­tei irgend­wo mit drin und wenn sozu­sa­gen, wie rich­tig linie war, hier wird nicht geprü­gelt, dann konn­te so einen Prü­geln da leh­ren, der hat dann halt Pro­ble­me gekriegt.

299
00:21:49,040 –> 00:21:51,200
Also ich glau­be, das ist wirk­lich bes­ser aber.

300
00:21:51,520 –> 00:21:55,160
Es haben aber auch ande­re lee­re Pro­ble­me gekriegt, also nicht nur die geprügelt.

301
00:21:55,200 –> 00:21:55,880
Ja, ja, ja, klar.

302
00:21:56,160 –> 00:22:02,600
Ich ken­ne das an mei­ner Erwei­ter­ten-Ober-Schu­le. Heu­te sagt man, Gym­na­si­um. Da war es auch eine Lehrerin.

303
00:22:02,600 –> 00:22:09,320
Dann glau­be ich, nach­dem ich abge­schlos­sen hat­te, vor der Schu­le ver­schwun­den, weil sie halt nicht auf Linie war.

304
00:22:10,080 –> 00:22:14,160
Nee, das ist ganz klar. Also das hät­te ich jetzt in den Köln­bau noch drü­ber sprechen.

305
00:22:14,560 –> 00:22:21,080
Also das ist ja, war­um ich die DDR halt nicht mehr so woll­te, weil das alles …

306
00:22:21,080 –> 00:22:27,880
Also ich habe jetzt von auch in dem Zuge die­ser Leser­brie­fe, die ich da gekriegt habe, von Betriebsdirektor,

307
00:22:27,880 –> 00:22:33,640
der über eine Zuschrift gekriegt, der ein Buch über sei­ne Zeit als Betriebs­di­rek­tor geschrie­ben hat.

308
00:22:34,080 –> 00:22:37,880
Und das wuss­te ich ja nicht, ich war ja, also als Schü­ler sind wir in einer Pro­duk­ti­on gewesen,

309
00:22:38,080 –> 00:22:40,920
aber da sieht man ja nicht die gan­zen Orga­ni­sa­tio­nen und so.

310
00:22:41,400 –> 00:22:48,160
Und das war alles ein Klops­ver­floch­ten-Mili­tär-Pat­hai-FDj, und so.

311
00:22:48,680 –> 00:22:53,720
Die FDj hat­te da ein Weto-Recht, in irgend­wel­chen Ent­schei­dun­gen von den Betrie­ben und so.

312
00:22:53,720 –> 00:22:59,920
Das war alles so ein Brei irgend­wie und da kam man auch nicht raus.

313
00:23:00,280 –> 00:23:09,520
Also wenn man … also man hat sich dann so irgend­wie dane­ben aran­giert und hat so sei­ne Freun­des­krei­se gehabt und so und dann ging das.

314
00:23:09,720 –> 00:23:17,480
Aber in die­sen … alles, was halt irgend­wie staat­lich orga­ni­siert war, Betrie­be, Uni­ver­si­tä­ten und so, da war das über­all mit drin.

315
00:23:18,960 –> 00:23:30,000
Ich glau­be, du hast unwur­de geschrie­ben, es gibt da ein FDj-Kri­ter, der jetzt so ein rich­ti­ger Aus­si-Kri­ti­ker ist,

316
00:23:30,640 –> 00:23:35,000
der damals im Werk für Fern­se­he-Elek­tro­nik in den 80er-Jah­ren war.

317
00:23:35,440 –> 00:23:40,840
Ich war auch in den 80er-Jah­ren im Werk für Fern­se­he-Elek­tro­nik. Aber ein paar Jah­re vor ihm.

318
00:23:40,840 –> 00:23:47,160
Also ich ken­ne ihn nicht, weil ich bin dar­aus 81, bevor er da wahr­schein­lich rein ist.

319
00:23:48,360 –> 00:23:54,080
Und ich habe in die­sem Werk für Fern­se­he-Elek­tro­nik, von dem du da auch mal geschrie­ben hast,

320
00:23:54,200 –> 00:24:01,280
glau­be ich, da habe ich Betriebs­fun­ke gemacht. Ich hat­te dort eine eige­ne Jugend­sen­dung, ein­mal die Woche,

321
00:24:02,000 –> 00:24:05,920
habe ich eine hal­be Stun­de dort sen­den dür­fen in Betriebsfunke.

322
00:24:05,920 –> 00:24:15,800
Und das war, wie soll man sagen, ein biss­chen schwie­rig, weil man muss­te ja gucken, wie weit kann man gehen,

323
00:24:16,200 –> 00:24:24,640
dass man nicht ver­bo­ten wird. Aber schon allein die Musik, die ich gespielt habe, ist dort anstö­ßig gewesen.

324
00:24:25,000 –> 00:24:35,880
Also wenn man dann 1980 oder 1970 halt ACDC in der DDR Fab­rie gespielt hat, dann stan­den da die Reden.

325
00:24:39,960 –> 00:24:41,560
Da war die allergetatzt.

326
00:24:42,200 –> 00:24:44,760
Ja, also die haben dann mehr Schwung hinterher.

327
00:24:46,920 –> 00:24:50,880
Es gab damals ein Jugendobjekt.

328
00:24:51,800 –> 00:24:57,760
Es gab eine sehr inter­es­san­te Geschich­te, eine lan­ge Geschichte.

329
00:24:58,560 –> 00:25:02,280
Näm­lich wur­den damals ja ACD anzeich, weil sie natür­lich ja erinners,

330
00:25:02,280 –> 00:25:08,400
dass die­se ACD anzei­gen für Uhren oder so, die soll­ten da pro­du­ziert werden.

331
00:25:09,480 –> 00:25:14,520
Die ACD anzei­ge ist übri­gens eine Erfin­dung aus der DDR, nur um mal wie­der den Aus­sih­hoch zu sein.

332
00:25:15,000 –> 00:25:23,440
Ja, ein Phy­si-Dr. Mül­ler aus Hal­le-Aner-Sale hat das in den 60er Jah­ren erfun­den, nur mal so nebenbei.

333
00:25:24,120 –> 00:25:30,640
Ich habe ihn per­sön­lich ken­nen­ge­lernt in der Aka­de­mien­er­wis­sen­schaf­ten, in den 70er, in den 80ern Jahren.

334
00:25:30,640 –> 00:25:38,000
Jeden­falls die­se ACD anzei­gen wur­den da pro­du­ziert auf einer Anla­ge, die aus Japan kamen,

335
00:25:38,000 –> 00:25:42,920
denn die Paten­te hat­te die DDR an 96 oder 70 an Japan verkauft.

336
00:25:46,040 –> 00:25:47,800
Die ist ein lan­ge Geschichte.

337
00:25:48,080 –> 00:25:49,480
Kann man … Es gar nicht hin.

338
00:25:49,800 –> 00:25:54,080
Aber dort war zum Jugend­ob­jekt aus­ge­ru­fen worden.

339
00:25:54,080 –> 00:25:55,720
Die ACD anzei­gen, das mal.

340
00:25:56,160 –> 00:25:58,600
Und es gab 90% Ausschuss.

341
00:26:01,040 –> 00:26:04,440
Und … Aber das war auch … Was kam raus?

342
00:26:04,640 –> 00:26:06,560
Was kam raus? Im Reinstraum.

343
00:26:06,880 –> 00:26:08,880
Es ist ja eine hoch­rei­ner Raum.

344
00:26:09,360 –> 00:26:15,920
Durch zwei Schläu­zen muss man durch, hat­ten die Jugend­li­chen Skat­kar­ten mit eingeschleust

345
00:26:15,920 –> 00:26:22,240
und spiel­ten hin­ten in der Ecke Skat und die­se Fus­seln von den Kar­ten, die ver­un­rei­nig­ten die Luft

346
00:26:22,240 –> 00:26:24,320
und pro­du­zier­ten den Ausschuss.

347
00:26:25,800 –> 00:26:31,800
Nur das viel­leicht zum Werk für Fern­seh­len elek­tro­nik und damit woll­te ich eigent­lich nur bewei­sen, dass ich da wirk­lich war.

348
00:26:32,440 –> 00:26:37,440
Ja, es sag mal, aber … Es gab doch die­se 60–40 Rege­lun­gen, oder?

349
00:26:37,560 –> 00:26:40,000
Muss das so ein Osmo­seeg spie­len oder ein Galt, das für dich nicht?

350
00:26:40,280 –> 00:26:44,360
Ja, ja, natür­lich muss­te man auch … Osmo­seeg­spiel habe ich auch.

351
00:26:45,080 –> 00:26:47,160
Der Vater von mei­nem Chef eingeführt.

352
00:26:48,280 –> 00:26:54,880
Aber ich war auch DJ und ich kann­te kei­nen DJ, der auf­ge­legt hat, der 60–40 gespielt hat.

353
00:26:55,080 –> 00:27:04,400
Doch, doch, die Legen­de ist, wir hat­ten die letz­ten, die längs­ten des Groß der Welt, weil das irgend­wie um fünf anfing, dann wur­de der gan­ze Ost­krank gespielt und dann kam das richtig.

354
00:27:05,080 –> 00:27:05,360
Oder nicht?

355
00:27:05,720 –> 00:27:07,200
Nein, also bei uns nicht.

356
00:27:07,320 –> 00:27:07,840
Das war viel­leicht nicht schuld, das ist gut.

357
00:27:08,440 –> 00:27:10,760
Ja, wir hat­ten die Tjau­nich, also was wir …

358
00:27:10,760 –> 00:27:19,280
Wir waren drei DJs in Ber­lin, die Jazz und Fang und so was auf­ge­legt haben, so die war­ten so eine bestimm­te Rich­tung, wir drei.

359
00:27:19,680 –> 00:27:24,120
Und wir hat­ten unse­re vier, fünf Clubs, wo wir dann immer rund umaufligten.

360
00:27:25,560 –> 00:27:35,880
Ich, wenn ich mal was gespielt habe, dann war das viel­leicht die Horst Krü­ger­band mit die­sem wun­der­ba­ren Bla­ser Satz von Tagesreise.

361
00:27:35,880 –> 00:27:48,160
Das war das, also viel oder eben, was immer lief und heu­te noch läuft und heu­te mich vor allem immer dann wie­der zu Ein­holt ist Man­fred Krug.

362
00:27:48,440 –> 00:27:52,640
Wenn ich den Auf­lie­ge her auch im Wes­ten begeis­te­rung ohne Ende.

363
00:27:53,200 –> 00:27:54,120
Ja, okay.

364
00:27:55,120 –> 00:27:59,120
Ja, viel­leicht noch­mal zurück zu die­sem Pro­toss, weil das war ja auch so …

365
00:27:59,680 –> 00:28:04,360
Also, das ist im Prin­zip sozu­sa­gen wis­sen­schaft­lich und logisch und argumentativ.

366
00:28:04,560 –> 00:28:11,080
Ist es, ohne dass das Schub­la­de sozu­sa­gen auf Per­so­nen abzuzielen.

367
00:28:11,440 –> 00:28:19,920
Und der Eko Sascha Kovalch­uk hat das jetzt gera­de wie­der gemacht für Fih­ris­ti, Jen­ny, Apple­mann oder so.

368
00:28:19,920 –> 00:28:27,120
Ich habe ich Namen ver­ges­sen, wo er sagt ja, man muss halt gucken, was die Füh­ne Bio­gra­fie hat.

369
00:28:27,280 –> 00:28:32,040
Und in die­ser Ost­west­ge­schich­te ist das aber, glau­be ich, teil­wei­se berechtigt.

370
00:28:32,240 –> 00:28:37,920
Also man muss trotz­dem die ein­zel­nen Argu­men­te und Fak­ten angu­cken, aber man muss halt auch gucken …

371
00:28:39,080 –> 00:28:41,920
Also wie haben die Leu­te, die die DDA wahrgenommen?

372
00:28:42,400 –> 00:28:46,800
Und das war jetzt bei der Frau, die gera­de in der Ertats bespro­chen wurde.

373
00:28:46,800 –> 00:28:55,120
Und die konn­ten halt nach Ita­li­en aus­rei­sen und sich da die Welt angu­cken und sind dann wie­der­ge­kom­men und haben irgendwie …

374
00:28:55,120 –> 00:28:56,640
Weiß nicht, schöne …

375
00:28:56,640 –> 00:29:03,160
Also dann nimmt man halt sozu­sa­gen die DDA auch ganz anders wahr, weil da ein viel weni­ger Druck auf den Kes­sel ist.

376
00:29:03,360 –> 00:29:11,600
Ja, und dann kom­men halt ande­re Schil­de­run­gen raus als sonst von nor­ma­len, sag ich mal, Ostes.

377
00:29:12,800 –> 00:29:19,880
Und die das viel­leicht anders erlebt haben und bei Patrick Potrus war es halt so, dass der …

378
00:29:19,880 –> 00:29:22,480
Also irgend­wie bes­tens inte­griert war …

379
00:29:22,480 –> 00:29:28,120
Also er ist aus dem off­kal­ler, da gibt es halt Pro­ble­me, das war auch auf dem Tats­nab dann zu hören,

380
00:29:28,320 –> 00:29:36,720
dass er auch Pro­ble­me mit Ras­sis­mus hat­te und so auch bei der Armee und so.

381
00:29:36,720 –> 00:29:42,200
Aber er war halt öff­net er sich krea­t­är von so einem Betrieb.

382
00:29:42,480 –> 00:29:48,400
Und also was das bedeu­tet, ist mir dann jetzt erst auch noch klar gewor­den, als ich die­sen Bericht davon …

383
00:29:48,400 –> 00:29:56,480
… den Betriebs­lei­ter gele­sen habe, dass die da wirk­lich macht hat­ten und in die­sem Macht­ab­be­rat da weit oben waren.

384
00:29:56,720 –> 00:30:05,360
Und er hat vor der Wen­de ange­fan­gen Geschich­te zu stu­die­ren, das waren die Schlimms­ten im Osten.

385
00:30:05,360 –> 00:30:10,000
Also Geschich­te für Loso­phie, also das war ein­fach öde und tot in der Schu­le schon.

386
00:30:10,160 –> 00:30:12,480
Also war­um wür­de man so was irgend­wie machen wollen?

387
00:30:12,840 –> 00:30:20,080
Also der war da rich­tig mit drin und jetzt kann man ja sagen, okay, muss man ja jedem zubil­di­gen, dass man dann sagt, okay,

388
00:30:20,240 –> 00:30:23,360
hat es jetzt ver­stan­den und ist irgendwie …

389
00:30:24,600 –> 00:30:26,440
… hat ein­ge­se­hen, was das missbar.

390
00:30:26,960 –> 00:30:34,960
Aber es ist glau­be sozu­sa­gen für den eige­nen Ruf dann auch wich­tig, dass man sich davon die­ser Ver­gan­gen­heit irgend­wie los sagt.

391
00:30:34,960 –> 00:30:42,920
Und dann ist es bei eini­gen Leu­ten halt so, dass sie dann voll auf die ande­re Sei­te gehen und gar nichts Gutes mehr finden.

392
00:30:43,280 –> 00:30:54,200
Und ich bin oft den gekom­men, weil eine Rabe in Inter­views den so als Quel­le und irgend­wie Anhalts­punkt genannt hat.

393
00:30:54,280 –> 00:31:03,840
Und dann habe ich halt einen Arti­kel von ihm, der über Ursa­chen von Ras­sis­mus und Natio­na­lis­mus in den ost­deut­schen Bun­des­län­dern geht.

394
00:31:03,840 –> 00:31:13,840
Hab ich mir ange­guckt, der ist bei der bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung his­to­ri­ker, also Stu­den­ten, die jetzt stu­die­ren haben, gesagt, ja, ist ein ganz wich­ti­ger Artikel.

395
00:31:14,240 –> 00:31:20,040
Also das ist sozu­sa­gen so ein wich­ti­ger Arti­kel von einem His­to­ri­ker über die DDR.

396
00:31:20,600 –> 00:31:27,240
Wenn es euch mir jetzt ange­guckt und es stimmt nicht, also da steht drin die Ost­lis konn­ten nicht reisen.

397
00:31:27,560 –> 00:31:29,400
Also die konn­ten gar nicht rei­sen so.

398
00:31:29,400 –> 00:31:41,800
Und ich war halt immer, also bis Bul­ga­ri­en da unter­wegs und mit einem Kum­pel von Mas­ter Don haben wir dann halt, der hat ja irgend­wel­che Archi­ve mit Tages­pres­se durchgeguckt.

399
00:31:41,880 –> 00:31:49,720
Und da sind halt Wer­bung für die Aus­lands­rei­sen, da sind Mel­dun­gen für Bus­rei­sen an den Bal­la­torn, die irgend­wie weiß ich nicht, das Rei­se­bü­ro organisiert.

400
00:31:49,720 –> 00:31:59,160
Also das ist alles fak­tisch falsch, also was sozu­sa­gen ein His­to­ri­ker der Arti­kel schon älter, viel­leicht ist ja damals nicht an die Quel­len ran­ge­kom­men, so wie wir heute.

401
00:31:59,640 –> 00:32:01,680
Aber er ist doch da geliebt, ich mei­ne er war der FD.

402
00:32:01,720 –> 00:32:04,680
Ja, ja, eben, also das ist ja der Irrsinn.

403
00:32:04,920 –> 00:32:18,720
Und wir sind betrennt, also wenn ich heu­te mit, ich bin ja seit vie­len, vie­len Jah­ren jetzt hier auch in Wes­ten und habe auch vie­le, vie­le Freun­de hier und auch meine…

404
00:32:19,360 –> 00:32:28,200
Ex-Frau, mei­ne jet­zi­ge Freun­din sind alles Ham­bur­ge­rin­nen und die, wenn wir dar­über erzäh­len, wie ist unse­re Jugend verlaufen?

405
00:32:28,280 –> 00:32:30,240
Wie sind wir gereist?

406
00:32:30,880 –> 00:32:45,800
Und ich erzäh­le von unse­ren Tremp­tu­ren nach Bul­ga­ri­en und mei­ne Freun­de aus dem Osten sind wir sind bei Fäten dabei und wir erzäh­len dar­über, dann sag­ten die, das war ja eine wahn­sin­ni­ge Frei­heit, die wir hat­ten in die­ser Enge.

407
00:32:46,480 –> 00:33:00,240
Ja, das war halt, also ich mei­ne das ist auch noch­mal so ein Punkt. Also wie sind wirk­lich, das waren halt dann auch in Buda­pest, im Prag und so und so, so Paul hab ich immer die Leu­te getrof­fen, weil die waren alle auf die­ser Tour, dar­un­ter in Schwar­ze Meer.

408
00:33:00,520 –> 00:33:01,640
Wie Platz gab es nicht getrennt?

409
00:33:02,600 –> 00:33:06,720
Ich bin ja, ich bin nicht getrennt, wir sind Bahn gefah­ren, das war ja alles bittelig.

410
00:33:06,720 –> 00:33:23,680
Also und auch die Lebens­hal­tungs­kos­ten in den Län­dern, das war ja Essen, hät­ten er zu Hau­se auch müs­sen, ja, also das war lus­tig und es gab sozu­sa­gen die­se Frei­heit und Auf­re­gung im Unter­grund sozusagen.

411
00:33:23,960 –> 00:33:25,720
Also ich hab…

412
00:33:26,280 –> 00:33:53,280
Und war dann, weiß ich nicht, wo ich das her­ge­kriegt habe, irgend­wel­che Fly­er, Flug­blät­ter, wahr­schein­lich aufs Dam­pan­kon­zer hat oder so von Leu­ten in die Hand gedrückt gekriegt, dann war ich in so einer Wohn­zim­mer­aus­stel­lung in Dres­den und hab mir da irgend­wie Kunst ange­guckt, das waren Leu­te, die haben so, ich fies nicht, wie das siehst, die haben tele­fo­niert, eine Stun­de, irgend­wie, das war ja so, dass man einen Anruf bezahlt hat, 20 fen­ne ich oder was das war.

413
00:33:53,280 –> 00:34:08,719
Und dann haben die eine Stun­de tele­fo­niert und der eine hat auf der einen Sei­te gemalt und der ande­re auf der ande­ren Sei­te und das wur­de dann in so einer so bere­si­gen Wohn­zim­mer­aus­stel­lung, also duf­te man ja nicht, man muss­te sozu­sa­gen Aus­stel­lun­gen gegen ja alles irgend­wie so offi­zi­el­le Wege, die haben mal in ihrer Woh­nung da ausgestellt.

414
00:34:09,280 –> 00:34:18,400
So und das war so eine Sze­ne von irgend­ei­nen Leu­ten und das war lus­tig und das war ja nur inter­es­sant, weil es eigent­lich ver­bo­ten war, ja, so war das gar nicht gingen.

415
00:34:18,400 –> 00:34:30,639
Oder es gab auch 1989, muss das gewe­sen sein, oder 88, gab es halt so Leu­te, die haben ne nep­tun­brun­nen mit Flat­ter­band abge­spannt und haben da so schil­ler auf­ge­hängt, foto­gra­fie­ren verboten.

416
00:34:31,440 –> 00:34:42,679
Also kei­ne sozu­sa­gen direk­te poli­ti­sche Aus­sa­ge, aber die Sta­se, die war sofort da, hat das alles abge­räumt, weil sich nicht, also die haben alles immer so was sie nicht ver­stan­den haben, haben sie ja irgend­wie mitgenommen.

417
00:34:42,679 –> 00:34:51,679
Und dann war sozu­sa­gen die gan­zen Woh­nung im Prenz­le­rer Berg, das waren dann so auf­kle­ber an der Tür, foto­gra­fie­ren ver­bo­ten und alle haben so in sich hineingekichert.

418
00:34:52,800 –> 00:34:55,120
Also die­se Art Kunst­ak­ti­on, wenn man …

419
00:34:55,120 –> 00:35:11,320
Ja, ja, also das war super, ein­fach mit nichts, ja, und auch ich mei­ne Thea­ter­kunst und so die Aus­lichs­kun­den ja alle irgend­wie zwi­schen den Zei­len lesen, da waren dann irgend­wel­che Din­ge so rein­ge­packt in irgend­wel­che göti­sche Stü­cke oder so.

420
00:35:11,320 –> 00:35:19,320
Also ich bin seit­dem, seit da Wen­de nicht mehr in irgend­wel­chen göte Offüh­run­gen gewe­sen, aber das war so …

421
00:35:19,880 –> 00:35:22,760
Ja, also das war auch so was span­nen­des, ja.

422
00:35:23,000 –> 00:35:25,200
Ja, aber das ist viel­leicht bei uns so, ne?

423
00:35:25,400 –> 00:35:34,320
Ich habe das auch immer gedacht und ich habe lei­der am 4. Okto­ber 1989 mein Inter­es­se an die­ser fried­li­chen Revo­lu­ti­on verloren,

424
00:35:34,320 –> 00:35:46,680
weil ich da gemerkt habe, es geht in eine ande­re Rich­tung, es geht eben auf Kas­set­te-Rag­or­der und VWGDI und so, da geht’s hin.

425
00:35:48,080 –> 00:35:51,320
Und das war nicht mein Inter­es­se, ne?

426
00:35:51,360 –> 00:35:56,880
Ich hat­te im Osten mei­nen Berufs­ver­bot, das hat aber nichts genutzt, ich habe trotz­dem gearbeitet.

427
00:35:57,760 –> 00:35:59,640
Wie als DJ oder als …

428
00:35:59,640 –> 00:36:08,840
Nee, ich war ja eigent­lich ein Aus­bil­der für Soft­ware, also für Text­vera­belspro­gram­me und so was, bei der …

429
00:36:08,840 –> 00:36:10,320
Also … wo sind Fir­ma Robo­tro­nen, ne?

430
00:36:10,920 –> 00:36:16,680
Und ich hat­te da auch Leu­te von der Sta­si teil­wei­se vor mir sit­zen, wuss­te man nicht so wirk­lich, ob die von der Sta­si waren, aber …

431
00:36:16,680 –> 00:36:26,680
aber die soll­te ich auch aus­bil­den und auf­grund mei­ner poli­ti­schen Äuße­rung, ich habe damals mich geoutet und habe …

432
00:36:26,680 –> 00:36:32,760
so, wie wir sagen, an die Bezirks­par­tei­ler und der SED einen offe­nen Brief geschrie­ben mit meinem …

433
00:36:32,760 –> 00:36:34,680
mit mei­ner Kri­tik an die­ser Partei.

434
00:36:35,800 –> 00:36:36,480
Und …

435
00:36:36,480 –> 00:36:42,160
Der wur­de auch bei uns immer Fir­ma an die Wand­zeit unge­hef­tet, ne?

436
00:36:43,760 –> 00:36:52,160
Aber das hat mir natür­lich dann sofort ein Berufs­ver­bot ein, man hat mich gemobbt, mich durf­te nicht mehr arbei­ten, ich durf­te nichts mehr machen.

437
00:36:52,680 –> 00:37:00,640
Ich woll­te man nicht ver­set­zen, aber da muss ich sagen, zu die­ser Zeit habe ich gelernt, dass es auch im Ost sei­ne Gewerk­schaft gab und die Gewerkschaft …

438
00:37:00,640 –> 00:37:03,000
hat mir gehol­fen, die hat mir Rechts­bei­st­ein gege­ben, ja.

439
00:37:04,080 –> 00:37:05,040
Und das ist toll, ja.

440
00:37:05,360 –> 00:37:06,440
Die hat mir Rechts­bei­st­ein gegeben.

441
00:37:06,920 –> 00:37:07,400
Und es lag aber nicht mehr.

442
00:37:07,400 –> 00:37:10,440
Die war für mich, weil das nur ein Urlaubsverteilungsverein …

443
00:37:10,440 –> 00:37:14,160
Nein, nein, ich bin dahin zu unse­rem Gewerk­schaf­tern, hat gesagt, die …

444
00:37:14,680 –> 00:37:22,120
Die ver­wol­len mich jetzt in die Pro­duk­ti­on ver­set­zen, dür­fen die das, ne? Und er sagt dann nicht, dür­fen sie nicht …

445
00:37:22,120 –> 00:37:32,560
Ich bin im Rechts­an­walt und da gehst du hin und der … erklärt dir das und da hat mir das erklärt, ich brauch­te den Rechts­an­walt gar nicht beauf­tra­gen, son­dern ich hab dann dem Par­tei­se­kri­ter gesagt, nie …

446
00:37:32,560 –> 00:37:37,800
Genos­se, du bist nicht die Arbei­ter­klas­se und du darfst mich nicht in die Pro­duk­ti­on versetzen.

447
00:37:38,200 –> 00:37:48,680
Und es hat da auch nicht gemacht, aber sie haben mich gemobbt und sie haben ver­sucht, wenn ich woan­ders einen Job mir orga­ni­sie­ren woll­te, da wur­de ja dann immer unter­ein­an­der gespro­chen, war­um will der eure tol­le Fir­ma verlassen?

448
00:37:49,360 –> 00:37:53,480
Ja, eigent­lich krieg ich mal die Kader-Akte und so wei­ter, dann krieg­te ich dann die Jobs nicht, ne?

449
00:37:53,840 –> 00:37:54,600
Also man hat immer von …

450
00:37:54,600 –> 00:37:56,280
Und in der Kader-Akte stand es drin, richtig?

451
00:37:56,440 –> 00:38:02,560
Ja, ja, auch in der Sta­si-Akte stan­den nur Gutes über mich, also das so.

452
00:38:02,840 –> 00:38:06,680
Ich hab die Sta­si-Akte gele­sen, nicht die Gis­kom­plet­te, das fehlt ein Stück aber …

453
00:38:07,440 –> 00:38:14,560
Das war okay, der anders her­um und das ist ja, was man heu­te auch wie­der hat­te, mit die­ser Wahrnehmung …

454
00:38:14,560 –> 00:38:19,800
die­ser Wahr­neh­mung, die­ser Men­schen, die in der DDR sozia­li­siert wurden.

455
00:38:20,360 –> 00:38:25,440
Ich wur­de zu Ost­zei­ten immer so wahr­ge­nom­men, ich bin der Stasi-Mitarbeiter.

456
00:38:27,240 –> 00:38:32,720
Also, um mich her­um mein­ten immer, mit dem du fand ich so viel, der ist bei der Stasi.

457
00:38:33,320 –> 00:38:34,000
Aber wie so?

458
00:38:34,600 –> 00:38:43,600
Ich weiß es nicht, ein Mädel aus mei­ner Grund­schu­le hat sich irgend­wann spä­ter in den 2019ern, die mich auf der Stra­ße getrof­fen hat,

459
00:38:43,600 –> 00:38:48,840
hat sich dafür ent­schul­digt, du sagst, du machst ja schon in der Schu­le oder was?

460
00:38:48,840 –> 00:38:49,400
In der Schu­le, schon.

461
00:38:49,560 –> 00:38:50,120
Nach dem Mann, das ist ja.

462
00:38:50,520 –> 00:38:51,360
Was so, okay.

463
00:38:51,800 –> 00:38:52,320
Ja, also das …

464
00:38:52,320 –> 00:38:55,520
Ja, also das ist so … komm ich, weil ich eben …

465
00:38:56,200 –> 00:39:01,960
… den Sozia­lis­mus und auch die­se Sachen und die lin­ke Idee immer ver­tei­le ich habe, ich fand das immer gut.

466
00:39:03,040 –> 00:39:05,080
Aber nicht so, wie es gemacht wur­de halt.

467
00:39:05,520 –> 00:39:08,800
Ja, nee, also das …

468
00:39:08,800 –> 00:39:09,600
Also ich hab …

469
00:39:09,600 –> 00:39:12,600
… das damals gesagt …

470
00:39:13,640 –> 00:39:23,280
… also es gibt die­sen Song von Code Dem­lar, einer ist immer dabei von der ganz drei­den Poli­zei und einer macht immer ein Strich, wenn du es nicht bist, bin ich.

471
00:39:23,800 –> 00:39:30,160
Also mit dem ich wuss­te, dass ich nicht dabei war, aber ansons­ten war der Punkt halt, man muss­te damit leben.

472
00:39:30,360 –> 00:39:35,600
Also ich hab bei der ARMY haben wir im Prin­zip so kon­spi­ra­ti­ve Tref­fen gemacht, also das war …

473
00:39:35,600 –> 00:39:43,120
… ich hab Soft­ware gemacht und da war da in einem Büro mit einem Leu­ten, an der war das Gau­be zusammen.

474
00:39:44,040 –> 00:39:50,480
Und der ist natür­lich 16 Uhr in der Hau­se gegan­gen und dann hat­te ich das Büro für mich allei­ne, das war sehr toll, weil …

475
00:39:50,480 –> 00:39:55,720
… weil der ARMY war das halt gro­ße Zim­mer, die man hat­te irgend­wie kein Rück­zugs­raum und so.

476
00:39:56,240 –> 00:39:58,680
Das war schon irgend­wie Blö­de und …

477
00:39:59,360 –> 00:40:04,680
… ich hat­te dann zwei Kum­pel und mit denen habe ich mich dann da in das Büro eingeschlossen.

478
00:40:04,680 –> 00:40:13,680
Und wir haben die getrun­ken und das war sehr schön, aber das hät­te prin­zi­pi­ell sein kön­nen, dass einer von bei­den oder bei­de irgend­wie auch bei der Sta­si sind.

479
00:40:13,840 –> 00:40:15,560
Und damit muss­te man halt leben.

480
00:40:15,800 –> 00:40:20,000
Also das war irgend­wie … das war das, was auch schlimm war, ja.

481
00:40:20,160 –> 00:40:22,920
Ich mei­ne, es kam ja hin­ter­her raus, also irgendwie …

482
00:40:22,920 –> 00:40:27,800
… der Mann von Vera Wol­len­ber­ger war bei der Sta­si und hat sie Bespit­ze direkt so.

483
00:40:27,800 –> 00:40:32,000
Und das war schon so, aber …

484
00:40:32,000 –> 00:40:33,560
… ja, man hat …

485
00:40:33,560 –> 00:40:39,040
… also ich hab mir dann irgend­wo gesagt, okay, wer ich jetzt ver­rückt oder sage ich scheiß drauf und …

486
00:40:39,040 –> 00:40:40,480
… und … und … und kokalt …

487
00:40:40,480 –> 00:40:43,880
… dass ich so ein­fach irgend­wie nor­mal damit weiterleben.

488
00:40:44,360 –> 00:40:46,360
Also wir hat­ten in der Schule …

489
00:40:46,360 –> 00:40:49,000
… hat­ten wir auch …

490
00:40:49,000 –> 00:40:50,800
… die muss­ten übri­gens zum Ende kom­men, die sind nicht so.

491
00:40:50,800 –> 00:40:51,360
Also, okay.

492
00:40:52,360 –> 00:41:01,440
Aber es ist nett, mal dar­über zu reden, zwi­schen zwei Leu­ten, die in die­ser DDR groß gewor­den sind und die eine bestimm­te Erfah­rung gemacht haben, …

493
00:41:01,440 –> 00:41:05,720
… was wir nicht raus­fin­den kön­nen, ist war­um jetzt diese …

494
00:41:05,720 –> 00:41:11,880
… wie heißt die Par­tei bei dir, die­se Schluft­par­tei, in ganz Ost­deutsch­land jetzt gewählt wird?

495
00:41:12,040 –> 00:41:15,520
Ich ver­ste­he es auch nicht, es ist kei­ne alter­na­ti­ve Lie­be Leute.

496
00:41:16,000 –> 00:41:18,720
Das müs­sen wir … also ich weiß nicht, siehst du wahr­schein­lich auch so.

497
00:41:18,720 –> 00:41:23,320
Sie wird euch nicht das brin­gen, was ihr von ihr erwartet.

498
00:41:25,440 –> 00:41:28,680
Ja, ich glau­be, dass da wirk­lich auch …

499
00:41:29,240 –> 00:41:33,920
… Natio­na­lis­ten, Ras­sis­ten und Nazis dabei sind, ich glau­be aber auch, dass …

500
00:41:33,920 –> 00:41:35,120
… also, weil sich …

501
00:41:35,120 –> 00:41:37,000
… jetzt war der Hahn oder was für …

502
00:41:37,000 –> 00:41:38,600
Ja, ich will gleich noch nicht sicher fühlen.

503
00:41:39,200 –> 00:41:44,640
Nee, also das Pro­blem ist, die haben ja vor­her die Links­par­tei gebildet.

504
00:41:44,640 –> 00:41:50,280
Also, ich will irgend­wie nicht glau­ben, dass die­se Leu­te jetzt alle Nazis gewor­den sind.

505
00:41:50,320 –> 00:41:51,280
Das kann irgend­wie nicht sein.

506
00:41:51,560 –> 00:41:53,680
Und dann ist die Fra­ge, wie holt man die zurück?

507
00:41:53,840 –> 00:41:54,720
Also, es wären ja auch immer mehr.

508
00:41:54,920 –> 00:41:57,320
Also, das wür­de ja hei­ßen, die­ses sind irgendwie …

509
00:41:57,320 –> 00:42:00,400
… über ein Jahr so und so viel mehr Nazis geworden.

510
00:42:00,600 –> 00:42:04,680
Das kann … das will ich ein­fach nicht glau­ben, ich glau­be, ans Gute im Menschen.

511
00:42:05,160 –> 00:42:07,200
Und dann muss man halt gucken, wie man die zurückkriegt.

512
00:42:07,440 –> 00:42:10,160
Okay, und dabei belas­sen wir es …

513
00:42:10,160 –> 00:42:13,960
… wir haben Mül­ler aus Ber­lin, Sprach­wis­sen­schaft­ler und Pro­fes­se an Humboldt-Universität.

514
00:42:14,520 –> 00:42:16,000
Das war die hei­ße Tasse.

515
00:42:16,200 –> 00:42:18,400
Ste­fan, dan­ke, dass du dabei warst.

516
00:42:19,160 –> 00:42:19,560
Ja, ger­ne.

517
00:42:19,760 –> 00:42:23,840
Wir kön­nen das ja viel­leicht im Lau­fe des Jah­res noch mal weiterführen.

518
00:42:24,280 –> 00:42:29,240
Viel­leicht haben wir dann was aus­ge­fun­den, war­um die dort alle blau wäh­len und …

519
00:42:29,240 –> 00:42:30,600
… so unter Alter­na­ti­ve wählen.

520
00:42:31,160 –> 00:42:36,480
Ich wer­de ver­su­chen, das raus­zu­fin­den, aber ich bin mir nicht sicher, ob das gelingt.

521
00:42:37,400 –> 00:42:38,680
Ich wün­sche dir das mal dein …

522
00:42:38,680 –> 00:42:40,040
Das ist wohl die Fak­to­rie, kann ich nur sagen.

523
00:42:40,360 –> 00:42:40,600
Ja, genau.

524
00:42:41,000 –> 00:42:42,520
Ich wün­sche dir bei dei­nem Blog …

525
00:42:42,520 –> 00:42:47,120
… so ist er da aus dem noch viel Erfolg und natür­lich auch als Pro­fes­se an Humboldt-Universität.

526
00:42:47,160 –> 00:42:48,360
Ich hab da auch mal in die Plo­gen gemacht.

527
00:42:49,080 –> 00:42:49,320
Ist aber …

528
00:42:49,320 –> 00:42:49,800
Wun­der­bar, ja.

529
00:42:50,120 –> 00:42:51,320
Tschüss, tschüss, tschüss.

530
00:42:51,480 –> 00:42:52,160
Dan­ke, tschüss.

531
00:42:53,000 –> 00:42:54,480
So, wir hören uns wie­der am Donnerstag.

532
00:42:55,160 –> 00:42:56,400
Hier bei der Hal­tung Tas­se. Tschüss.

Danksagungen

Ich dan­ke Tho­mas Stein­bre­cher für das Gespräch und Thors­ten Rochel­mey­er für Hil­fe beim Verschriftlichen.

„Ines Geipel lügt“

In Der Ossi und der Holo­caust habe ich die Behaup­tun­gen von Anet­ta Kaha­ne und Ines Gei­pel zum Umgang der DDR mit dem Holo­caust unter­sucht und bin zum Schluss gekom­men, dass bei­de Autorin­nen ent­we­der kei­ne Ahnung haben oder lügen. 

Die West-Gesell­schaft des direk­ten Nach­kriegs, die sich manisch schön­putz­te, die schier mär­chen­gleich Koh­le mach­te und sich in ihrer Unfä­hig­keit zu trau­ern ver­pupp­te. Die post­fa­schis­ti­sche DDR der fünf­zi­ger Jah­re dage­gen wur­de zur Syn­the­se zwi­schen ein­ge­kap­sel­tem Hit­ler und neu­er Sta­lin-Dik­ta­tur, pla­niert durch einen roten Anti­fa­schis­mus, der ein­zig eine Hel­den­sor­te zuließ: den deut­schen Kom­mu­nis­ten als Über­win­der Hit­lers. Mit die­ser instru­men­tel­len Ver­ges­sens­po­li­tik wur­de im sel­ben Atem­zug der Holo­caust für 40 Jah­re in den Ost-Eis­schrank gescho­ben. Er kam öffent­lich nicht vor.

Ines Gei­pel, Das Ding mit dem Osten, Frank­fur­ter All­ge­mei­ne, 14.08.2019

Im Blog-Post zei­ge ich recht deut­lich, dass die Ver­bre­chen an den Juden über­all the­ma­ti­siert wur­den. In den Geschichts­bü­chern der neun­ten Klas­se, im Lite­ra­tur­un­ter­richt, in Büchern, Fil­men, Stra­ßen­nah­men usw.

Beim taz-Lab gab es eine Podi­ums­dis­kus­si­on mit der His­to­ri­ke­rin Kat­ja Hoyer und dem Schrift­stel­ler Mar­co Mar­tin, bei der letz­te­rer sag­te, das mit der Geschichts­schrei­bung durch die Sie­ger im Ver­ei­ni­gungs­pro­zess sei doch eine Mär, denn es gäbe doch auch ost­deut­sche Stim­men wie Ines Gei­pel und Anne Rabe. Ich habe dann im Dis­kus­si­ons­teil dar­auf hin­ge­wie­sen, dass Anet­ta Kaha­ne und Ines Gei­pel kei­ne glaub­wür­di­gen Quel­len sei­en, da sie ent­we­der kei­ne Ahnung hät­ten oder lügen wür­den, was zu gro­ßer Ent­rüs­tung führ­te. Lei­der kann­te ich zu die­sem Zeit­punkt eine Doku­men­ta­ti­on des MDRs noch nicht, denn aus die­ser geht her­vor, dass Ines Gei­pel erheb­li­che Pro­ble­me mit der Wahr­heit in Bezug auf ihr eige­nes Leben hat. Auch die Zah­len der Doping­be­trof­fe­nen, die sie als Che­fin der Doping­op­fer­hil­fe ver­tre­ten hat, hiel­ten einer Über­prü­fung nicht stand.

Das ist der MDR-Beitrag:

Doping und Dich­tung: Bei­trag vom MDR über Behaup­tun­gen von Ines Geipel

Ines Gei­pel hat behaup­tet, dass die Sta­si bei einer Blind­darm-Ope­ra­ti­on ihre Bauch­mus­ku­la­tur und all ihre Orga­ne zer­schnit­ten habe. 

Eine Unter­leibs­ope­ra­ti­on 1984 bot die Gele­gen­heit, „sie zumin­dest für län­ge­re Zeit auf Eis zu legen“, wie sie aus den Akten zitier­te. Ein Chir­urg der Virch­ow-Kli­nik in Ber­lin stell­te 2004, zwan­zig Jah­re nach der per­fi­den Tat, fest, was die Ärz­te in der DDR ihr ange­tan hat­ten. „Mein gesam­ter Bauch war samt Mus­ku­la­tur durch­schnit­ten wor­den“, erfuhr sie. „Alle inne­ren Orga­ne waren verletzt.“

Reinsch, Micha­el. 12.04.2011. Ines Gei­pel: Der Schre­cken steht mit­ten im Raum. Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung. Frankfurt/Main.

In der Doku­men­ta­ti­on wur­de sie bei einem Sprint-Wett­be­werb zwei Mona­te nach der OP gezeigt. Mit ver­letz­ten Orga­nen läuft man kei­ne 100m, weil man auch vor dem Wett­kampf trai­nie­ren muss. 

Den kom­plet­ten Bauch auf­schnei­den, wer glaubt in so einen Unsinn? Da könn­te man nicht mehr lau­fen. Ich habe ja erst vor ein paar Tagen wie­der gele­sen, dass alle inne­re inne­ren Orga­ne wur­den ver­letzt. Das ist ein Unding. Das geht nicht und da kann man vor allen Din­gen nicht sechs Wochen oder acht Wochen spä­ter lau­fen. Schlecht wie immer – aber gelau­fen ist sie.

Uwe Trö­mer im MDR-Bei­trag Doping und Dichtung

Bezüg­lich ihrer Blind­darm­ope­ra­ti­on gibt sie an, dass sie als Fol­ge der durch die Sta­si durch­ge­führ­ten Ope­ra­ti­on kei­ne Kin­der mehr bekom­men konn­te (Ein­zel­kämp­fer bei 1:24:15). Laut MDR-Fak­ten­check (2023: 60) steht im OP-Bericht vom 17.01.2003 nichts von Ver­let­zun­gen ande­rer Orga­ne oder Ver­let­zun­gen, die Kin­der­lo­sig­keit hät­ten ver­ur­sacht haben können.

Gei­pel gibt mit Welt­re­kor­den an und damit Olym­pio­ni­kin gewe­sen zu sein, sie hat aber nie eine gewon­nen, ja, sie hat nicht ein­mal an einer Olym­pia­de teil­ge­nom­men. Bei Sprint-Wett­kämp­fen lan­de­te sie trotz hoher Doping­wer­te auf hin­te­ren Plät­zen. In die natio­na­le Aus­wahl der Sprint­staf­fel kam sie nicht, weil es bes­se­re Läu­fe­rin­nen gab. 

Nach Aus­strah­lung der MDR-Doku leg­te Ines Gei­pel eine Pro­gramm­be­schwer­de ein (doku­men­tiert auf ihrer Web-Sei­te: Pro­gramm­be­schwer­de Doping und Dich­tung). Die­se ist eigent­lich noch schlim­mer, als das, was man aus der Doku erfährt, denn sie zeigt, wie Ines Gei­pel arbei­tet. Mit bewuss­ten Aus­las­sun­gen, Ver­dre­hun­gen und Mani­pu­la­tio­nen. Der MDR hat die Pro­gramm­be­schwer­de durch zwei renom­mier­te Sportjournalist*innen prü­fen las­sen und auf 101 Sei­ten ist die gan­ze Unge­heu­er­lich­keit des Vor­gangs doku­men­tiert. Die Autor*innen nen­nen Gei­pel dar­in eine Lüg­ne­rin und Hoch­stap­le­rin, die Wör­ter Unver­fro­ren­heit und Dreis­tig­keit kom­men vor. Nur ein Bei­spiel: In Gei­pels Sta­si-Akte steht:

Die­ser Darm­ver­schluss ergab sich jedoch, da dies bei jun­gen Men­schen noch der Fall ist oder mög­lich ist; ansons­ten wäre eine wei­te­re Ope­ra­ti­on nötig gewe­sen. Danach soll­te Gei­pel wie­der in ein Kran­ken­haus wegen ihrer .… Geschich­te. Dies wäre die Chan­ce gewe­sen, sie für län­ge­re Zeit auf Eis zu legen. Sie ist jetzt z.Z. in einer Pha­se der Rehabilitation …

BStU, nach Screen­shot aus MDR-Doku.

BStU, Screen­shot aus MDR-Doku.

Die­se Aus­sa­ge belegt, dass das eine Chan­ce gewe­sen wäre, d.h. das Auf-Eis-Legen ist nicht erfolgt. Gei­pel lässt in ihren Zita­ten das Wort gewe­sen ein­fach weg: „Das ist die Chan­ce, sie für län­ge­re Zeit auf Eis zu legen.“ (In Ein­zel­kämp­fer, 2013: 1:26:15 kann man sehen, wie sie die Pas­sa­ge „vor­liest“).

Man kann also schlie­ßen, dass Ines Gei­pel kei­ne glaub­wür­di­ge Zeu­gin in Bezug auf die DDR-Geschich­te ist. 

Denn der ver­ant­wor­tungs­vol­le Umgang mit der Wahr­heit gehört augen­schein­lich nicht zu den Stär­ken der 62 Jah­re alten Berlinerin.

Lud­wig, Udo & Neu­mann, Thi­lo & Pursch­ke, Tho­mas. 2023. Ver­lei­hung des Erich-Loest-Prei­ses: Ines Gei­pel und der schwie­ri­ge Umgang mit der Wahr­heit. Der Spie­gel. 23.02.2023

Ich hat­te ja in der Aus­ein­an­der­set­zung über den Umgang mit dem Holo­caust in der DDR als Ergeb­nis die bei­den Mög­lich­kei­ten „kei­ne Ahnung“ und „lügen“. Theo­re­tisch ist es immer noch mög­lich, dass Ines Gei­pel kei­ne Ahnung in Bezug auf das The­ma Holo­caust hat­te bzw. hat, aber die Lügen-Mög­lich­keit erhält mit die­ser Infor­ma­ti­on über Ines Gei­pel mehr Plausibilität.

Nachtrag

Die Doku­men­te auf Ines Gei­pels Web-Sei­te sind mir bekannt. Sie wer­den im Fak­ten­check in der Erwi­de­rung auf die Pro­gramm­be­schwer­de gegen den MDR bespro­chen. Die von Gei­pel bei­gebrach­ten Doku­men­te wider­le­gen nichts von dem, was oben aus den Doku­men­ta­tio­nen zitiert wurde.

Quellen

Kar­te, Uwe. 2023. Doping und Dich­tung: Das schwie­ri­ge Erbe des DDR-Sports. 2023. mdr. (https://www.youtube.com/watch?v=FUInTLwH4fI)

Kau­del­ka, San­dra. 2013. Ein­zel­kämp­fer. ZDF. (https://youtu.be/Vdhu-cNkWcc?t=5054)

Kowal­c­zuk, Ilko-Sascha. 2022. Getrüb­te Erin­ne­run­gen? Über ein Buch, das nicht erschie­nen ist. Deutsch­land Archiv. (https://www.bpb.de/513987)

Kowal­c­zuk, Ilko-Sascha. 2023. Der Fall Gei­pel und Gesin­nungs­kämp­fe: Doping und Praw­da. taz 16.12.2023. Ber­lin. (https://taz.de/Der-Fall-Geipel-und-Gesinnungskaempfe/!5977524/)

Lud­wig, Udo & Neu­mann, Thi­lo & Pursch­ke, Tho­mas. 2022. Wir­bel um Ver­tre­te­rin von Doping-Opfern: Lügen, betrü­gen, täu­schen. Der Spie­gel 21. (https://www.spiegel.de/sport/ines-geipel-vertreterin-von-doping-opfern-luegen-betruegen-taeuschen-a-4f0bebfd-c8f3-4eda-bc21-0baf6ecaf7ea)

Lud­wig, Udo & Neu­mann, Thi­lo & Pursch­ke, Tho­mas. 2023. Ver­lei­hung des Erich-Loest-Prei­ses: Ines Gei­pel und der schwie­ri­ge Umgang mit der Wahr­heit. Der Spie­gel. (https://www.spiegel.de/sport/ddr-dopingsystem-ines-geipel-und-der-schwierige-umgang-mit-der-wahrheit-a-7e209638-b5ce-4ad7-b35f-9d096b33e04b)

MDR Haupt­re­dak­ti­on Sport. 2023. MDR-Doku­men­ta­ti­on „Doping und Dich­tung“ Fak­ten­check. Leip­zig. 24.08.2023.

Reinsch, Micha­el. 2011. Ines Gei­pel: Der Schre­cken steht mit­ten im Raum. Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung. 12.04.2011. Frankfurt/Main. (https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/doping/ines-geipel-der-schrecken-steht-mitten-im-raum-1621434.html)

Antwort auf abgedruckte Leserbriefe (Directors cut = viel zu lange Version)

Ich möch­te mich recht herz­lich für alle Emails, Brie­fe und Päck­chen bedan­ken, die ich nach der Ver­öf­fent­li­chung mei­nes Arti­kels zu Anne Rabes Buch Die Mög­lich­keit von Glück erhal­ten habe. Ich hat­te das nicht erwar­tet, aber das Feed­back war im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes über­wäl­ti­gend. Von den Brie­fen waren sechs kritisch/negativ und 23 posi­tiv. Ich habe die kritischen/negativen unge­kürzt in mei­nen Blog auf­ge­nom­men und dis­ku­tie­re sie dort detail­liert: https://so-isser-der-ossi.de/2024/05/27/anne-rabe-leserbriefe/, auch den zum Jam­mer-Ossi. Auf die in der Ber­li­ner Zei­tung abge­druck­ten Tei­le der Leser­brie­fe möch­te ich im Fol­gen­den ein­ge­hen. In mei­nem Blog und auch im ver­öf­fent­lich­ten Bei­trag in der BLZ geht es mir dar­um, wel­chen Ein­druck Anne Rabe von der DDR ver­mit­telt und was dar­aus abge­lei­tet wird. Den ers­ten Blog-Ein­trag Gewalt­er­fah­run­gen und 1968 für den Osten habe ich auch zu einem Arti­kel in der taz geschrie­ben, bevor ich Anne Rabes Roman über­haupt gele­sen hat­te. Anne Rabe argu­men­tiert grob ver­ein­fa­chend für eine Töpf­chen­theo­rie 2.0: Weil es Fami­li­en gab, in denen es Gewalt gab, war der ganz Osten so und man kann dar­aus letzt­end­lich alles ablei­ten: Ras­sis­mus, Faschis­mus, Natio­na­lis­mus, Anti­se­mi­tis­mus. Alles, wovor sich das Bil­dungs­bür­ger­tum zu Recht gru­selt. Und es ist pri­ma: Das alles ist nur im Osten zu ver­or­ten. Dun­kel­deutsch­land eben. Dabei ist es lei­der so, dass es im gesam­ten Land ziem­lich fins­ter aus­sieht, ja, sogar in Euro­pa. Die Rechts­extre­mis­mus-Stu­die hat das für Deutsch­land dis­ku­tiert. Der Autor der Stu­die hat in der Ber­li­ner Zei­tung (BLZ, 08.07.2023) her­vor­ge­ho­ben, dass der Rechts­extre­mis­mus mit der Struk­tur der Bevöl­ke­rung im Osten zusam­men­hängt und in struk­tu­rell ähn­li­chen Gebie­ten im Wes­ten ähn­li­che Ein­stel­lun­gen nach­zu­wei­sen sind. Das bedeu­tet also, dass man für die Wahl­er­fol­ge der AfD im Osten oder ras­sis­ti­sche Ein­stel­lun­gen kei­ne gewalt­tä­ti­gen Eltern als Erklä­rung benö­tigt. Die empi­ri­sche For­schung lie­fert Grün­de. Auch bricht Anne Rabes Töpf­chen­theo­rie sofort in sich zusam­men, wenn man ihren auto­fik­tio­na­len Roman genau­er liest, denn dort fin­det sich die fol­gen­de Passage: 

Alle Fami­li­en haben sol­che Geschich­ten. Gemein­sa­me Erleb­nis­se, die eine Fami­lie zu einer Fami­lie machen. Geschich­ten, die man sich immer wie­der erzählt. Die Geschich­ten von einem miss­glück­ten Weih­nachts­bra­ten, von Irr­fahr­ten zu einem lang ersehn­ten Urlaubs­ziel, Miss­ge­schi­cke und Toll­pat­schig­kei­ten, die einem noch immer die Lach­trä­nen in die Augen trei­ben. Die­se Geschich­ten, an die man denkt, wenn man Zuhau­se denkt.

Was Tim und ich uns erzäh­len, wenn wir über unse­re Kind­heit spre­chen, sind Geschich­ten davon, wie wir gelernt haben, still zu sein.

Rabe, Anne. 2023. Die Mög­lich­keit von Glück. Stutt­gart: Klett-Cot­ta. S. 23

Das bedeu­tet, dass Anne Rabe bzw. die Ich-Erzäh­le­rin die­se Fami­lie als unnor­mal ein­stuft. Wenn sie aber unnor­mal war, dann kann man aus der Exis­tenz die­ser Fami­lie nicht auf die Bevöl­ke­rung eines gan­zen Lan­des schlie­ßen. Wie hoch die Antei­le von auto und fik­tio­nal an der auto­fik­tio­na­len Geschich­te sind, wer­den wir nie her­aus­fin­den, denn Anne Rabe äußert sich in Inter­views zu dies­be­züg­li­chen Fra­gen nicht (zum Bei­spiel beim taz-Lab-Gespräch mit Simo­ne Schmol­lack).

Zwei Brie­fe spre­chen die Fra­ge nach den abso­lu­ten und den rela­ti­ven Zah­len bei Kinds­tö­tun­gen an und einer unter­stellt mir eine bewuss­te Falsch­dar­stel­lung. Die Poli­zei­li­che Kri­mi­nal­sta­tis­tik (PKS) ver­wen­det rela­ti­ve Zah­len, um die Zah­len über­haupt ver­gleich­bar zu machen. Ich möch­te das an einem Bei­spiel erklä­ren: Im Fall der so genann­ten Neo­na­ti­zide, also der Kinds­tö­tun­gen direkt nach der Geburt, sind abso­lu­te Zah­len nicht aus­sa­ge­kräf­tig, denn in Bre­men wur­den zum Bei­spiel im Jahr 2022 nur 6.720 Kin­der gebo­ren. In NRW waren es im sel­ben Zeit­raum dage­gen 164.496 Kin­der. Wenn in bei­den Bun­des­län­dern jeweils ein Kind getö­tet wor­den wäre, wäre die abso­lu­te Anzahl gleich, aber für Bre­men wäre die rela­ti­ve Anzahl, also die Anzahl im Ver­gleich zu den Kin­dern, die über­haupt Opfer hät­ten wer­den kön­nen, viel grö­ßer. Neh­men wir an, in Bre­men wären 6.720 Kin­der getö­tet wor­den, dann wären es 100% gewe­sen. 6.270 Kin­der in NRW wären aber nur 4,1%. Der Ver­gleich abso­lu­ter Zah­len ist also offen­sicht­lich unsin­nig. In der PKS wird des­halb der abso­lu­te Wert auf Opfer pro 100.000 mög­li­che Opfer umge­rech­net. In Bre­men wäre die ermit­tel­te Zahl dann also grö­ßer als die tat­säch­li­che Zahl und in NRW klei­ner. So wer­den die Neo­na­ti­zi­de in Bre­men und NRW ver­gleich­bar. Das ist auch in der zitier­ten Stu­die zu den Kinds­tö­tun­gen auf S. 337 erklärt (Höynck, Behn­sen & Zäh­rin­ger, 2015). Ich zitie­re genau die­se Sei­te in mei­nem Blog-Post vom 20.02.2024, der die Kinds­tö­tun­gen aus­führ­li­cher bespricht, als das in der Ber­li­ner mög­lich war. Im Arti­kel, der als Print-Ver­si­on erschie­nen ist, sind die Quel­len aus Platz­grün­den aus­ge­la­gert wor­den. Wenn man nun über die Kinds­tö­tun­gen von Kin­dern unter 6 Jah­ren spricht, muss man als Bezugs­grö­ße 100.000 Kin­der in den jewei­li­gen Bun­des­län­dern anneh­men. Ein Bezug auf die Gesamt­be­völ­ke­rungs­zahl, wie von einem Leser vor­ge­schla­gen, wäre nicht kor­rekt. In mei­ner Ori­gi­nal­ein­rei­chung war ein Satz zu den rela­ti­ven Zah­len bzgl. 100.000 mög­li­chen Opfern ent­hal­ten. Ich wur­de gebe­ten, das noch bes­ser zu erklä­ren und habe des­halb die Sät­ze ein­ge­fügt, die dar­le­gen, wie absurd das Ergeb­nis wür­de, wenn man von abso­lu­ten Zah­len aus­gin­ge. Die PKS und auch die Pres­se­be­rich­te dar­über haben sich auf rela­ti­ve Zah­len (Fach­wort Opferzahlen/OZ) bezo­gen, Anne Rabe hat aber geschrie­ben: „Die Zahl der Kinds­tö­tun­gen ist im Osten Deutsch­lands in den 90er und 00er Jah­ren dop­pelt so hoch wie im Wes­ten und steigt im Jahr 2006 sogar auf das Vier­fa­che an.“ Die­se Aus­sa­ge ist fak­tisch falsch. Ein Leser schrieb mir AR hät­te die rela­ti­ve Zahl gemeint. Was jemand gemeint hat, ist aber nicht rele­vant, ent­schei­dend ist, was jemand ver­öf­fent­licht hat. Als Sprach­wis­sen­schaft­ler kann ich ein­schät­zen, was ein Satz bedeu­tet und als Mathe­ma­ti­ker und pro­mo­vier­ter Infor­ma­ti­ker weiß ich, was Anne Rabe statt­des­sen hät­te schrei­ben müs­sen. Dass ich das jetzt nicht hin­ter­her irgend­wie zurecht­ge­bo­gen habe, sieht man, wenn man sich den Print-Arti­kel ansieht: Dort sind die Bevöl­ke­rungs­grö­ße und die Gebur­ten­ra­ten erwähnt. Nur der eine Satz mit der Bezugs­grö­ße 100.000 ist lei­der im Ping-Pong mit der Redak­ti­on ver­lo­ren gegan­gen. Ich hät­te bes­ser auf­pas­sen müs­sen. Der Punkt mit den abso­lu­ten und rela­ti­ven Zah­len hat jetzt in der Dis­kus­si­on und auch im Arti­kel einen viel zu gro­ßen Raum ein­ge­nom­men. Wich­tig ist, und das sagen Höynck, Behn­sen & Zäh­rin­ger (2015: 337) auch sehr klar (auch an ande­ren Stel­len in ihrem im renom­mier­ten Wis­sen­schafts­ver­lag Sprin­ger erschie­nen Buch), dass man aus der PKS nichts ablei­ten kann. Der wich­tigs­te Punkt ist, dass die Zah­len (glück­li­cher­wei­se) zu klein sind. Die Autorin­nen lis­ten wei­te­re Pro­ble­me auf, die zei­gen, dass das Zie­hen von Schlüs­sen aus der PKS zu Kinds­tö­tun­gen unzu­läs­sig ist. Es wur­de in vie­len Brie­fen kri­ti­siert, dass ich auf Wiki­pe­dia ver­wie­sen habe. Ich bin Pro­fes­sor und bil­de zukünf­ti­ge Wissenschaftler*innen aus. Ich weiß sehr wohl, was Wiki­pe­dia kann und was Wiki­pe­dia nicht kann. In mei­nem Blog-Bei­trag zu den Leser­brie­fen gehen ich dar­auf auch genau­er ein. Der Punkt ist hier, dass genau die­se Stu­die und auch die ent­spre­chen­de Sei­te im Wiki­pe­dia-Ein­trag zu Kinds­tö­tun­gen zitiert wird. Wenn also jemand einen Quick­check zu Anne Rabes Behaup­tun­gen hät­te machen wol­len (Ver­lag, Jury, Rezen­sen­ten), so wäre es ein Leich­tes gewe­sen, in Wiki­pe­dia die Stel­le für wei­te­re Nach­for­schun­gen zu fin­den. Das Pro­blem für die­ses Land ist, dass nie­mand sich die Mühe gemacht hat. Die Gru­sel­ge­schich­te war doch zu schön.

Bern­hard Kave­mann liest aus mei­nem Arti­kel, dass ich kein Ver­ständ­nis für Kau­sa­li­tät hät­te. Ich habe in mathe­ma­ti­scher Logik eine 1,0 im Stu­di­um gehabt, habe ein Sys­tem mit Dis­kurs­re­prä­sen­ta­ti­ons­theo­rie imple­men­tiert und Logik und Com­pu­ta­tio­na­le Seman­tik an diver­sen Unis gelehrt. Wie Schlüs­se funk­tio­nie­ren, weiß ich sehr wohl. Ich habe nir­gends behaup­tet, dass es im Osten kei­ne Nazis gab. Wes­halb wäre ich sonst wohl 1989 im Anti­fa-Block mar­schiert (was ich im Arti­kel auch erwähnt habe). Ich habe behaup­tet, dass Anne Rabe fak­tisch fal­sche Behaup­tun­gen in ihren Roman ein­ge­baut hat. Den Nach­weis dafür haben ich im Arti­kel und noch detail­lier­ter in den Blog-Posts erbracht. Bern­hard Kave­mann schreibt wei­ter: „Der Ver­such mit den AfD-Poli­ti­kern geht eben­falls dane­ben: „Höcke und Kal­bitz sind aus dem Wes­ten.“ Ja, aber da sind sie nichts gewor­den, waren klei­ne Lich­ter, groß sind sie erst im Osten gewor­den.“ Im Arti­kel habe ich bereits Georg Maa­ßen erwähnt, der nicht im Osten groß gewor­den ist, son­dern im Ver­fas­sungs­schutz. Das Bun­des­ka­bi­nett hat ihn 2012 auf Vor­schlag des Bun­des­in­nen­mi­nis­ters Hans-Peter Fried­rich (CSU) zum Chef gemacht. Inzwi­schen wird Maa­ßen von der Behör­de, der er vor­saß, beob­ach­tet. Auch Dr. Alex­an­der „Wir wer­den sie jagen“ Gau­land ist nicht durch Ossis groß gewor­den. Vogel­schiss-Gau­land war von 1973 bis 2013 in der CDU, war im Magis­trat von Frankfurt/Main, und lei­te­te von 1987 bis 1991 die Hes­si­sche Staats­kanz­lei. Er ist jetzt Ehren­vor­sit­zen­der der Höcke-AfD und Vor­sit­zen­der der Bun­des­tags­frak­ti­on. Alle die­je­ni­gen, die noch ein biss­chen Anstand haben, sind bereits aus der AfD aus­ge­tre­ten. Wo kom­men die füh­ren­den Nazis her? Wer hat sie groß gemacht? Gern bit­te in mei­nem Blog in der Rubrik Nazis nachlesen. 

Hel­gard Most merkt an, dass man bei der Dis­kus­si­on mit Anne Rabe beim taz-Lab mei­ne Behaup­tun­gen nicht nach­prü­fen konn­te. Dafür habe ich den Blog geschrie­ben und den Arti­kel in der Ber­li­ner Zei­tung ver­öf­fent­licht. Die Blog-Bei­trä­ge hat­te ich aus­ge­druckt beim taz-Lab mit. 80 Sei­ten. Ich hät­te sie Anne Rabe geschenkt. Wirk­lich. HM behaup­tet wei­ter: „Wir Leser*innen sind intel­li­gent genug, zwi­schen einem Roman, der Anre­gun­gen für eige­ne Gedan­ken geben soll, und der Pau­scha­li­sie­rung einer gan­zen Bevölkerung, wie Herr Müller sie behaup­tet, zu unter­schei­den.“ Das mag für Frau Most zutref­fen, ist aber im All­ge­mei­nen lei­der nicht rich­tig. Mein ers­ter Anne Rabe-Post im Blog bezog sich des­halb auch nicht auf den Roman, den ich damals noch nicht gele­sen hat­te, son­dern auf die Dis­kus­si­on, den die­ser Roman aus­ge­löst hat. Da wird pau­scha­li­siert, die Mär von der gewalt­tä­ti­gen DDR wird ver­brei­tet. End­lich eine Erklä­rung dafür, wie komisch die Ossis sind. Ich möch­te hier ein wei­te­res wich­ti­ges Bei­spiel für die Roman/­Sach­buch-Dis­kus­si­on geben. Anne Rabe behaup­tet: „Auch waren Anti­se­mi­tis­mus und Natio­na­lis­mus wich­ti­ge Bestand­tei­le der sowje­ti­schen und real­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie.“ Das ist eine Tat­sa­chen­be­haup­tung. Der Kon­text ist:

In der DDR droh­te die Dik­ta­tur zudem stän­dig, einen für die Ver­gan­gen­heit zur Ver­ant­wor­tung zu zie­hen. Auch des­halb wur­de geschwie­gen. In einem Land, in dem der Anti­fa­schis­mus Staats­rä­son war, wie soll man da über das spre­chen, was man in der »faschis­ti­schen Wehr­macht« getan hat­te? Auch waren Anti­se­mi­tis­mus und Natio­na­lis­mus wich­ti­ge Bestand­tei­le der sowje­ti­schen und real­so­zia­lis­ti­schen Ideologie.

S. 215

Das ist nicht ein Satz, den irgend­ei­ne Per­son im Roman sagt. Das ist eine Erklä­rung für den Leser. Und sie ist fak­tisch falsch. Ich habe das in mei­nem Blog-Post zum Holo­caust aus­führ­lich bespro­chen und es gibt auch diver­se ande­re Posts, zum Bei­spiel einen, der eine wis­sen­schaft­li­che Stu­die zu Poli­ti­kern in Ost und West aus­wer­tet. Im Osten gab es in den ver­schie­de­nen Regie­run­gen neun, dann acht, dann einen jüdi­schen Poli­ti­ker. Unter ande­rem Klaus Gysi. Im Wes­ten gab es nie in irgend­ei­ner Regie­rung einen. Null. Wich­ti­ge Poli­ti­ker, Musi­ker, Künst­ler der DDR waren Juden. Der Vater von Anet­ta Kaha­ne war ganz vorn mit dabei: Er hat die Nach­rich­ten­agen­tur ADN auf­ge­baut und lei­te­te das Neue Deutsch­land. Wolf Bier­mann hat­te mit Mar­got Hon­ecker meh­re­re Jah­re in einem Haus­halt gelebt. Mari­on Brasch hat als Jüdin Yas­sir Ara­fat am Wer­bel­lin­see begrüßt. Als ich einen Bre­mer Pro­fes­sor für Poli­tik­wis­sen­schaft nach sei­ner Evi­denz bezüg­lich tra­dier­ten Anti­se­mi­tis­mus’ in der DDR frag­te, schrieb er mir zurück, ich sol­le doch mal das Buch von Anne Rabe lesen. Das ist das Niveau, auf dem die Dis­kus­si­on läuft. Ein Wis­sen­schaft­ler ver­weist mich auf ein Buch, das nicht als Sach­buch bewer­tet wur­de und des­halb auch nicht das wis­sen­schaft­li­che Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem durch­lau­fen hat. Beim taz-Lab gab es eine Dis­kus­si­on zwi­schen dem Schrift­stel­ler Mar­co Mar­tin und der His­to­ri­ke­rin Kat­ja Hoyer. Ich habe Hoyers Buch noch nicht gele­sen und kann zu sei­ner Qua­li­tät nichts sagen, aber Mar­co Mar­tin behaup­te­te, dass es nicht wahr sei, dass die Sie­ger die Geschich­te schrei­ben, und führt zum Bei­spiel Ines Gei­pel und Anne Rabe als ost­deut­sche Stim­men an, die ja den Gegen­part zu den Sie­gern über­näh­men. Das heißt, dass Anne Rabe auf eine Stu­fe mit His­to­ri­kern gestellt wird, die in einem Qua­li­täts­si­che­rungs­sys­tem arbei­ten und ver­öf­fent­li­chen. So wird aus einem Roman ein Sach­buch. Zu Ines Gei­pel gibt es eine Doku­men­ta­ti­on des MDR, die dis­ku­tiert, dass Gei­pel weder Olym­pio­ni­kin, noch Welt­re­kord­hal­te­rin war, dass die Zah­len der Doping­op­fer, die sie als Che­fin der Doping­op­fer­hil­fe genannt hat, viel zu hoch waren. Gei­pel hat eine Pro­gramm­be­schwer­de beim Rund­funk­rat ein­ge­legt. Die 101-sei­ti­ge Erwi­de­rung des MDR liegt mir vor. Die Autor*innen nen­nen Gei­pel dar­in eine Lüg­ne­rin und Hoch­stap­le­rin, die Wör­ter Unver­fro­ren­heit und Dreis­tig­keit kom­men vor. Wie­so soll jemand, der in Bezug auf sei­ne eige­ne Geschich­te lügt, eine glaub­wür­di­ge Quel­le für unser aller Geschich­te sein? Über den Holo­caust schreibt Gei­pel: „Mit die­ser instru­men­tel­len Ver­ges­sens­po­li­tik wur­de im sel­ben Atem­zug der Holo­caust für 40 Jah­re in den Ost-Eis­schrank gescho­ben. Er kam öffent­lich nicht vor.“ Das ist fak­tisch falsch, wie ich aus­führ­lich in Der Ossi und der Holo­caust nach­ge­wie­sen habe.  Anne Rabe und ihre (ehe­ma­li­ge?) Freun­din Ines Gei­pel sind kei­ne ver­läss­li­chen Quel­len, was die Geschich­te der DDR angeht. Das in Bezug auf Anne Rabe zu zei­gen, war das Ziel mei­nes Bei­trags in der Ber­li­ner Zei­tung. Und dann bleibt die Fra­ge: Wer schreibt unse­re Geschichte?

Den Leser­brief zu den Blu­men­töp­fen ver­ste­he ich nicht. Ich weiß nicht, war­um die Leser­brief­re­dak­ti­on ihn aus­ge­sucht hat. 

Rein­hard Brett­schnei­der wirft mir vor, dass ich die Spal­tung erhal­ten will. Nichts liegt mir fer­ner. Wie gesagt: Ich habe mich bis 2013 nicht als Ossi gese­hen. Die Spal­tung ist jedoch real. Vie­les wird man nicht mehr repa­rie­ren kön­nen. Eigen­tums­struk­tu­ren wer­den immer so blei­ben: Ver­mie­ter woh­nen im Wes­ten, die Ein­nah­men flie­ßen dort­hin ab. Fir­men­sit­ze lie­gen im Wes­ten, Ein­nah­men und Paten­te gehen in den Wes­ten. Steu­ern wer­den nicht im Osten gezahlt, son­dern am Fir­men­sitz. Aber man könn­te eini­ge Din­ge ändern, die zur Ver­hei­lung eini­ger Wun­den bei­tra­gen könn­ten. Dazu gehört, dass respekt­voll über den Osten geschrie­ben wird, ja, dass die Men­schen dort über­haupt als sol­che wahr­ge­nom­men wer­den. Ich habe in mei­nem Blog eini­ge Fäl­le dis­ku­tiert, in denen West-Autoren und ‑Wis­sen­schaft­ler über den Osten reden, als wäre er nicht Teil des Lan­des. Und das in Arti­keln, die einen posi­ti­ven Bei­trag zur Ost-West-Debat­te leis­ten wol­len. Ich kämp­fe dafür, dass für die­se Pro­ble­me über­haupt erst mal ein Bewusst­sein ent­steht. Das ist drin­gend not­wen­dig, denn ein ver­nünf­ti­ges Mit­ein­an­der ist auch ein Betrag im Kampf gegen den Faschis­mus. In der taz schreibt Georg Seeß­len: „Die Men­schen, die einem Maxi­mi­li­an Krah zuju­beln, […] trotz der Nach­rich­ten über die­sen Mann, müs­sen einen fun­da­men­ta­len Bruch voll­zo­gen haben.“ Der Punkt hier ist: Die­se Men­schen wur­den von den rele­van­ten Nach­rich­ten wahr­schein­lich nicht erreicht, denn sie sind nicht mehr Teil des gesell­schaft­li­chen Dis­kur­ses. 2021 schrieb Anne Fromm in der taz: „2,5 Pro­zent ihrer Gesamt­auf­la­ge ver­kauft die Süd­deut­sche Zei­tung in den Neu­en Bun­des­län­dern. 3,4 Pro­zent sind es bei der FAZ, etwa 4 Pro­zent beim Spie­gel. Bei der taz sind es, das steht nicht in der Stu­die, rund 6 Pro­zent. […] Die Ost­deut­schen lesen also kei­ne Zei­tun­gen, zumin­dest kei­ne über­re­gio­na­len mit Sitz in der alten BRD.“ War­um soll ich Geld für Druckerzeug­nis­se bezah­len, in denen dau­ernd merk­wür­di­ge Din­ge über mich ste­hen? Ich möch­te, dass es wie­der einen Dis­kurs gibt. Dass wir mit­ein­an­der reden, nicht über­ein­an­der. Ich bin also kein Spal­ter. Ich kämp­fe für ein Mit­ein­an­der, eine Eini­gung, für die deut­sche Ein­heit! Wer hät­te das 1989 gedacht?

Quellen

Beer, Maxi­mi­li­an & Hol­ler­sen, Wieb­ke. 2023. „Es hat eher wenig mit der DDR zu tun“: For­scher über Rechts­extre­mis­mus in Ost­deutsch­land. Ber­li­ner Zei­tung. 08.07.2023. (https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/die-these-vom-rechtsruck-ist-unsinn-forscher-ueber-ostdeutschland-extremismus-und-afd-li.366563)

Fromm, Anne. 2021. Pres­se in Ost­deutsch­land: Wer strei­chelt unse­re See­le? taz, 09.03.2021. Ber­lin. (https://taz.de/Presse-in-Ostdeutschland/!5756271/)

Höynck, The­re­sia & Behn­sen, Mira & Zäh­rin­ger, Ulri­ke. 2015. Tötungs­de­lik­te an Kin­dern unter 6 Jah­ren in Deutsch­land: Eine kri­mi­no­lo­gi­sche Unter­su­chung anhand von Straf­ver­fah­rens­ak­ten (1997–2006). Wies­ba­den: Sprin­ger. (https://doi.org/10.1007/978–3‑658–07587‑3)

Kar­te, Uwe. 2023. Doping und Dich­tung – Das schwie­ri­ge Erbe des DDR-Sports. mdr. 21.01.2023 (https://www.youtube.com/watch?v=FUInTLwH4fI)

MDR Haupt­re­dak­ti­on Sport. 2023. MDR-Doku­men­ta­ti­on „Doping und Dich­tung“ Fak­ten­check. Leip­zig.

Teuw­sen, Peer. 2023. Ver­heim­lich­te Nähe. Neue Züri­cher Zei­tung. 30.09.2023. (https://www.nzz.ch/feuilleton/anne-rabe-verheimlichte-naehe-ld.1782626)