Wahlen in Sachsen-Anhalt und alle drehen durch

Wir sind kurz vor der Macht­über­nah­me durch eine als gesi­chert rechts­extrem ein­ge­stuf­te Par­tei in einem Bun­des­land. Wahr­schein­lich wird der Kelch die­ses Mal noch an uns vor­über­ge­hen, aber alle dre­hen jetzt schon mal durch. (Ich auch.) Die Wochen­end-taz ist vol­ler (guter) Bei­trä­ge zu Sach­sen-Anhalt, aber es gibt auch – wie kurz nach der Wen­de von Eber­hardt Sei­del-Pie­len in der taz – Vor­schlä­ge, dem Osten Sub­ven­tio­nen zu kür­zen, weil er wählt, wie er wählt. (N.B. Wenn man meint, dass nie­mand die AfD wäh­len soll­te, dann wäre es ange­bracht, dafür zu sor­gen, dass nie­mand sie wäh­len kann. Zum Bei­spiel, indem man sie verbietet …)

Die­ser Bei­trag beschäf­tigt sich mit einem Stück von Harald Stut­te mit dem Titel „Dem Wes­ten reicht es irgend­wann“. Ist eigent­lich alles drin. Ich arbei­te den Bei­trag mal durch.

Über bald 37 Jah­re hat man sich an die Dau­er­em­pö­rung Ost als Dik­ta­tur­fol­ge und nun­mehr folk­lo­ris­tisch-regio­na­le Beson­der­heit gewöhnt – ohne sich ange­sichts ver­bes­ser­ter Beschäf­ti­gung, sanier­ter Infra­struk­tur und in Schuss gebrach­ter Innen­städ­te einen Reim dar­auf machen zu können.

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

Also, der Ver­gleichs­maß­stab bei der Beschäf­ti­gung ist die DDR, in der es Voll­be­schäf­ti­gung gab. Man kann nun sagen, dass die Ossis ja selbst Schuld sind, denn sie woll­ten (mehr­heit­lich) den schnel­len Anschluss. Danach gab es gro­ße Ent­las­sungs­wel­len und Unsi­cher­heit. Über 100.000 Wissenschaftler*innen wur­den ent­las­sen, Beru­fe exis­tier­ten nicht mehr. Dass es Beschäf­ti­gung gibt, bedeu­tet nicht unbe­dingt, dass die Men­schen mit die­ser Beschäf­ti­gung zufrie­den sind. Stra­ßen wur­den gebaut, Infra­struk­tur wur­de saniert. Das stimmt. Aber es wur­de auch ein gro­ßer Teil des Bahn­net­zes zer­stört. Die Innen­städ­te wur­den mit Staats­geld und dem Geld von West­lern saniert. Ohne wäre es wahr­schein­lich nicht gegan­gen. Aber das Ergeb­nis ist, dass die Immo­bi­li­en im Besitz von West­deut­schen sind. Das kann man in der Zeit von 2019 dazu lesen:

Das gilt nicht nur für Leip­zig: Schon vor zwölf Jah­ren fan­den Wis­sen­schaft­ler her­aus, dass 60 Pro­zent der pri­va­ten Ver­mie­ter von Dresd­ner Woh­nun­gen in West­deutsch­land leben. Laut Stich­pro­ben sei jeder vier­te Eigen­tü­mer ost­deut­scher Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser in den alten Län­dern zu Hau­se. Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes erge­ben, dass 45 Pro­zent der West­deut­schen ihre Woh­nung selbst besit­zen. Im Osten liegt der Anteil nur bei 31 Pro­zent, und er ist seit 15 Jah­ren nicht gestie­gen. Im Ost­see-Bade­ort Binz sind west­deut­sche Eigen­tü­mer in der Mehr­heit: Wie der MDR vor vier Jah­ren berich­te­te, besit­zen Men­schen aus den alten Län­dern dort 52 Pro­zent der Flur­stü­cke. Wenn Ost­deut­sche Immo­bi­li­en besit­zen, dann eher dort, wo sie wenig wert sind: auf dem Dorf, in den Klein­städ­ten, in den Rand­la­gen. Der Durch­schnitts­haus­halt in den alten Län­dern ver­fügt über Immo­bi­li­en mit einem Net­to­wert von 122.500 Euro, in den neu­en Län­dern sind es 50.900 Euro.

Dar­an sei die Bun­des­re­gie­rung mit schuld. Die Son­der­ab­schrei­bung habe zwar dafür gesorgt, dass Städ­te rasch saniert wor­den sei­en. Aber sie habe wirt­schafts­po­li­tisch fal­sche Anrei­ze gesetzt: “Mit­tel- und lang­fris­tig hat sie dem Osten über­haupt nichts gebracht.”

War­um nicht? “Sie hat zu einer Ver­mö­gens­ver­schie­bung geführt”, sagt Milb­radt. “Ost­deut­sche haben kaum pro­fi­tiert, aber eini­ge West­deut­sche haben ihr Ver­mö­gen ver­grö­ßert.” Natür­lich, sagt er, galt die Son­der­ab­schrei­bung auch für Ost­deut­sche. Doch es kann nur der­je­ni­ge etwas von der Steu­er abset­zen, der Steu­ern bezahlt. Vie­le Ost­deut­sche aber fin­gen nach 1989 beruf­lich von vor­ne an.

[…]

Längst dis­ku­tie­ren wir dar­über, dass West­deut­sche in Füh­rungs­po­si­tio­nen im Osten über­re­prä­sen­tiert sind. Müs­sen wir nicht auch dar­über dis­ku­tie­ren, wie Ost­deut­schen zu Eigen­tum ver­hol­fen wer­den kann – so wie West­deut­schen einst zu Ost-Immo­bi­li­en ver­hol­fen wor­den ist?

Häh­ning, Anne. 2019. Wer ist eigent­lich mein Ver­mie­ter? Die Zeit. 36/2019

Der Prenz­lau­er Berg war kurz vor dem Zusam­men­bre­chen. Er wur­de unter erheb­li­chem finan­zi­el­len Auf­wand saniert. Nur: Dort woh­nen kei­ne Ossis mehr. 90% der Men­schen, die dort leben, sind nicht mehr aus dem Osten. Weg­gen­tri­fi­ziert. In der Urlaubs­an­la­ge an der Ost­see, in der wir Urlaub machen, arbei­tet eine Frau aus dem Osten. Aber die Anla­ge gehört jeman­dem aus dem Wes­ten. Man stel­le sich ein­mal vor, wie das wäre, wenn über die Hälf­te von Stutt­gart, Mün­chen oder Ham­burg im Besitz von Ost­deut­schen wäre. Eine merk­wür­di­ge Vor­stel­lung, oder?

Anne Rabe zitiert zu die­sem The­ma ihren Freund den His­to­ri­ker Patri­ce Pou­trus mit dem Satz: „ist mir doch egal, ob mir ein Wes­si die Mie­te erhöht oder einen Ossi.“ Das ist von bei­den unglaub­lich naiv, denn die Mie­te fließt in den Wes­ten. Dort wird sie ver­steu­ert und dort wird Ver­mö­gen auf­ge­baut oder das Geld aus­ge­ge­ben (Mehr­wert­steu­er geht an Kom­mu­nen, Län­der und Bund). Spä­ter wird das Ver­mö­gen im Wes­ten ver­erbt. Die Erb­schafts­steu­er geht an das Bun­des­land, die Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung wer­den antei­lig an Kom­mu­ne, Bun­des­land und Bund ver­teilt. Das heißt, der Immo­bi­li­en­be­sitz durch West­ler führt zu Wohl­stand im Wes­ten. Ungleich­hei­ten wer­den ver­stärkt. Sel­bi­ges trifft auf Fir­men­be­sitz zu. Die gro­ßen Fir­men haben ihren Sitz im Wes­ten und zah­len dort Steu­ern. Ich habe dar­über schon in Anne Rabe, die Prü­gel­stra­fe und Jugend­werk­hö­fe und die unglaub­li­che „tat­säch­li­che Armut“ in der DDR geschrieben. 

Wei­ter mit Sut­tes Text.

Für die gro­ße Mehr­heit der Men­schen im Wes­ten ist und bleibt die­se Bun­des­re­pu­blik eine Erfolgs­ge­schich­te, die sie mit Wohl­stand, Sicher­heit, Frei­heit, Tole­ranz und Frie­den verbinden.

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

Ja. Das liegt dar­an, dass Nazi-Deutsch­land im Wes­ten die Demo­kra­tie zusam­men mit dem Mar­schall­plan geschenkt bekom­men hat. Die Nazis durf­ten in den höchs­ten Posi­tio­nen wei­ter mit­spie­len. Allen ging es immer bes­ser. Es gab das Wirt­schafts­wun­der und die West­bin­dung. Im Osten hat eine klei­ne Min­der­heit ein fried­li­che Revo­lu­ti­on ange­sto­ßen und hat­te Glück, dass Gor­bat­schow und die DDR-Regie­rung die Pan­zer in der Gara­ge gelas­sen haben. Die­se Min­der­heit war gegen eine Wie­der­ver­ei­ni­gung nach dem Kohl-Plan, aber ihre Visio­nen waren nicht umsetz­bar. Auch aus öko­no­mi­schen Gründen. 

Die Ossis haben dann die Demo­kra­tie in einer trau­ma­ti­schen Umbruch­si­tua­ti­on erlebt. Fast alle Füh­rungs­po­si­tio­nen wur­den durch West­ler besetzt und das hat sich in vie­len gesell­schaft­li­chen Berei­chen auch nicht geän­dert, weil Eli­ten sich aus sich selbst rekru­tie­ren. Inter­es­san­ter­wei­se fin­den aber den­noch im Osten genau­so vie­le Men­schen die Demo­kra­tie als Herr­schafts­form gut, wie im Wes­ten. Das wird für gewöhn­lich in Kom­men­ta­ren wie dem hier dis­ku­tier­ten unterschlagen.

Aber anders als im Osten scheint es in den alten Bun­des­län­dern bei den meis­ten noch immer ein Grund­ver­trau­en in Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit zu geben. Dage­gen ist im Osten nur knapp die Hälf­te der Men­schen mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie zufrie­den.

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

Dar­über hat­te ich bereits 2023 in Die Ossis sind mit der Demo­kra­tie nicht zufrie­den. Ach wirk­lich? Und war­um sind es die Wes­sis? geschrie­ben. Was bei all die­sen Mel­dun­gen und Aus­sa­gen gekonnt ver­schwie­gen wird, ist, dass auch West­ler mit der Demo­kra­tie, so wie sie gera­de ist, nicht zufrie­den sind. Der Pro­zent­satz ist gerin­ger, aber der Unter­schied ist nicht so groß, dass er einen Auf­schrei in den Medi­en recht­fer­ti­gen würde.

2023 waren 51% der Ossis mit der Demo­kra­tie, wie sie gera­de läuft, zufrie­den und 62% der Wessis.

Das hier ist das Ergeb­nis für die Fra­ge, wie man die Demo­kra­tie als Idee fin­det und wie man die Umset­zung findet:

Reprä­sen­ta­ti­ve Bevöl­ke­rungs­be­fra­gung: Fall­zahl n=4.005, reprä­sen­ta­tiv für die deutsch­spra­chi­ge
Wohn­be­völ­ke­rung des Bun­des­ge­biets ab 16 Jah­ren, 2025

Man kann sehr schön sehen, dass in Ost und West gleich vie­le Men­schen sehr zufrie­den oder eher zufrie­den sind, näm­lich 98%. Wenn es um das „Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie“ geht, sind die Unter­schie­de auch nicht sehr groß: 38% in West­deutsch­land sind unzu­frie­den und 49% in Ost­deutsch­land. Und jetzt lie­be Wes­sis, passt ganz gut auf: Die­se Wer­te sind eine Kata­stro­phe: Denn die Ossis sind in der Gesamt­bi­lanz nicht so wich­tig, weil im Osten viel weni­ger Men­schen leben. In eini­gen Jah­ren wird uns alles um die Ohren flie­gen und zwar wegen der AfD-Wähler*innen im Westen.

Zum Ver­gleich hier die Daten von 2023:

Fall­zahl n=4.003, reprä­sen­ta­tiv für die deutsch­spra­chi­ge
Wohn­be­völ­ke­rung ab 16 Jah­ren des Bun­des­ge­biets, 2023

Damals fan­den 98% der Wes­sis die Idee der Demo­kra­tie prin­zi­pi­ell gut, aber nur 96% der Ossis. Das bedeu­tet, dass sich in den letz­ten zwei Jah­ren die Zustim­mung bei den Ossis um 2% erhöht hat und jetzt genau­so hoch ist, wie bei den Wes­sis. Der Anteil der Ossis, die Demo­kra­tie als Herr­schafts­form prin­zi­pi­ell sehr gut fin­den, ist sogar von 60 auf 65% gestie­gen. Damals waren 39% der West­deut­schen mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie unzu­frie­den und 46% der Ost­deut­schen. Das heißt, es sind 3% mehr Ossis unzu­frie­den. Man kann jetzt spe­ku­lie­ren, wor­an das liegt. Viel­leicht an den ver­such­ten Ren­ten­re­for­men? Kran­ken­ver­si­che­run­gen? Dar­an, dass der Bun­des­kanz­ler uns alle für eine Trup­pe arbeits­scheu­er Fau­len­zer hält? Ich selbst bin auch unzu­frie­de­ner. In Ber­lin hat Schwarz-Rot alles kaputt gemacht. 

Teilnehmer*innen vom Pup­pen­thea­ter-Muse­um Ber­lin bei #unkürz­bar Demons­tra­ti­on gegen Kür­zun­gen in Ber­lin am Roten Rat­haus. Dem Pup­pen­thea­ter­mu­se­um wur­den Zuschüs­se für die Mie­te gestri­chen. 22.02.2025

Hoch­schul­ver­trä­ge gebro­chen, Mobi­li­täts­ge­setz nicht umge­setzt. Wege­ner gibt fast 400.000€ für einen Truck und Teil­nah­me am CSD + Cam­pa­gne aus, kürzt aber bei quee­ren Pro­jek­ten (taz, 2026). Volks­ent­schei­de wer­den behin­dert, nicht umge­setzt. Die schwarz-rote Bun­des­re­gie­rung ver­sucht, den Deut­sche-Woh­nen und Co-Ent­ei­gen-Volks­ent­scheid aus­zu­he­beln. Merz bezei­chent 2 Mil­lio­nen Men­schen als lin­ke Spin­ner. Mit Rei­che sitzt eine Gas-Mana­ge­rin im Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um. Die Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin ist ein „Erfah­rungs­kli­ma­wis­sen­schaft­le­rin“ usw. 

Dage­gen ist im Osten nur knapp die Hälf­te der Men­schen mit dem Funk­tio­nie­ren der Demo­kra­tie zufrie­den. Von dort bis zur Bereit­schaft, die­ses Sys­tem einer Alter­na­ti­ve zu opfern, ist der Weg nicht weit.

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

Zwei Drit­tel im Wes­ten sind jetzt auch nicht berau­schend. Ich möch­te zum wie­der­hol­ten Male dar­auf hin­wei­sen, dass es ein fata­ler Feh­ler ist, den Wes­ten zu igno­rie­ren und auf den Osten zu ver­wei­sen. Irgend­wann in nicht all­zu fer­ner Zukunft bekom­men wir die Quit­tung dafür.

In Bre­mer­ha­ven, wo über 60 Pro­zent der Wohn­ge­bäu­de sanie­rungs­be­dürf­tig sind, in Ham­burg mit sei­nem beson­ders gro­ßen Sanie­rungs­be­darf an Schu­len oder in Nord­rhein-West­fa­len mit sei­nen zahl­rei­chen maro­den Brü­cken ballt manch einer die Faust in der Tasche.

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land.

OK. Bre­mer­ha­ven, Ham­burg, NRW. Alles Kom­mu­nis­ten, Lin­ke und Sozi­al­de­mo­kra­ten, oder? Gucken wir mal nach:

In allen Regio­nen hat die AfD zwi­schen 2021 und 2025 ihre Ergeb­nis­se ver­dop­pelt. In Bre­mer­ha­ven liegt sie bei 19,2%. 0,5% hin­ter der CDU als bereits dritt­stärks­te Kraft. In NRW dritt­stärks­te Kraft, nur 3,2 Pro­zent hin­ter der SPD. Mei­ne Pro­gno­se ist, dass die AfD bei der nächs­ten Wahl zweit­stärks­te Kraft wer­den wird. Fra­gen? Ich habe wel­che! Das ist ein sys­te­ma­ti­sches Ver­sa­gen der Medi­en. Immer wie­der. Über 35 Jah­re. Lang­sam wird es ernst. Man­che Medi­en wie die taz haben das begrif­fen und berich­ten seit eini­gen Jah­ren anders.

Hier zum Spaß noch Bay­ern: Die AfD ist in die­sem rei­chen Bun­des­land zweit­stärks­te Kraft gleich nach der CSU.

Bes­ser noch die Pro­gno­sen zur Landtagswahl:

CDU, AfD und Freie Wäh­ler haben zusam­men 70%. Alle­samt ras­sis­ti­sche und aus­län­der­feind­li­che Par­tei­en. Der Chef der Frei­en Wäh­ler ist ein Anti­se­mit. Horst See­ho­fer woll­te bis zur letz­ten Patro­ne gegen Migrant*innen kämp­fen (Der Spie­gel, 2015) und hat den Ver­fas­sungs­schutz­be­richt zur AfD ändern las­sen, weil eini­ge der monier­ten Äuße­run­gen auch von der CSU kom­men (Süd­deut­sche Zei­tung, 2022).

Wer will mir hier noch irgend­was erzählen?

Der Osten lei­det. Aber wor­an eigent­lich? Erst an […], heu­te an […], an […], an […], an […]? Am feh­len­den Ver­ständ­nis für […], an […] und […], an […], an „West­me­di­en“?

Ja. Ich definitiv.

PS: Ein ehe­ma­li­ger SPD-Poli­ti­ker hat mir erzählt, dass im Ruhr­ge­biet gan­ze SPD-Orts­ver­bän­de zur AfD wech­seln, wegen einem der drei Punk­te oben. Aber hackt mal wei­ter auf dem Osten rum. 

Schluss

Dass Men­schen in Ost und West eine Nazi-Par­tei wäh­len, ist schreck­lich. Das ver­hin­dert man aber nicht durch Dro­hun­gen oder Beschimp­fun­gen in der Pres­se. Sol­che Arti­kel die­nen nur der Rück­ver­si­che­rung, dass man selbst zu den Guten gehört und die ande­ren irgend­wie komisch sind. Es ist Othe­ring und somit etwas, dass man ja eigent­lich als Guter ablehnt. Nur scheint das nie­mand zu merken. 

Die Fra­ge ist, was man tun kann. Herr Merz war ja ange­tre­ten, die AfD zu hal­bie­ren. Er hat sie ver­dop­pelt. Sein Ansatz war also der fal­sche. Ich wür­de hier dem Sozio­lo­gen Prof. Stef­fen Mau fol­gen, der Bür­ger­rä­te und mehr Betei­li­gung vor­schlägt. Es gab in der Bun­des­re­pu­blik schon immer einen Boden­satz von extrem Rech­ten: Repu­bli­ka­ner, Schill-Par­tei, DVU, NPD, Hei­mat. Die wird es wahr­schein­lich immer geben. Was zur Zeit pas­siert, liegt jedoch im Bereich dar­über und ist gefährlich. 

Die gesam­te Bun­des­re­pu­blik soll­te über Poli­tik und Poli­tik­stil nach­den­ken. Mar­co Bülow hat 2021 den Poli­tik-Kodex ent­wi­ckelt. Ziel ist die Ver­hin­de­rung von Kor­rup­ti­on und Lob­by­is­mus und von Trans­pa­renz. Wenn die­ser Poli­tik-Kodex für alle Politiker*innen ver­bind­lich wür­de, wäre viel gewonnen.

Quellen

Bal­ser, Mar­kus & Stein­ke, Ronen. 2022. Ver­fas­sungs­schutz: See­ho­fer ließ Ver­fas­sungs­schutz­kri­tik an AfD abschwä­chen. Süd­deut­sche Zei­tung. (https://www.sueddeutsche.de/politik/afd-verfassungsschutz-seehofer-gutachtenvergleich‑1.5511775)

Bor­chol­te, Andre­as. 2015. See­ho­fers „Notwehr“-Sprüche: Rhe­to­risch braun. Der Spie­gel. 09.10.2015. (https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/horst-seehofer-brisantes-notwehr-gerede-a-1057081.html)

Häh­ning, Anne. 2019. Wer ist eigent­lich mein Ver­mie­ter? Die Zeit. 36/2019 (https://www.zeit.de/2019/36/ostdeutschland-wohnungen-besitzer-westdeutsche-investition-anreize/komplettansicht)

Mül­ler, Dana. 2026. PR-Akti­on kurz vor der Wahl: Weg­ners Wagen auf dem CSD: Win­ken statt Wir­ken. taz. 12.07.2026. Ber­lin. (https://taz.de/PR-Aktion-kurz-vor-der-Wahl/!6195433/)

Stut­te, Harald. 2026. Dro­hen­de Fol­gen eines AfD-Wahl­sie­ges: Dem Wes­ten reicht es irgend­wann. RND Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land. (https://www.rnd.de/politik/37-jahre-dauerempoerung-wahlen-im-osten-werden-zum-stresstest-fuer-die-demokratie-6QBXC275BVER3DP3BHFIAFTL3Y.html)

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