Seit 1844 wird in Kahla (Thüringen) Porzellan hergestellt. Zur Wende arbeiteten im Porzellan-Kombinat VEB Kombinat Feinkeramik Kahla 17.000 Menschen, 2.000 davon in Kahla. Aus dem Werk führten Schienen für den Export in die Sowjetunion. Nach der Wende wurde das Werk in Kahla an einen Rechtsanwalt verkauft, dessen einzige Qualifikation darin bestand, einen Bruder bei der Treuhand zu haben. Er reduzierte die Belegschaft auf 800 und später 600, was wegen weggebrochener Märkte im Ostblock wohl unvermeidbar war. 1994 legte er die erste Pleite hin. Das Werk wurde mit Unterstützung des Landes Thüringen erneut verkauft, diesmal an Günther Raithel, einen Manager von Rosenthal. Der leitete Kahla jahrzehntelang erfolgreich, so erfolgreich, wie man eben mit einer Porzellanfirma sein kann, die in der Bundesrepublik produziert (IKEA, China, …). Kahla hat über 100 Designpreise gewonnen und das Porzellan wurde in über 50 Länder exportiert. In einer seit langem unter dem Druck von Billigkonkurrenz kriselnden Branche hat die Firma gezeigt, dass es möglich ist, erfolgreich Porzellan in Deutschland zu herzustellen. Wesentlicher Faktor dafür war das innovative, zum allergrößten Teil im eigenen Haus entworfene Design. Günther Raithel „entdeckte“ die junge Absolventin der Burg Giebichenstein Barbara Schmidt, die in einer fast 30jährigen Zusammenarbeit fast alle erfolgreichen Serien entwarf. KAHLA hat außerdem früh modernisiert, neue Produktionstechnik und Brennöfen angeschafft. Damit konnte die Produktkapazität um 25% gesteigert werden bei gleichzeitiger Reduktion des CO₂-Ausstoßes um 40%. In der Firma gab es ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein. Es gab ein eigenes Label KAHLA Pro Öko. Auf den Wiesen im Werk weideten Schafe. KAHLA war der erste Porzellanhersteller, der eine isostatische Presse mit angeschlossenen Verputzrobotern hatte. Trotzdem gab es weiterhin Handarbeit. Die Belegschaft war auf 300 Personen reduziert. Als Günter Raithel in den Ruhestand eintrat, übernahm sein Sohn Holger. 2020 kam es zur Insolvenz in Eigenverantwortung und Kahla wurde von einem Werbemittelhersteller aufgekauft. Nun die erneute Pleite.
Am Freitag geht in Kahla der Ofen aus.